Erstellt am 17. Dezember 2013, 23:59

von Christoph Reiterer und Sandra Frank

„Natur und Vernunft haben gesiegt“. Lang ersehnt war die Entscheidung des Landes. Jetzt ist fix, wo Windräder gebaut werden dürfen.

Vor mehr als zwei Jahren präsentierten Göllersdorfs Bürgermeister Josef Reinwein und Simonsfeld-Vorstand Martin Steininger (r.) ein Mega-Projekt im Ernstbrunner Wald. Jetzt können sie die Unterlagen einpacken. NÖN  |  NOEN
Von C. Reiterer & S. Frank

Die Mitglieder der Initiative „Waldschutz“ jubeln. Die NÖN hatte es bereits vorhergesagt, jetzt ist es erst einmal durch: Auf Göllersdorfer Gemeindegebiet wird es keine Windräder geben. Und damit vor allem keine im Ernstbrunner Wald. Der Zonierungsplan des Landes weist dieses Gebiet nicht als Eignungszone aus.

Nachdem Landeshauptmann Erwin Pröll im Mai dieses Jahres auf die Windkraft-Bremse gestiegen war, liegt nun der damals angekündigte sektorale Raumordnungsplan vor. „Natur und Vernunft siegen über Macht und Geld. Die Grüne Lunge des Weinviertels ist gerettet“, freut sich Arno Klien, Obmann der Freunde des Hollabrunner Waldes. Der Wildwuchs von Windindustrieanlagen der vergangenen Jahre sei durch die Ausschlusszonen nun endlich beendet.
 

Zivilcourage, persönlicher Einsatz und sachliche Argumentation haben sich gegen politischen und finanziellen Lobbyismus durchgesetzt, ist Klien zufrieden. „Es ist der lebendige Beweis, dass letztendlich Positives die Oberhand behält.“ Das letzte und größte Eichenmischwaldgebiet Mitteleuropas könne nun für die Erholung suchende Mit- und Nachtwelt in seiner Vielfalt erhalten bleiben.

Klien, der auch Mitglied der IG Weinviertel ist, hebt noch einmal bevor, dass mehr als 2.000 Unterschriften von Naturschützern gesammelt wurden.

Ernstbrunner Wald bleibt ohne Windrad 

Prominente Hollabrunner wie Regina Fritsch oder Roland Neuwirth stellten sich in den Dienst der Sache. „Es gab einigen notwendigen Aktionismus, der auf die Aussichtslosigkeit dieses zweifelhaften Windkraft-Projektes aufmerksam machte“, resümiert der Hollabrunner. Er sei für Erneuerbare Energie, aber nicht um jeden Preis.

Den Ausschlag hätten Sachargumente geliefert, „wie sie die fundierten sechs Studien enthalten, die EU-weit bzw. landesweit für Aufregung und schließlich für Anerkennung seitens der Landesfachleute sorgten“.

Über die Entscheidung des Landes, den Wald zwischen Hollabrunn und Göllersdorf nicht für die Windkraftnutzung vorzusehen, ist man bei der Windkraft Simonsfeld AG naturgemäß wenig erfreut. „Für Windkraftstandorte im Ernstbrunner Wald sprechen nach wie vor gewichtige Gründe“, bleibt Georg Hartmann dabei. Abstände von mehr als zwei Kilometern zu den nächstgelegenen Wohngebieten, ein wirtschaftlich intensiv genutzter und infrastrukturell erschlossener Wald und eine hohe Umweltverträglichkeit des Projektes seien nicht von der Hand zu weisen.

 

Ganz will sich der Projektentwickler noch nicht von den geplanten 14 Windkraftwerken im Wald trennen: „Wer weiß, wie sich der Strombedarf entwickelt und ob sich daher die Einschätzung nicht in ein paar Jahren doch wieder ändern wird.“ An Erneuerbaren Energien führe jedenfalls in Zukunft kein Weg vorbei.

„Ja, wir haben mit dieser Entscheidung gerechnet“, sagt indes Leopold Dungl, Sprecher der IG Windkraft, erfreut über die Tatsache, dass seine Heimatgemeinde Grabern nicht in eine der Eignungszonen fällt. „Wir haben ja nicht aus Jux und Tollerei gehandelt“, war er überzeugt, dass auch die Experten des Landes die Schönheit der Landschaft erkennen und schützen würde.

Trotz der für Dungl erfreulichen Nachrichten in Bezug auf die Marktgemeinde Grabern steht die IG Weinviertel einigen Standorten nach wie vor kritisch gegenüber. Sorgen bereiten dem Architekten vor allem folgende Zahlen: Das Weinviertel mache flächenmäßig 23 Prozent von Niederösterreich aus, müsse aber mit 58 Prozent der ausgewählten Eignungszonen „einen Großteil des Windstroms schultern“.

Die Eignungszonen rund um Guntersdorf oder Pernersdorf, aber auch Nappersdorf-Kammersdorf „sind nicht gerechtfertigt“, sagt Dungl. Jetzt liege es an den Bürgerinitiativen vor Ort, sich gegen Projekte starkzumachen. Denn: „Die Eignungszonen heißen ja nicht, dass dort Windräder gebaut werden müssen“, so der Windpassinger. Auch wenn er nicht mit allen möglichen Standorten zufrieden ist, so ist Dungl dennoch überzeugt, dass „das Land mit dem Zonierungsplan einen richtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat“.

Nicht nur, dass durch den „sorgfältigen Raumordnungsprozess“ auf die besondere Qualität der Landschaft Rücksicht genommen wurde, auch die Transparenz während der Erarbeitungsphase lobt Dungl. „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir hier mitarbeiten durften.“


Für die „Freunde des Hollabrunner Waldes“ und die Bürgerinitiative „Waldschutz“ bedeutet dieses Ergebnis einen durchschlagenden Erfolg. Das wertvolle zentrale Weinviertel wird frei von Windrädern bleiben und kann seine typische landschaftsbestimmende Eigenart bewahren. Arno Klien, Hollabrunn

„Die Entscheidung der Landesbehörde ist zu akzeptieren. Enttäuschend ist die Entscheidung unter anderem, weil sich die örtliche Bevölkerung mit einer klaren Zweidrittelmehrheit für das Projekt aussprach und aufgrund der bisherigen Untersuchungen von Vogelexperten keine Gründe gegen das Vorhaben vorliegen.“ Georg Harmann, Projektentwickler der Windkraft Simonsfeld AG

„Wenn ein Prozent als Fläche für Windkraft-Standorte überbleibt, kann sich Niederösterreich schon gratulieren.“ Robert Nusser von den Bundesforsten, die den Windpark Nord in den Gemeinden Hardegg, Langau und Weitersfeld planen.