Pflege in Hadres: Bügeln gegen die Vergesslichkeit. Pflege daheim ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Eine NÖN-Mitarbeiterin erzählt - Teil III.

Von Romana Schuler. Erstellt am 08. April 2020 (04:24)
Für Romana Schuler hat sich der Alltag daheim durch die Coronakrise massiv geändert. Ihrebetagte Mutter fungiert nun als neue Haushaltshilfe.
Schuler

Demenz ist bis heute nicht heilbar. Der Umgang mit Demenzkranken ist gerade für Angehörige eine unglaubliche Herausforderung. Vor einem Jahr kam uns der Verdacht, dass unsere Mutter an Demenz leiden könnte. Um dies abzuklären, vereinbarten wir für sie einen Termin bei einem bekannten, erfahrenen Neurologen. Mein älterer Bruder begleitete meine Mutter zur neurologischen Untersuchung.

Die Diagnose brachte ein großes Aufatmen: Unsere Mutter leide nicht an Demenz, sagte der Arzt, sondern an der häufig vorkommenden altersbedingten Vergesslichkeit. Als ich danach mit ihr telefonierte, schwärmte sie regelrecht von dem netten Gespräch mit dem Neurologen. Einige Wochen später bekam sie dann die Honorarnote und rief mich empört an: „Ich habe von diesem Neurologen eine Rechnung bekommen. Also wirklich, der hat ja nur mit dem Anton (Anmerkung: meinem Bruder) übers Motorradfahren geredet und jetzt möchte der noch Geld dafür von mir!“

Nun war ich mir ganz sicher, dass der Neurologe mit seiner Diagnose richtig lag. Wie auch immer, mit dieser normalen altersbedingten Vergesslichkeit bin ich trotzdem konfrontiert.

Wie ich nun auch erkenne: So angenehm die 24-Stunden-Pflege ist, es gibt auch Nachteile für Menschen wie meine Mutter, weil sie durch die ständige Betreuung zur Untätigkeit verleitet werden und wahrscheinlich auch dadurch vergesslicher und langsamer in ihrer geistigen Auffassung werden.

Also, dachte ich mir, Bewegung und Arbeit sind immer gut, gerade im Alter. Daher habe ich angefangen, meiner Mutter kleine, aber wichtige Aufgaben ohne besonderen Zeitdruck zu übertragen, wie Bügeln oder Zwiebelschneiden fürs Gulasch.

Sie scheint an ihren Aufgaben großen Gefallen gefunden zu haben und fragt mich jetzt schon mehrmals am Tag: „Hast du was zum Bügeln, oder was kann ich sonst tun?“