„Nicht die größten Gfrasta“. Katzenjäger-Debatte / Christian Übl bringt die Wildkatze in Erinnerung, Richard Hogl appelliert an die Gesellschaft und der Tierschutzverein an den Landesjägermeister.

Erstellt am 26. November 2013 (23:59)
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Wildkatzen sind nicht leicht von Hauskatzen zu unterscheiden. Die Tigerung ist weniger stark ausgeprägt, die Fellfarbe geht stärker ins Ockergelb-Braun. Auffällig ist der buschige Schwanz mit den schwarzen Ringen, die auf der Oberseite nicht miteinander verbunden sind.
NOEN, zVg/NP Thayatal
Von Christoph Reiterer

Die vom Gaindorfer Jäger Anton Winkler entfachte Debatte hat auch Christian Übl vom Nationalpark Thayatal aufhorchen lassen. Die Wildkatzen, die dort eine Attraktion sind, sind ganzjährig geschont und dürfen nicht gejagt werden.

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NOEN, zVg/NP Thayatal
Die Tiere seien allerdings nur schwer von wildfarbigen Hauskatzen zu unterscheiden, vor allem bei Dunkelheit oder beim Blick auf die Flanke des Tieres. „Jäger müssen die Tiere jedoch richtig ansprechen, bevor sie den Abzug drücken. Eine Verwechslung stellt für den Bestand einer vom Aussterben bedrohten Art eine Katastrophe dar“, warnt Übl.

Wildkatzen seien übrigens keine Gefahr für Rebhühner. Sie meiden die freien Felder, da sie dort gegenüber ihrem natürlichen Feind, dem Wolf oder Hund, schutzlos sind. Analysen hätten ergeben, dass die Nahrung der Wildkatzen zu 90 Prozent aus Mäusen besteht.

„Gutes Einvernehmen mit der Jägerschaft“ 

Mit der Jägerschaft bestehe ein gutes Einvernehmen, betont Übl. Gemeinsam mit Bezirksjägermeister Karl Wittmann sei bereits ein Infoabend durchgeführt worden. „Der Landesjagdverband unterstützt die Wildkatzenmeldestelle, welche die Sichtungen und den Fund toter Wildkatzen sammelt.“ Sollte eine Wildkatze fälschlicherweise geschossen werden, so ersucht er, den Fehlschuss zu melden.

Landtagsabgeordneter Richard Hogl appelliert indes, keine Pauschalurteile gegen die Jägerschaft zu fällen. Das Jagdgesetz sei „100-prozentig in Ordnung“. Nicht in Ordnung sei gewesen, wie sich Anton Winkler ausgedrückt habe. „Das hat so geklungen, als würde er sich etwas darauf einbilden, dass er Katzen geschossen hat.“ Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, als wären die Jäger „die größten Gfrasta der Nation“.

Appell an Landesjägermeister Pröll

Einen Appell an Landesjägermeister Josef Pröll richtet Christian Hölzl, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins, inform eines offenen Briefes. Es sei irritierend, dass dieser als „oberster“ Jäger Niederösterreichs nicht auf das unrühmliche „Outing“ reagiert habe.

Sein Schweigen zeichne ein bedenkliches Sittenbild der Jägerschaft und signalisiere, dass man Missstände in den eigenen Reihen negiere. Die „Sippenhaftung“ treffe somit auch die besonnenen Jäger.

Den ganzen Brief und weitere Lesermeinungen finden Sie auf Seite 2



OFFENER BRIEF
 
Sehr geehrter Herr Landesjägermeister DI Pröll,
 
das Bekenntnis des Jagdleiters von Gaindorf, bereits viele Katzen in seiner „Jagdkarriere“ geschossen zu haben, löste österreichweit einen Sturm der Entrüstung aus. Mindestens gleich irritierend: Sie haben als „oberster“ Jäger Niederösterreichs immer noch nicht auf dieses unrühmliche „Outing“ reagiert. Die beliebte österreichische Methode des Totschweigens von Missständen funktioniert nicht immer: Jagdunfälle, fünf von Jägern erschossene Personen allein in Niederösterreich und totgeschossene Haustiere am Fließband sind keine „Einzelfälle“, sondern trauriger Alltag. Rund 30.000 pro Jahr erlegte Haustiere in Österreich sprechen Bände.
 
