Von Bühne zum Architekten: Ion Torz lebt Traum. Bühnenbildner Ion Torz lebt mit seiner Frau in Parisdorf und hat es sich zur Berufung gemacht, alte Gebäude zu bewahren.

Von Elisabeth Schöffl-Pöll. Erstellt am 29. August 2021 (05:06)

Es ist durchaus möglich, im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) Exponate des emigrierten rumänischen Künstlers Ion Torz vorzufinden. Dieser lebt mit seiner Frau Christine Tritthart in Parisdorf und ist Vater von zwei Töchtern.

Das Ehepaar hatte sich in den Bundestheatern kennengelernt, wo Torz in den 1990ern leitender Dekorateur und Bühnenbildner war, seine Frau arbeitete als Bühnenbildner-Assistentin. In Parisdorf hat sich das Paar später Bedeutendes vorgenommen und großteils schon verwirklicht. Zugute kommt Torz bei der Instandsetzung und Rückführung der dort erworbenen Gebäude zum Ursprung, dass sein Wunschberuf Architekt gewesen war und er diesen Traum jetzt leben kann.

Auf dem Berufsweg lagen die Kunsttischlerei, Holzschnitzerei und Bildhauerei, aber auch die Ausbildung zum Solarenergetiker. Architektur-Design und Bildhauerei – damit beschäftigen sich Ion Torz und Christine Tritthart mit Leidenschaft. Die beiden Gebäude waren ursprünglich ein miteinander verbundener Zehenthof aus 1185. Nebenan kaufte das Paar noch ein Bauernhaus, das im Krieg als Soldatenhaus genutzt worden war, um es vor einer ortsüblichen Behübschung zu retten. Hier wurden die Stallungen zum Atelier ausgebaut. Ein weiteres Atelier entsteht im Zehenthof.

„Goldene Kelle“ für aufwendige Sanierung

Im Bauernhaus wurden Mühlsteine gefunden, im Zehenthof wurde bei Grabungen eine alte Straße entdeckt. Nicht zu Unrecht hat Torz für die aufwendige Sanierung der romantisch gelegenen Gebäude und Gewölberäume in Lehmbau den Preis „Goldene Kelle“ von der Plattform „NÖ Gestalten“ erhalten.

Einmal professioneller Handwerker, der selbst die Fenster selber macht, dann Künstler – zwischen diesen Polen bewegt sich Ion Torz. 750 Tonnen Betonböden mussten entsorgt werden, um die Rückführung in den Urzustand zu ermöglichen.

Als Künstler tat sich Torz mit Kollegen rumänischer Abstammung zur Gruppe „PUNTER“ zusammen. Derzeit arbeitet er an einer Steinskulptur, die zwei Hirten im Gespräch zeigt; ein Hinweis auf seine Ursprungsheimat. Und er widmet sich einer kommenden Ausstellung zum Thema „Die starke Frau“. Diese soll im Oktober 2021 in Mödling eröffnet werden.

Torz ist mit allen modernen Techniken der Bildhauerei bestens vertraut. Sein Repertoire an Materialien erstreckt sich von Holz, Stein, Ton und Kuhmist über Papier, Gips und Harz bis hin zu Kunststoffen. Seine schnörkellose abstrakte Kunst drückt aus, dass das Paradies in der Gegenwart zu suchen sei.