Aufatmen nach Autobahn-Aus im Schmidatal. Sorge, dass Unmengen an Boden für Europaspange verbraucht werden, ist nun verflogen.

Von Christoph Reiterer und Sylvia Stark. Erstellt am 30. Dezember 2020 (05:55)
Präsentieren stolz das Mobilitätspaket des Landes: die ÖVP- Abgeordneten aus dem Bezirk Hollabrunn: Eva-Maria Himmelbauer (Nationalrat) und Richard Hogl (Landtag).
Gschwindl

1,8 Milliarden für den Verkehr! Das große Mobilitätspaket des Landes (mehr dazu auf Seite 51!) mit Verbesserungen auf Straße und Schiene bringt auch für den Bezirk Hollabrunn wichtige Errungenschaften. Was nun klar ist: Es wird keine Europaspange vulgo Waldviertelautobahn geben, deren Trasse auch den Bezirk Hollabrunn und nicht zuletzt das Schmidatal getroffen hätte.

„Frühester Umsetzungszeitraum für eine Autobahn wäre allerdings erst von 2040 bis 2045 gewesen“, gibt ÖVP-Bezirkschef Richard Hogl zu bedenken und Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer ergänzt: „Uns war es wichtig, bereits früher und gezielter für das Weinviertel und unseren Bezirk Lösungen zu finden und die Belastung für die Anrainer zu senken.“ Unter anderem im Paket: die Spange B 2 als Verbindung Guntersdorf-Horn-Schrems-Budweis.

„Wir unterstützen die Öffis, wollen aber gleichzeitig niemanden bestrafen, der auf das Auto angewiesen ist.“ Eva-Maria Himmelbauer, ÖVP

Auch die Bahninfrastruktur wird deutlich verbessert. Der selektive zweigleisige Ausbau der Nordwestbahn und der Laaer Ostbahn wird bis 2032 realisiert. Bis 2027 werden außerdem auf der Nordwestbahn die Bahnsteige verlängert und attraktiviert. „Wir unterstützen die Öffis, wollen aber gleichzeitig niemanden bestrafen, der auf das Auto angewiesen ist“, betont Himmelbauer.

Hogl findet es jedenfalls „gut, dass die finanziellen Mittel nicht in eine Autobahn, bei der die Errichtung in den nächsten 20 oder 25 Jahren fraglich wäre, sondern in ein gesamtes Mobilitätskonzept fließen“. Das Ergebnis der strategischen Prüfung sei sehr begrüßenswert.

Es sei der umsichtigen und zukunftsorientierten Entscheidung von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler zu verdanken, dass die Waldviertelautobahn zu Grabe getragen wurde, sagen indes die Grünen. „Ein guter Tag für den Klimaschutz in Niederösterreich und das betroffene Weinviertel“, so der Hollabrunner Landtagsabgeordnete Georg Ecker.

Lob für die Verkehrsministerin: Georg Ecker.
Grüne NÖ

„Wir kämpfen seit vielen Jahren gegen dieses fossile Projekt der Beton-Lobby und für den Ausbau der Franz-Josefs-Bahn“, betont Ecker. Mit starken Stimmen von Bürgern und Unternehmern sowie der Zielstrebigkeit der Klimaschutzministerin habe sich der beharrliche Weg ausgezahlt. Nun komme der von den Grünen lange geforderte Ausbau der Franz-Josefs-Bahn als wirklich schnelle, attraktive und angenehme Verbindung in den Wiener Zentralraum – mit direkter Anbindung an die Westbahn (bis Flughafen via Hauptbahnhof) und direkter Anbindung an Horn. Nun werde in Niederösterreich eine Verkehrspolitik der Zukunft gemacht, freut sich Ecker: „Wir sind überzeugt, dass diese starke Stimme im Bund viele weitere Zukunftsprojekte für Niederösterreich bringen wird.“

Was sagen Betroffene, die eine Waldviertelautobahn quasi vor der Tür gehabt hätten? „Ich bin äußerst glücklich über diese Entscheidung. Die Autobahn wäre der falsche Weg gewesen. Wir müssen nur wachsam sein, dass die geplanten Ortsumfahrungen sowie der Ausbau der aktuellen Straßen, wie zum Beispiel die Straßenverbindung von Hollabrunn über den Wagram nach St. Pölten, nicht zu viel an Boden verbrauchen“, meint Josef Guggenberger aus Gettsdorf.

„Ich finde das sehr gut. In unserem Parteiprogramm haben wir uns gegen die Autobahn und die Verbindungsstraße, die wahrscheinlich über Hollenstein und Gettsdorf gegangen wäre, ausgesprochen. In Zeiten des Klimawandels begrüße ich den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel“, erklärt Harald Schörg, geschäftsführender Gemeinderat der SPÖ Ziersdorf, der sich natürlich speziell über den Ausbau der Franz-Josefs-Bahn freut.

Bürgermeister Fischer: Fühle mich gestärkt

Zufrieden mit dem Autobahn-Aus ist auch Doris Kührer aus Goggendorf. Aber: „Es ist eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite wollen wir die schnellen, breiten Straßen, damit wir rasch von A nach B kommen. Auf der anderen Seite will keiner die großen Straßen vor der Haustüre.“ Dass die Bahn und das Straßennetz im Waldviertel zwischen den Städten ausgebaut werden, sei zu begrüßen: „Ich habe eine Kollegin in Karlstein, für die ist es eine Weltreise, um zum Beispiel in die Landeshauptstadt zu kommen.“

Ziersdorfs ÖVP-Bürgermeister Hermann Fischer findet es „wunderbar“, dass die Waldviertelautobahn nicht gebaut wird. „Vor einem Jahr bin ich noch mit besorgten Bürgern vom Forum Westliches Weinviertel auf der Gemeinde zusammengesessen und ich habe mich damals schon dagegen ausgesprochen. Ich fühle mich durch die Entscheidung von Landeshauptfrau Mikl-Leitner und Landesrat Schleritzko gestärkt.“

„Ich begrüße die Entscheidung gegen die Waldviertelautobahn sehr“, sagt Thomas Karamat vom Forum Westliches Weinviertel. Ein großer Wunsch des Oberfellabrunners: Die Busverbindungen zwischen den Bezirkshauptstädten und den größeren Ortschaften sollten besser getaktet und ausgebaut werden.

Karamat sieht jedoch die geplanten Ortsumfahrungen kritisch. Nur eine Abfahrt einer Ortsdurchfahrt verbrauche rund 40 Hektar an fruchtbarem Boden.