„Lauter Unikate“ im Jailshop Göllersdorf. Holzeier, Nisthäuschen, Körbe, Keramikfiguren und Co. – alles angefertigt von Untergebrachten – können nun bestellt werden.

Von Sandra Frank. Erstellt am 08. April 2021 (04:08)

„Göllersdorf ist die erste Sonderanstalt, die im Jailshop Produkte anbietet“, erzählt Daniela Seichter, Leiterin der Göllersdorfer Justizanstalt mit Stolz. Seit knapp drei Wochen gibt es Erzeugnisse aus der Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher auf jailshop.at zu erstehen.

„Es ist eine Form der Wertschätzung für die Untergebrachten“, sagt die Anstaltsleiterin. „Es ist wichtig, dass sie sehen, dass ihre Werkstücke weniger werden“, erzählt Ergotherapeutin Irmgard Sobetzky. In den Zeiten vor Corona wurden die Erzeugnisse nämlich beim Oster- sowie Adventmarkt der Anstalt verkauft.

So haben sich Körbe, Teppiche und Keramiken in der Werkstatt angehäuft. Doch durch das Angebot im Jailshop verkaufte sich bereits einiges. Das freut Sobetzky, die zu Beginn doch Bedenken hatte. Warum, dafür nennt sie ein Beispiel: Es ist eine Bestellung von fünf Körben eingetroffen. „Wir haben natürlich so viele Körbe, aber die sind nicht alle gleich.“

Anstaltsleiterin betont: „Keine Fließbandarbeit“

Weil sie nicht wusste, ob das der Kundin so bewusst war, nahm sie mit der Dame Kontakt auf. „Sie hat gesagt, ich soll einfach fünf schöne Körbe aussuchen“, war Sobetzky erleichtert. „Wir haben lauter Unikate“, ergänzt Seichter. Genau das will die Anstaltsleiterin vermitteln: „Wir bieten keine Fließbandarbeiten an, sondern Werkstücke, die von psychisch Kranken gefertigt werden“, betont Seichter.

Die Werkstatt der Ergotherapie ist aber mehr als ein Ort, an dem verschiedene Produkte gefertigt werden: Vor Corona war sie ein sozialer Treffpunkt, an dem Untergebrachte aus verschiedenen Stationen zusammenkamen und sich austauschen konnten. Das ist derzeit nicht möglich. Außerdem beobachten die Betreuer die Leute dort bei der Arbeit. „Wir schauen, wann sie sich Hilfe holen. Die meisten sind ja deswegen hier, weil sie sich draußen zu spät oder gar nicht Hilfe geholt haben“, weiß Sobetzky.

Reißenden Absatz im Jailshop fanden vor Ostern übrigens Keramikhäschen. „Die haben sich sehr gut verkauft, die waren ein Burner“, freut sich Seichter. Was noch besonders gut ankommt, sind die Nisthäuschen, die Alexander Prohazka mit den Untergebrachten im Kunstbetrieb herstellt. „Bei den Nisthäusern ist fast alles Handarbeit“, erzählt der Justizbeamte. Von den Häuschen gibt es verschiedene Varianten: Holz natur, geflämmt oder bunt lackiert. Die Einflugslöcher werden sogar der Vogelart angepasst und können auf Kundenwunsch auch adaptiert werden. Das Nisthaus kann übrigens mit einem Draht oder Seil montiert werden. „So wird der Baum nicht beschädigt“, sagt Prohazka. Dadurch eignet sich das Häuschen aber auch für Balkone.

Was in der Werkstatt hergestellt wird, entscheiden meist die Göllersdorfer Insassen. „Die Ideen kommen von ihnen. Sie arbeiten aktiv mit und bringen sehr viel Engagement ein“, beobachtet der Justizbeamte. Die Patienten erlernen den Umgang mit Maschinen und Holz. Und: „Sie sehen, dass das, was sie herstellen, auch verkauft wird“, merkt Prohazka, wie gut den Untergebrachten diese Wertschätzung tut.

Die Nistkästen, wie auch die Insektenhotels und die anderen Werkstücke können übrigens nach Absprache in der Anstalt abgeholt werden.

Wie lautet das Fazit der ersten Verkaufswochen? „Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv, wir haben etliche Bestellungen“, ist Seichter erfreut.