Pinke fordern mehr Mobilität für Maissau. Pinke werfen Stadtregierung vor, nicht in Zukunft zu denken. VP-Chef Klepp: „Haben Visionen.“

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. Januar 2020 (04:18)
Ulrike Vojtisek-Stuntner und Robert Gillinger treten für die NEOS in Maissau an. ÖVP-Bürgermeister Josef Klepp (kleines Bild) nimmt Kritik desMitbewerbes gelassen. Fotos: NÖN-Archiv (Klepp) bzw. NEOS
NÖN-Archiv (Klepp) bzw. NEOS

Ulrike Vojtisek-Stuntner und Robert Gillinger sind die einzigen beiden NEOS-Kandidaten, die der Bezirk zu bieten hat. Beide wollen in Zukunft dem Maissauer Gemeinderat angehören. Ein Platz der insgesamt 19 im Stadtparlament ist derzeit von Pink besetzt, vier Mandate gehören der SPÖ, der Rest entfällt auf die Klepp-ÖVP. Vojtisek-Stuntner wünscht sich indes nicht nur selbst ein gutes Ergebnis, sondern auch, dass die Grünen mit Spitzenkandidatin Elfriede Hofmann ein Comeback im Gemeinderat feiern.

„Wir wollen die Absolute brechen, weil sie nicht gut ist. Aber das schaffen die NEOS nicht allein“, hat die Maissauerin ambitionierte Ziele. Sie wünscht sich einen bunteren Gemeinderat und dort einen zweiten pinken Mandatar, nämlich Mitstreiter Robert Gillinger an ihrer Seite. „Wir haben sehr gute Ideen“, denkt sie etwa an das Mobilitätsproblem, mit dem die Amethyststadt zu kämpfen habe.

„Das Haus soll für die nächsten 50 oder gar 100 Jahre ausreichen, weil es ein zentrales Feuerwehrgebäude werden soll.“Josef Klepp, ÖVP-Stadtchef

Der Zugverkehr hat sich bei uns sogar verbessert, spricht Gillinger über den Fahrplan. Aber: „Wir müssen die Menschen zur Schiene bringen.“ Genau hier kranke es: Wer zur Bahnstation in Limberg gelangen will, brauche schlicht ein zweites Auto, weil die Busverbindungen mehr als spärlich sind. „Ein Sammeltaxi wäre eine tolle Sache“, meint Vojtisek-Stuntner.

ÖVP-Bürgermeister Josef Klepp nimmt Kritik desMitbewerbes gelassen.
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Die beiden NEOS haben viele Finanzierungsvarianten durchgerechnet, mit dem Fazit: „Im ersten Jahr muss die Gemeinde 90 bis 95 Prozent der Kosten tragen.“ Nur so könne es der Bevölkerung schmackhaft gemacht werden. „Wir haben das Geld dafür aber nicht, weil wir es für andere Projekte verpulvert haben.“

„Es gibt Pendlerbusse, die zum Bahnhof fahren. Wir haben Schnellbusse, die von Maissau in 50 Minuten am Praterstern in Wien sind“, kontert ÖVP-Bürgermeister Josef Klepp. Er sieht die Kritik der NEOS gelassen. „Mein Gott, es ist halt Wahlkampf. Und der Mitbewerber sieht‘s halt immer anders.“

Ein Prestige-Projekt, bei dem aus Vojtisek-Stunters Sicht Geld verpulvert worden sei, ist das Feuerwehrhaus in Maissau. Die Pinke ist seit Beginn dagegen gewesen. „Die Feuerwehr leistet sehr wichtige Freiwilligenarbeit. Aber das FF-Haus ist eine Spielwiese für erwachsene Männer geworden, die sich einen Palast gebaut haben.“ Das Haus sei mit 1,5 Millionen Euro überdimensioniert. „Ich versteh‘, dass man Gemeinschaft mag, aber ich bin gespannt, ob man ein solches Haus in zehn oder 15 Jahren in dieser Größe noch braucht.“

Klepp hingegen bezeichnet das Feuerwehrhaus als Projekt für die Zukunft: „Das Haus soll für die nächsten 50 oder gar 100 Jahre ausreichen, weil es ein zentrales Feuerwehrgebäude werden soll.“

Vojtisek: Plastikfreies Gemeinde sei „Worthülse“

Zurück zur Mobilität: Die Gillingers seien ein Paradebeispiel für die Problematik: Robert Gillingers Frau chauffiert ihren Gatten und ihren Sohn morgens zum Bahnhof, damit der Familien-Pkw nicht den ganzen Tag dort stehen muss. Abends holt sie die Männer – oft jeden einzeln aufgrund unterschiedlicher Arbeitszeiten – wieder ab. Der Sohn überlegt, ganz nach Wien zu ziehen, weil dort die Öffis vor der Haustür zu finden sind.

Ulrike Vojtisek-Stuntner und Robert Gillinger treten für die NEOS in Maissau an.
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„So ist für viele junge Familien das Landleben unmöglich“, spricht Vojtisek-Stuntner von einem „Missing Link“, den Zubringer zu den Bahnhöfen. Sie fordert ein Mobilitätskonzept, an dem sich alle fünf Schmidatalgemeinden, „die alle schwarz regiert sind“, beteiligen. „Wir wollen Zuzug, es gibt keine Anschlüsse an die Bahn, aber ein teures Feuerwehrhaus, das haben wir“, ärgert sich die NEOS-Mandatarin, dass die Mehrheitspartei ihre Prioritäten falsch setzt. Denn hier stehen die Bürger vor einem Problem, das sie selbst nicht lösen können. „Sie sind ja nicht für die Infrastruktur zuständig.“

Als „Worthülse“ bezeichnet Vojtisek-Stuntner den Beschluss Maissaus, eine plastikfreie Gemeinde zu werden. „Die Gemeinde sollte Vorbild sein. Wir sind aber nur auf dem Papier plastikfrei“, ärgert sich die Kandidatin. In Rücksprache mit dem Abfallverband habe sie außerdem erfahren: Es ist unmöglich, kein Plastik mehr zu verwenden. Wichtig sei, dass das vorhandene richtig getrennt wird und ausschließlich im Gelben Sack landet.

„Es ist ein Prozess, das geht nicht, dass man von heute auf morgen plastikfrei wird“, sagt Stadtchef Klepp, dass seine Gemeinde sehr wohl Vorbild sein möchte. Bei der Eröffnung des Feuerwehrhauses wie auch beim Kirtag sei auf Wegwerfplastik verzichtet worden. „Wir hatten sogar Strohhalme aus echtem Stroh.“ Natürlich seien noch einige Dinge zu tun.