Norikerhof-Besitzer Zecha: „Wurde aus Ort vertrieben“. Leben wie vor 100 Jahren: Andreas Zecha will eine Wagnerei und einen Kutschenbau-Betrieb aufbauen. Doch die Pernersdorfer seien dagegen und zeigten ihn an, sagt der Pferdefreund.

Von Sandra Frank und Franz Enzmann. Erstellt am 27. September 2018 (05:43)
Enzmann
Durch Rufschädigung sei sein Ruf als Wagner und Kutschenbauer zerstört worden, meint Andreas Zecha.

Die Stuten Bella und Lisa sowie Fohlen Lütik können sich am Noriker-Hof Zecha, der an der Ortseinfahrt von Pernersdorf liegt, frei bewegen. Fließendes Wasser und Strom gibt es dort nicht. Dafür aber drei zugelaufene Hühner und unzählige alte Kutschenwagen, die Andreas Zecha selbst hergerichtet hat.

Franz Enzmann
Auf dem Rücken von Bella fühlt sich Zecha wohl: „Ich fahr‘ nicht gern mit dem Auto, ich reite lieber ins Dorf.“

„Ich will alle Arbeiten, die ich mit Pferden und Fuhrwerken verrichten kann, für Lohnarbeit anbieten“, schwebt dem Pernersdorfer vor. Auch Schulklassen sollen seinen Hof besuchen, um das Flair von längst vergangener Zeit zu erleben. Leben wie vor 100 Jahren, so das Motto.

Doch die Idylle wird getrübt. „Ich wurde regelrecht aus dem Ort vertrieben“, erzählt Zecha, dass er bis zu 14 Stunden am Tag bei seinen Pferden außerhalb des Ortes, verbringe. „Man will mich in Pernersdorf nicht.“

29-mal sei er im vergangenen Jahr angezeigt worden. „Angeblich, weil ich vier Jugendliche mit einer Kutsche fahren hab‘ lassen, die wie Wilde von Guntersdorf nach Pernersdorf gefahren sind.“ Das stimme nicht.

Keine Aufträge mehr durch Anzeigenflut

Auch wegen seiner beiden Hunde, die Zecha im vergangenen Jahr noch hatte, wurde er angezeigt. „Ich hab‘ sie immer im Haus gelassen, da haben sie natürlich gebellt“, erklärt er. Einer der Hunde habe sich nicht mit den Pferden vertragen, deswegen mussten sie zuhause bleiben. Auch das Tierheim habe sich eingeschaltet und Unwahrheiten verbreitet. „Deswegen habe ich Morddrohungen bekommen!“, behauptet Zecha.

Durch eine weitere Anzeige stand sein Bau in Pernersdorf still, Zecha wollte sich dort eine Wagnerei und einen Kutschenbau aufbauen. „Es kam zum Baustopp. Ich musste meine Kunden vertrösten, weil ich nicht arbeiten konnte. Dann sind sie mir natürlich abgesprungen.“

Und so kommt es, dass Zecha die meiste Zeit bei seinen drei Pferden verbringt. Seine Kutschen und Wagen richtet er in Eigenregie her. Als nächstes will er eine Hochzeitskutsche bauen, die von Noriker-Stute Lisa oder Haflinger-Stute Bella gezogen werden kann. Doch dieses Projekt ist schwierig umzusetzen: „Durch die ganzen Anzeigen und der Rufschädigung kann ich nicht arbeiten“, nun fehle es ihm am nötigen Geld, die Boxen zu bauen, in denen die Pferde überwintern sollen.

Dass einer seiner Gemeindebürger aus dem Ort vertrieben worden sein soll, kann Bürgermeister Eduard Kosch nicht bestätigen. „Es hat noch keine Beschwerden von Mitbürgern über das Vorhaben einer Wagnerei, die Tierhaltung und über die Person von Andreas Zecha am Gemeindeamt gegeben“, sagt er auf NÖN-Nachfrage, betont aber: „Er muss sich jedoch an die Bau- und Gewerbeordnung halten.“