Die etwas anderen Märchen. Als „märchenhaft gut“ bezeichnet der Rektor der Sigmund Freud Uni Manfred Pawliks jüngstes Buch. Dieses erzählt Fallbeispiele von Pawliks behinderten Klienten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 09. Oktober 2014 (07:05)
NOEN, Frank
Manfred Pawlik ist Psychotherapeut und arbeitet viel mit behinderten - körperlich und psychisch - Menschen. Über einige Fallbeispiele verfasste er nun ein Buch, ein psychotherapeutisches Märchenbuch.
„Es ist märchenhaft gut“, beschreibt Alfred Pritz, Rektor der Sigmund Freud Uni Wien, in seinem Vorwort das jüngste Werk von Manfred Pawlik. „Wiederbelebung – Ein psychotherapeutisches Märchenbuch“ heißt dessen neues Buch, das noch im Oktober erscheinen wird.

„Zeigt, wie Behinderte positiv auf Psychotherapie reagieren“

„Es geht darin nicht um die Diagnostik“, sagt der Sonnberger. Sein Buch beschäftigt sich mit seiner Arbeit mit behinderten Menschen. Jedes Märchen beschäftigt sich mit einem Fallbeispiel. „Es zeigt, wie Behinderte positiv auf Psychotherapie reagieren“, schreibt Pritz weiter.

Und genau das wollte Pawlik zeigen. Denn er weiß, dass viele seiner Berufskollegen mit Tabletten, etwa Antidepressiva, arbeiten. „Aber das interessiert mich nicht, mich interessiert der Mensch.“

In dem psychotherapeutischen Märchenbuch schreibt auch ein Betroffener, der bei einem Unfall ein Bein verloren hat, wie ihm die Therapie bei Pawlik sogar gegen die körperlichen Schmerzen geholfen hat. „Es geht viel um sexuelle Delikte“, fiel dem Therapeuten bei seinen Klienten auf. „Man muss sie erst dorthinführen, was man darf und was nicht.“

Dieses Bewusstsein fehlt den Betroffenen oft, da sie selten aufgeklärt werden. Außerdem würden Behinderte von vorneherein an das Gute im Menschen glauben. „Wenn du ihnen sympathisch bist, machen sie, was du von ihnen verlangst.“

„Mich interessiert es nicht, mit Tabletten zu behandeln.
Mich interessiert der Mensch. Er muss ja verstehen,
warum etwas nicht stimmt.“
Therapeut Manfred Pawlik

Für die Erzählform des Märchens entschied sich der Autor, weil er im Zuge seiner therapeutischen Arbeit bereits viel mit Märchen arbeitete. „Sie spiegeln die innere Dramatik des Lebens wieder.“ Haben in seinem Buch auch alle Märchen ein Happy End? „Nicht alle, aber wir arbeiten daran“, schmunzelt Pawlik.

Der Klient, dessen „Märchen“ der Autor unter dem Titel „Gestohlene Mutter“ erzählt, kam mit 55 Jahren zu ihm. Ihm wurde erzählt, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben sei. „Das kam mir komisch vor“, sagt der Psychotherapeut. Denn stirbt die Mutter bei der Geburt, so wird dies auf der Geburtsurkunde vermerkt. Bei dem Klienten war dies nicht der Fall.

Nach einiger Recherche fand Pawlik heraus, dass die Mutter noch lebt, er konnte die Familie zusammenführen. Jetzt überlege der 60-Jährige zum ersten Mal, nicht mehr in einer Betreuungseinrichtung, sondern alleine zu wohnen. „Da arbeiten wir auf ein Happy End hin.“