Haugsdorfs Bürgermeister: „Ich hoffe auf Events ab Mai“. Haugsdorfs Bürgermeister Andreas Sedlmayer über den Lockdown und neue Projekte, wie Kläranlage und Aussichtsturm.

Von Romana Schuler. Erstellt am 05. Februar 2021 (03:59)
„Die Gemeindemitarbeiter werden stark in Anspruch genommen“, sagt Bürgermeister Andreas Sedlmayer. Nachdem er anfangs Bedenken hatte, will er sich auf jeden Fall impfen lassen.
Romana Schuler

Die andauernde Corona-Situation stellt auch die Bürgermeister für immer wieder neue Herausforderungen. Die NÖN bat den Haugsdorfer ÖVP-Gemeindechef zum Gespräch.

NÖN: Wie wirkt sich der Lockdown in Ihrer Arbeit aus?

Sedlmayer: Es ist ziemlich zeitintensiv. Es kommen ständig neue Verordnungen heraus, wie zum Beispiel jetzt gerade für die Einrichtung der Teststraßen. Das nimmt besonders unsere Mitarbeiter sehr in Anspruch, die sich auch an den Wochenenden bereithalten müssen.

Welche Anliegen werden derzeit an Sie in Ihrer Doppelfunktion als Stadtamtsdirektor in Retz und Bürgermeister in Haugsdorf herangetragen?

Sedlmayer: In erster Linie geht es um Gemeindeeinrichtungen, wie zum Beispiel in Retz die Benützung des Eislaufplatzes. Oder die Büchereien, die jetzt wieder geschlossen sein müssen und für die wir in Retz einen Bringdienst eingerichtet haben. Das ist wirklich eine großartige Idee. Gott sei Dank haben sich einige Freiwillige gemeldet, die diese zeitintensive Arbeit übernehmen. Wir haben in den Büchereien auch DVDs und Spiele für die Kinder, die sind im Moment sehr gefragt.

Wie läuft das zurzeit in der Bibliothek in Haugsdorf?

Sedlmayer: Hier funktioniert die Bücherei auf freiwilliger Basis und im Moment ist sie nicht geöffnet.

Thema Schule: Alles spricht momentan für einen Schichtbetrieb nach den Semesterferien. Sind Sie dabei involviert?

Sedlmayer: Wie das im Detail aussehen wird, weiß ich noch nicht genau. Aber dafür gibt es die Schulverbände. Haugsdorf hat zusammen mit Pernersdorf die Volksschule und mit Alberndorf die Hauptschule. Für die Organisation des Unterrichts gibt es einen Schulobmann und eine Direktorin.

Und wenn es Probleme gibt, kommen Sie ins Spiel?

Sedlmayer: Natürlich, zum Beispiel, wenn Räumlichkeiten gebraucht werden, dann werde ich selbstverständlich helfen und Räume zur Verfügung stellen.

Kommen die Menschen mit Sorgen zu Ihnen?

Sedlmayer: Eigentlich relativ selten. Aber ein Beispiel sind die Covid-19-Massentestungen, für die sich die Menschen via Internet anmelden sollten. Viele in der Gemeinde haben aber kein Internet und dann rufen sie im Gemeindeamt mit der Bitte an, dass wir für sie die Anmeldung erledigen. Das tun wir auch sehr gerne. Trotzdem ist es ein merklicher Aufwand. Hier müssen einfachere und unkompliziertere Lösungen gefunden werden. Wir alle hoffen auf die baldige Möglichkeit einer Impfung, vor allem für die älteren Einwohner der Gemeinde. Ich muss aber sagen, dass wir in Haugsdorf seit vielen Wochen keinen Corona-Fall hatten. Wenn jemand Hilfe benötigt, zum Beispiel beim Einkaufen, dann kann das von der Gemeinde organisiert werden. In Retz hat die Landjugend die Hilfstätigkeiten übernommen.

Werden Sie sich impfen lassen?

Sedlmayer: Selbstverständlich lasse ich mich impfen! Es gibt natürlich viele, die die Maßnahmen ignorieren. Oder die Corona-Leugner sind, die vor allem im Internet ihre Argumente veröffentlichen. Ich war zuvor auch eher ein Impfkritiker, aber inzwischen habe ich keine Bedenken mehr. Bei der Grippe gibt es genauso jedes Jahr andere Virusmutationen und trotzdem lassen sich viele Menschen jährlich impfen.

Wir sind seit 26. Dezember im dritten Lockdown und es ist noch immer nicht ganz klar, wann die Gastronomie und der restliche Handel wieder aufsperren dürfen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Stimmungslage?

Sedlmayer: Jeder macht sich dazu seine Gedanken, wie es weitergehen wird. Ich stelle es mir für die Wirtschaft katastrophal vor. In einigen Bereichen wird es kaum mehr verkraftbar sein, wenn der strenge Lockdown noch länger dauern sollte. Neben der Gastronomie ist die Veranstaltungsbranche ganz schwer betroffen. Wir haben zwei Firmen in Haugsdorf, die im Bereich der Veranstaltungstechnik tätig sind; die sind seit einem Jahr faktisch auf Eis gelegt. Ich hoffe sehr, dass wir ab Mai wieder Veranstaltungen durchführen können.

Welche größeren Projekte sind heuer in der Gemeinde geplant?

Sedlmayer: Die LED-Straßenbeleuchtung haben wir vor Kurzem abschließen können. Im Schwimmbad sollen heuer kleinere Sanierungen vorgenommen werden. Das Jugendprojekt „Bewegungspark“ ist momentan zwar zurückgestellt worden, trotzdem sind wir mit der Mittelschule in der Vorbereitungsphase. Ein weiteres Projekt ist die Errichtung eines Aussichtsturms als neues Ausflugsziel. Der Turm soll an die 20 Meter hoch werden. Da stehen wir mit der Design-Uni in St. Pölten in Kontakt. Der Turm ist jetzt als Studentenprojekt angenommen worden und die Uni wird uns ein Angebot dafür machen.

Wie steht es mit dem Bau der Kläranlage?

Sedlmayer: Wir haben eine funktionierende Kläranlage, die aber in die Jahre gekommen ist. Daher planen wir eine größere Anlage mit mehreren Gemeinden im Klärwasserverband. Bisher hatten Pernersdorf und Haugsdorf einen Verband. Jetzt ist ein neuer mit Alberndorf, Retzbach und Teilen von Retz, wie Kleinhöflein und Kleinriedenthal, entstanden. Der Standort wird neben der alten Kläranlage sein. Wir haben dort bereits ein Grundstück erworben. Die Ausschreibung muss europaweit erfolgen. Dazu brauchen wir jemanden, der die gesamten Unterlagen vorbereitet. Es müssen auch noch viele rechtliche Fragen geklärt werden. Bis zum Baubeginn wird es sicherlich noch zwei Jahre dauern.