Retzer Land: Regionale Schätze vor der Haustür. Winzerin Kerstin Schüller gründete eine Facebook-Gruppe, um zu zeigen, welche Produkte direkt in der Region verfügbar sind. "Ich hab' so eine Freude damit."

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. März 2020 (12:51)
Da persönliche Weinverkostungen derzeit nicht möglich sind, verschickt Kerstin Schüller vermehrt Pakete mit den edlen Tropfen aus dem Pillersdorfer Weingut.
privat

„Ich hab‘ gar nicht gewusst, dass es so viele Schätze bei uns gibt“, ist Kerstin Schüller die Freude darüber anzuhören, dass die Facebook-Gruppe „Einkaufen im Retzer Land“, die sie in der Vorwoche gegründet hat, so gut von der Community angenommen wird.

Immerhin zählte dir Gruppe binnen weniger Tage über 1.000 Mitglieder. Wie die Winzerin aus Pillersdorf auf die Idee kam, diese Gruppe ins Leben zu rufen? „Ich hab‘ mich gefragt: Wie tu' ich jetzt, wenn ich gewisse Produkte, die in meinem Lebenszyklus sind, brauche.“ Denn trotz verordneter Ausgangsbeschränkung möchte sie im Garten junge Zucchini anpflanzen. 

Was sich in der Gruppe bereits nach kurzer Zeit zeigt: Die Menschen besinnen sich darauf, das zu schätzen, was sie direkt vor der Haustür haben. „Ich hab‘ so eine Freude damit, dass man mit wenigen Schritten etwas Positives beitragen kann.“ 

Zu tun gibt es genug: "Die Natur bleibt nicht stehen"

„Ich bin sehr dankbar, dass ich noch einen Job hab‘, rausgehen kann und etwas zu tun habe“, denkt Schüller an die vielen Menschen, die durch die Coronakrise ihre Arbeit verloren haben. In den Weingütern gebe es genug zu tun, denn: „Die Natur bleibt ja nicht stehen.“ Reben müssen angebunden, Kellerarbeit erledigt werden. Dadurch, dass nun Liefertermine und Weinpräsentationen ausfallen, bleibe auch Zeit, das Büro auf Vordermann zu bringen. 

Dass die Präsentationen abgesagt werden mussten, schmerzt die Winzerin. „Jetzt erreichen die Weinbauern weniger Menschen. Wir wären quer durch Österreich und Deutschland unterwegs gewesen“, spricht Schüller von Präsentationen etwa in Hamburg und München. Das sei auch deswegen schade, weil „wir eine richtig schönen, pfeffrigen Jahrgang haben.“ Wie sich Absagen und der Wegfall der Gastro-Kunden auf die Winzer auswirken werden, sei jetzt noch nicht absehbar. „Man muss abwarten. Wir versuchen jedenfalls, unseren Betrieb so gut wie möglich weiterzuführen.“