Ihr Schweigen lässt sich vielseitig deuten: Auch Sie befürworten den Abschuss von Haustieren. Oder Sie haben vor jenen kapituliert, die mit aller Gewalt versuchen, das ramponierte Image der Jägerschaft noch weiter zu beschädigen. Vielleicht sind Sie auch hoffnungslos im Sumpf der armseligen Klientelpolitik gefangen – ohne Mut zu sachorientierten Entscheidungen und zur längst überfälligen Reform eines antiquierten Jagdgesetzes. 
 
Ihr Schweigen zeichnet jedenfalls ein bedenkliches Sittenbild der Jägerschaft und signalisiert der Bevölkerung, dass man Missstände in den eigenen Reihen negiert. Die „Sippenhaftung“ trifft somit auch die besonnenen Jäger. Gleichzeitig ermutigen Sie auch jene unter Ihren Jägern, denen die nötige emotionale Intelligenz fehlt, dazu, weiterhin Haustiere abzuschießen.
 
Paradox: Die (legale) Tötung von Haustieren ist im Jagdgesetz unter dem Begriff „Jagdschutz“ aufgeführt. Der Jägerschaft und dem Gesetzgeber geht es de facto nicht um Wild- oder Tierschutz, sondern um den Schutz der Jagd(beute). Man schützt also etwas (vor Haustieren), nur um es im Anschluss erlegen zu können. 
 
Jeder Schuss auf ein Haustier (innerhalb oder außerhalb der 300m-Grenze) zeigt schonungslos das eigentliche Motiv für die Jagd auf – nämlich die pure Lust am Töten. Ein plakatives Beispiel also, um mit den gängigen Rechtfertigungen der „Heger und Naturschützer“ für ihr Hobby aufzuräumen. Der Abschuss von Haustieren greift massiv in die emotionale Beziehung von Familien zu ihren Tieren ein. Eine Umfrage zeigt, dass sich 86% (!) der ÖsterreicherInnen unter 30 Jahren für ein Haustier-Abschussverbot aussprechen.
 
Sehr geehrter Herr DI Pröll, nutzen Sie die Zeichen der Zeit und setzen Sie sich für ein Abschussverbot von Familienmitgliedern ein. Das sollte genauso selbstverständlich sein wie die gesetzliche Verankerung eines Alkoholverbotes bei der Jagd und verpflichtende psychologische Tests (gerade auch) für Jäger.
 
Viele werden sich abschließend fragen, welche Qualifikationen die Funktion eines Landesjägermeisters eigentlich erfordert. Leisten Sie Ihren Beitrag, diese Funktion endlich mit Verantwortungsbewusstsein, Mut, Mitgefühl und Sozialkompetenz auszufüllen!
 
Mag. Christian Hölzl, Sprecher
Österreichischer Tierschutzverein


Auf der nächsten Seite finden Sie eine ausführliche Lesermeinung

Lesermeinung Haustierabschuss

Sehr geehrter Herr Reiterer
 
Sehr aufmerksam habe ich in den letzten Tagen Ihre Berichterstattung rund um das Thema jenes Gaindorfer Einwohners verfolgt, der unter dem Deckmantel der Jagd stolz dem Morden von Katzen nachgeht.
 
Prinzipiell bin ich diesem „Jäger“ sehr dankbar dafür, dass er den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt hat, denn nur so wurde diese Berichterstattung  überhaupt möglich.
 
Grosses Unverständnis empfinde ich für das Verhalten von Landesjägermeister Hr. DI Pröll.
 
In der Privatwirtschaft (wir reden hier nicht von jener Privatwirtschaft, in der Sie nur Karriere machen, wenn Sie im Konvoi nach Mariazell wandern und eine Jagdkarte besitzen, sondern von der RICHTIGEN, leistungsorientierten Privatwirtschaft) gibt es normalerweise neben zu erreichenden Geschäftszielen auch einzuhaltende Geschäftsgrundsätze. Wenn jemand den Ruf seines Unternehmens und damit die Reputation schädigt, wird er in der Regel sofort freigestellt.
 
Nicht so beim Landesjagdverband - hier wird geschwiegen. Hier versucht man derartige Vorfälle immer als Einzelfälle darzustellen – nur, diese Einzelfälle häufen sich und jeder Einwohner eines Dorfes kennt mehr als nur einen „Einzelfall“.
 
