„Nur ich sollte sterben“. BLUTTAT IN SPITALSGARAGE / Mit neunmonatiger Verspätung startete der Prozess um den Mord an Helga L. aus Schalladorf.

Erstellt am 30. August 2011 (08:35)

WIEN, SCHALLADORF / „Ich muss gestört gewesen sein. Ich bin zwar ungeduldig, aufbrausend, aber nie gewalttätig“, hat am Mittwoch jener 51-jährige Mann einem Wiener Schwurgericht erklärt, der am 14. November 2009 in der Tiefgarage des Hanusch-Krankenhauses eine Krankenschwester erschossen haben soll. Der Mann wollte dort den Pkw der 49-jährigen Helga L. aus Schalladorf rauben.

Der Prozess hätte schon im vergangenen Dezember stattfinden sollen. Doch beim 51-Jährigen wurde Krebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Erst nach sechs Operationen und einer Strahlentherapie war er nun verhandlungsfähig.

„An dem Tag hätte niemand sterben sollen außer mir“, zeigte sich der Angeklagte vor Richter Roland Weber selbst ratlos. Er leide seit Jahren an Depressionen, habe vier Selbstmordversuche hinter sich und an diesem Tag „abschließen“ wollen.

Nachdem er Rotwein und Rum zum Frühstück getrunken hatte, zündete er das Reihenhaus seines Sohnes an. Danach machte er sich auf den Weg zum nur drei Gehminuten entfernten Spital. Als er sah, wie die Krankenschwester ihren Pkw absperrte, habe er sich entschlossen, mit ihrem Renault in die Steiermark zu fahren, wo seine Ex-Frau lebt.

„Wollte sterben wie jeder  anständige Obdachlose“

„Ich hab‘ beschlossen, wie jeder anständige Obdachlose an Unterkühlung zu sterben. Ich wollte mich in den Wald legen und erfrieren oder mich notfalls mit meiner Glock-Pistole erschießen.“ An den Raub selbst, als sich die von Kollegen als resolut beschriebene Schalladorferin wehrte und schließlich mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet wurde, könne er sich nicht erinnern.

Nach dem tödlichen Schuss fuhr der 51-Jährige mit einem Linienbus in die Steiermark und suchte das Haus seiner Ex-Frau auf. Diese war zu dem Zeitpunkt nicht anwesend. Der Mann schlug eine Scheibe ein, drang ins Innere ein und zündete auch dieses Haus an. Dabei kam er zu Sturz, zog sich einen Schädelbasisbruch zu, konnte von der Feuerwehr aber rechtzeitig aus den Flammen geborgen werden.

Ein Urteil gibt es noch nicht. Die Verhandlung wird am 17. November fortgesetzt.