Forscher waren dem großen Krabbeln auf der Spur. Beim sogenannten Insekten-Camp der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft (ÖEG) erhielt das Team des Nationalpark Thayatals noch tieferen Einblick in das Artinventar des Schutzgebiets. Ob den Insektenforschern auch eine hier bislang nicht nachgewiesene Art unterkam?

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 26. Juni 2021 (14:28)

Über drei Tage und drei Nächte schwirrten österreichische Entomologen im Thayatal aus, um die Vielfalt dieses Schutzgebietes zu untersuchen. Dabei trafen ausgewiesene Spezialisten wie Sandra Auenhammer, Johanna Gunczy, Christian Komposch, Gernot Kunz oder Wolfgang Paill auf hochmotivierte Nachwuchsforscher. Wobei die Insektenkundler nicht nur auf der Jagd nach Sechsbeinern waren, sondern auch Spinnentiere, Schnecken und Pflanzen in ihren Erhebungen beachteten.

An insgesamt 14 Untersuchungsstandorten, darunter Wiesen, Wald, Gewässer und Trockenrasen, waren die 40 Spezialisten Tag und Nacht mit Sammelröhrchen, Klopfschirmen, Leuchtfallen, Fotoapparaten und viel Enthusiasmus im Einsatz. Alles, was ihnen vor die Linse oder zwischen die Finger kam, wurde aufgenommen. Und insgeheim hatten es die Teilnehmer auf den einen oder anderen ganz besonderen Fund einer seltenen oder sogar vor Ort noch nicht nachgewiesenen Art abgesehen.

Wer kennt Kurzschröter, Plattnase und Pappelbock?

Schon am ersten Abend wurden an den Leuchtfallen am Umlaufberg über 100 verschiedene Arten verzeichnet – mit durchaus lokal seltenen Tieren. Zudem konnten drei nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützte Käferarten bestätigt werden: der Scharlachrote Plattkäfer, der Hirschkäfer und der Große Eichenbock. Weiters wurden etliche Urwaldreliktarten, darunter der Schwarzbraune Kurzschröter, der Plattnasen-Holzrüssler oder der Achtpunktige Pappelbock nachgewiesen. Bei den Spinnen gab es eventuell sogar einen Neunachweis für Österreich: die Krabbenspinne Xysticus luctator.

Die Publikation der Gesamtergebnisse erfolgt im Herbst, nachdem die vielen Beobachtungen und Fotos zusammengetragen, sortiert, bestimmt und ausgewertet sind. „Dabei werden sicherlich noch viele weitere spannende Entdeckungen ans Licht treten“, meint Christoph Milek, der für den Nationalpark Thayatal bei der Organisation des Camps im Einsatz war. 

Nächstes Jahr geht's auf die Leiser Berge

Die Insektenforscher wurden mit lokalen Gebietskenntnissen unterstützt und der Nationalpark finanzierte einen Teil der Aufwendungen der ehrenamtlichen Tätigkeit der Teilnehmer. Das Wildkatzen Camp diente dabei als willkommenes Basislager für weitere Bestimmungsarbeiten und geselliges Miteinander zwischen den Exkursionen.

Übrigens: Das von der ÖEG-Jugendreferentin Elisabeth Huber organisierte Insekten-Camp findet jedes Jahr an einem anderen Ort in Österreich statt. Im kommenden Jahr werden die Trocken- und Halbtrockenrasen der Leiser Berge im Weinviertel genau unter die Lupe genommen.