„Nicht mit uns!“ – auch Hollabrunner Maturanten streikten

Erstellt am 18. Januar 2022 | 15:12
Lesezeit: 3 Min
Schüler des aktuellen Maturajahrgangs fühlen sich ungerecht behandelt und wollen mit Streik auf sich aufmerksam machen. Sie sind dagegen, dass der mündliche Teil der Matura – im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren – ab heuer wieder Pflicht wird.
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Nach den letzten beiden Schuljahren, in denen die mündliche Matura auf freiwilliger Basis gewählt werden konnte, kündigte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) an, die Mündliche wieder – wie vor der Pandemie – verpflichtend einzuführen. Dieses Vorhaben stößt bei dem diesjährigen Maturajahrgang allerdings auf großes Unverständnis. 

Als Reaktion darauf riefen die SPÖ-nahe „Aktion kritischer Schüler_innen“ (AKS) und ein Zusammenschluss von Schulsprechern zum Maturanten-Streik auf. Ihre Forderung: Freie Wahl der Maturanten, wie sich ihr Maturazeugnis zusammensetzt; entweder aus den Noten der letzten beiden Schuljahre oder anhand einer regulären schriftlichen Matura mit der Möglichkeit, den mündlichen Teil nur freiwillig zu absolvieren. In Bezug auf die Vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) bzw. Diplomarbeiten wird ebenfalls darauf gepocht, dass sie ausschließlich auf freiwilliger Basis präsentiert werden.

Hollabrunner Schüler verließen am Dienstag den Unterricht

An diesem Streik beteiligten sich auch Schüler der BHAK/BHAS und HLW Hollabrunn. Sie verließen am Dienstag den Unterricht, um vor ihren jeweiligen Schulgebäuden mit „Nicht mit uns!“-Schildern auf sich aufmerksam zu machen. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen und als Gemeinschaft zeigen, dass wir uns ungerecht behandelt fühlen. Wir fühlen uns nicht gehört oder verstanden von der Regierung“, macht Leonie Türk, Schülerin an der Hollabrunner BHAK/BHAS, deutlich. 

Die vergangenen Jahre seien Ausnahmezustände gewesen – auch für die Lehrkräfte. „Wir sehen nicht ein, wieso wir nicht mindestens genauso fair behandelt werden wie die Jahrgänge vor uns. Gerade deshalb, weil wir, der Maturajahrgang 2022, am meisten unter den Maßnahmen gelitten haben“, erklärt die Maturantin, weshalb sie und ihre Mitschüler „dem entgegenwirken und uns für unsere schulische Zukunft einsetzen“ wollen.

Bildungsminister: Matura wird durch Maßnahmen trotzdem erleichtert

Polaschek zeigt zwar Verständnis für den Unmut der Schüler, verweist allerdings darauf, dass es weiterhin erleichternde Umstände - wie die Verlängerung der Arbeitszeit bei der Klausur bzw. der Abgabefristen für die VWA und eine Einschränkung der Themenbereiche bei der mündlichen Matura - geben wird. Es werde somit die momentane Situation der Pandemie berücksichtigt, „auch wenn die Schulen durch ein engmaschiges Sicherheitsnetz dieses Schuljahr erfreulicherweise offen bleiben konnten", wie der Bildungsminister betont.

Ob es bei dem einmaligen Streik bleibt oder ob die Maturanten erneut den Unterricht verlassen werden, wird erst entschieden. Wobei – rein theoretisch – ein richtiges Streiken für die Schüler hierzulande eigentlich gar nicht möglich ist, da wegen der Pandemie die Präsenzpflicht an den Schulen ohnehin aufgehoben ist.

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