Schätzungen gehen davon aus, dass alleine in Österreich rund 30.000 Katzen pro Jahr erschossen werden. 
Dreissigtausend Katzen – das sind rund 80 Katzen pro Tag, die durch eine Kugel sterben
 
Durch Ihr Schweigen, Herr DI Pröll,  ermutigen Sie jene Jagdkartenbesitzer im Weitertöten von Katzen, die geistig mit nicht ausreichender Flexibilität ausgestattet sind und durch das Töten eines Haustieres einen kurzen
Moment der Macht empfinden, der ihnen im richtigen Leben offensichtlich verwehrt bleibt.
 
Bewundernswert finde ich hingegen die Aussage des Bezirksjägermeisters Wittmann, der erläutert, dass Jäger nicht diejenigen sind, die Hauskatzen schiessen wollen und der darüberhinaus die Hauskatzenbesitzer auffordert, den geliebten Tieren Halsbänder anzulegen, denn „kein Jäger würde eine Katze schiessen, die er umpflegt weiss“.
 
Allein – mir fehlt der Glaube.
 
Ich lebe in Straning, und einer meiner Nachbarn ist dem engesten Familienkreis eben jenes Hr. Bezirksjägermeisters Wittmann zuzuordnen, der sich so verständnisvoll geäussert hat.
 
Auch, wenn es keine Sippenhaftung gibt, so verschwinden im Umkreis dieser Familie in regelmässigen Abständen Hauskatzen, die durchaus mit Halsbändern ausgestattet sind. Darüber hinaus habe ich zwei Mitglieder dieser Familie
vor rund zwei Jahren beim Erschiessen von zwei kleinen Kätzchen ertappt – Kätzchen, nicht Katzen !!! – und wurde darauf hin von einem der beiden Jäger bedroht.
 
Ich möchte Hr. Bezirksjägermeister Wittmann gerne glauben, aber aufgrund der Vorfälle mit dem engsten Kreis seiner Familie: „Wasser predigen und Wein trinken“ ist es nicht eher das, was er hier macht?
 
Jede Katze, die erschossen wird, fehlt jemandem.
 
zB Kleinen, weinenden Kindern; alten, alleingelassenen Menschen, schwerkranken, trostsuchenden Menschen – vielfach den gleichen Menschen, denen die gleichen Jäger bei „Licht ins Dunkel“ dann durch ihre stolz vor der Kamera übergebenen „grosszügigen Spende“  Mut und Unterstützung zusprechen.
 
Die Politik fordere ich auf, ENDLICH das Jagdgesetz endlich grundlegend zu reformieren.
 
Hunde müssen derzeit geschossen werden, wenn sie wildern; Katzen dürfen geschossen werden, wenn sie sich mehr als 300m vom nächsten Wohn- oder Wirtschaftsgebäude aufhalten. D.H. eine Katze darf schon dann geschossen werden, wenn sie – 300m vom nächsten Gebäude entfernt – in der Sonne liegt und schläft.
 
Der Anschuss von Haustieren gehört grundsätzlich verboten. Wenn ein Tier seinem angeborenen Trieb nachgeht, dann bestrafen sie doch nicht das Tier – lieber Jäger - sondern den Tierbesitzer!
 
 Den Landesjagdverband fordere ich auf, ENDLICH ein Machtwort zu sprechen, und das Töten von Hund und Katz zu verbieten und sich nicht hinter dem Jagdgesetz zu verstecken. Es gibt Dinge, die man grundsätzlich tun darf aber trotzdem nicht tut, weil es sich eben nicht gehört. Hören Sie auf zu Schweigen - dies ist auch jenen Jägern gegenüber unfair, die sich korrekt verhalten. Durch ihr Schweigen bringen sie auch diese in Verruf.
 
Mit jedem Schuss zeigen Sie, was sie von Ihren Mitmenschen und Nachbarn halten und mit jedem Schuss schädigen Sie Ihr Image ein weiteres Stück.
 
Und schlussendlich: die Haustierbesitzer fordere ich auf, weiterhin so mutig zu berichten und endlich gemeinsam aufzustehen und zu kämpfen – wir dürfen uns das nicht länger gefallen lassen!!!!!

Maximilian Gaspar, Straning