Hardegg ist nun für Flutwellen-„Worst Case gerüstet“. Das Warnsystem, das Hardegg vor Flutwellen alarmiert, wurde digitalisiert.

Von Sandra Frank. Erstellt am 19. Februar 2020 (04:19)
Bezirkshauptmann Andreas Strobl (l.) und Hardeggs Bürgermeister Fritz Schechtner (r.) bedanken sich bei Anton Held (2.v.l.) und Peter Pospichal, die über Jahrzehnte die Flutwellenalarmanlage gewartet haben.
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Die Stadtgemeinde Hardegg gehört zu jenem kleinen Kreis der Gemeinden, die über eine Flutwellenalarmanlage verfügen. Darum „muss die Bevölkerung in Hardegg ein bissl mehr wissen, als der Durchschnittsbürger in Niederösterreich“, spricht Stefan Kreuzer von der Abteilung Feuerwehr und Zivilschutz der NÖ Landesregierung das Alarmsignal an, das vor einer „Flutwelle“ warnt.

Dieses Alarmsystem wurde nun digitalisiert und in der Vorwoche der Öffentlichkeit präsentiert. Auslöser war, dass ein Blitzschlag im Juni 2019 die Anlage auf tschechischer Seite außer Kraft gesetzt hat. Wäre in dieser Zeit etwas mit dem Staudamm gewesen, so wäre die Bevölkerung über die Sirenen der Feuerwehr verständigt worden, versichert Kreuzer. „Glücklicherweise war aber nichts.“

„Sollte ein Riese kommen und die Betonmauer wegheben, dann sind wir für diesen undenkbaren Fall gerüstet.“Stefan Kreuzer

Was geschehen müsse, um die massive Betonmauer des Staudamms, die in den 1930er Jahren errichtet worden war, zerstören könnte? „Sollte ein Riese kommen und die Betonmauer wegheben, dann sind wir für diesen undenkbaren Fall gerüstet“, bringt Kreuzer ein überzeichnetes Bild, wie stabil der Damm ist.

Trotzdem birgt die Talsperre Gefahrenpotenzial. Die Umstellung vom analogen aufs digitale Warnsystem nutzten die Hardegger Feuerwehr, sie ist laut Bürgermeister Fritz Schechtner der wichtigste Faktor im Katastrophenfall, um die bestehenden Fluchpläne zu überarbeiten. „Ein solcher Plan gehört in jeden Haushalt“, mahnte Kreuzer. Dem ist die Stadtgemeinde bereits nachgekommen. „Wir haben die neuen Fluchtpläne gemeinsam mit einem Bürgermeisterbrief an die Bürger verteilt“, sagt Schechtner.

Die Hollabrunner Bezirkshauptmannschaft ist zuständig für die Abwicklung eines Katastrophenfalls und hat ihre Sonderkatastrophenpläne ebenfalls überarbeitet. Dabei wurde überlegt, wie nicht nur die Hardegger, sondern auch die Besucher des Nationalparks im Ernstfall die Fluchtwege finden. Es sind übrigens orangene Pfeile, die im Fall der Fälle den Weg zur nächsten höheren Stelle weisen. „Danke an meinen Vizebürgermeister, der hat die Pfeile neu hergerichtet“, zeigt Schechtner die Wegweiser her.

Am Bootshaus und am Feuerwehrhaus sind zwei „Trompeten“, wie Kreuzer die Hörner nennt, angebracht, die die Alarmsignale von sich geben. Steht ein Talsperrenbruch kurz bevor, dann gibt die Anlage fünf Minuten ein Signal von sich, „das durch Mark und Bein geht“, weiß Kreuzer. Um nicht von Strom anhängig zu sein, funktioniert das Gerät mit Pressluft.

Ab 22. Februar wird es wieder Proberufe der Flutwellenalarmanlage geben: Jeden Samstag ist um 12.15 Uhr ein 15 sekündiger Dauerton zu hören. Gleich nach dem Proberuf der Feuerwehr- und Zivilschutzsirenen.

Auch wenn alle für den schlimmsten Fall, dem Talsperrenbruch, gerüstet sind, in der Vergangenheit habe es bisher keinen Grund zur Sorge gegeben, dass dieser Fall tatsächlich eintreten werde. „Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch“, erklärt Kreuzer.

„Das analoge Modell war recht wartungsintensive“, bedankte sich Bezirkshauptmann Andreas Strobl bei zwei Männern, die sich 40 Jahre um die Anlage gekümmert haben: Anton Held und Peter Pospichal wurde „für ihr Lebenswerk“ gedankt. Mit einer Urkunde der BH und Hardegger Wein. „Die alte Anlage war mein Kind“, ist Pospichal wehmütig, dass eine Ära zu Ende geht.