Hollabrunner macht Partymusik für daheim. Peter Sax kann sich ein Leben ohne Live-Auftritte nicht vorstellen. Die NÖN sprach mit dem Hollabrunner Musiker, was für ihn die größte Herausforderung während der Coronakrise war, was er aus dem Lockdown gelernt hat und was er sich für die Zukunft wünscht.

Von Sandra Frank. Erstellt am 29. Oktober 2020 (07:04)
Ein Screenshot aus einem Live-Stream mit dem bekannten Hollabrunner Musiker Peter Sax Schwingenschlögl. Die Auftritte im Live-Stream gefallen ihm zwar, weil er da seine Fans anders kennenlernt. Dennoch hofft der Musiker, dass sich Musik-Fans bald wieder befreit bewegen können.
Peter Sax

Gerade für Künstler waren die vergangenen Wochen schwierig: Dürfen Veranstaltungen stattfinden? Wenn ja, mit wie vielen Gästen? Einer, der seinen Sommer komplett anders geplant hatte, ist der Hollabrunner Musiker Peter Sax. Die NÖN sprach mit ihm darüber, wie sich sein Alltag verändert hat und was die größten Herausforderungen in diesen Zeiten sind.

NÖN: Ab wann haben Sie gewusst, dass eine einmalige Situation auf uns alle zukommen wird?

Peter Sax: Als ich im Dezember das erste Mal vom Coronavirus gehört habe, hatte ich mir nicht vorstellen können, was daraus werden würde. Im März ist alles wahnsinnig schnell gegangen: Ich hab‘ am Montag vor dem Lockdown noch wegen einer Veranstaltung am Wochenende telefoniert und alle waren noch guter Dinge. Mit jedem Tag Richtung Wochenende hat sich die Situation dramatisch geändert. Als bei einer Veranstaltung in einem Wiener Club am Donnerstag vor dem Shutdown plötzlich nur eine Handvoll Gäste kamen und sich enorme Unsicherheit breit machte, hatte ich eine Vorahnung. Dennoch habe ich gehofft: Nach Ostern wird’s schon wieder gehen.

"Das Steuer in diesem Sturm festzuhalten und gleichzeitig mein ganzen Business in kürzester Zeit neu aufzustellen."

Wie geht es Ihnen als Künstler? Erhalten Sie Geld von Hilfspaketen der Regierung?

Ich habe das Gefühl, dass die Veranstaltungsbranche jedem egal ist. Dass die Kulturbranche in Österreich unter grüner Regierungsbeteiligung so dermaßen vor den Kopf gestoßen wird, hätte ich nicht gedacht. Es war erschreckend zu sehen, dass die gesamte Kunst-, Kultur-, Kreativ- und Veranstaltungsbereich monatelang komplett in der Luft hängen gelassen wurde. Seit Kurzem bekomme ich nun auch Unterstützungen: Fixkostenzuschuss und Härtefallfonds. In vielen Bereichen musste ich auf Nachbesserungen der Kriterien hoffen und abwarten. Das Ganze ist besonders komplex, wenn man in unterschiedlichen Rollen und Rechtspersönlichkeiten agiert.

Was war für Sie die größte Herausforderung in dieser neuen Situation?

Das Steuer in diesem Sturm festzuhalten und gleichzeitig mein ganzen Business in kürzester Zeit neu aufzustellen. Das Wegbrechen der Live-Auftritte, alleine über 40 bis Ende Juni, hatte einen organisatorischen Supergau nach sich gezogen: Unzählige Telefonate, Mails, Verschiebungen, Alternativ-Szenarien, Verschiebungen von Verschiebungen ...
Gleichzeitig habe ich aber meinen Fokus auf das digitale Musikgeschäft gelegt. Dazu gekommen sind täglich seitenlange Änderungen von Kriterien für Hilfen von unterschiedlichen Stellen, die ich in ständiger Abstimmung mit dem Steuerberater durchgeackert habe, nur um dann festzustellen, dass man wieder rausfällt. Das war eine echte Belastungsprobe in den ersten Wochen.

Haben Sie etwas aus dem Lockdown gelernt?

Ich habe mit unserem eigenen Label und Musikverlag immer schon ein digitales Standbein forciert, das aber seit dem dem Shutdown massiv verstärkt. Man weiß nie was kommt, deshalb muss man sehr flexibel aufgestellt sein. Ich will Songs wieder mehr selbst produzieren. Das ist wirklich schön. Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, sämtliche Fähigkeiten direkt im Unternehmen zu haben um rasch Chancen ergreifen zu können. Auch viele neue Tools für die kreative Arbeit teste ich laufend aus. Es ist unglaublich, was sich im Bereich der künstlichen Intelligenz tut und wie sie die Arbeit erleichtern kann. Außerdem habe ich mir sämtliche Fähigkeiten sowie das  Equipment angeeignet, um online ein ansprechendes Livestream-Musikerlebnis bieten zu können. 

Was war dabei besonders spannend?

Die Musik-Livestreams für Palma Beach Mallorca. Den Sonnenuntergang live direkt von der Playa de Palma bekam ich über Skype in mein Studio gesendet. Ich spielte dazu live passende Sunset Sounds und streamte das Ganze dann von Hollabrunn aus an die Community in aller Welt. 

"Leiwand ist das Live-Erlebnis jetzt gerade ja nicht … Aber ich bin sicher: wir werden gestärkt aus der Krise rausgehen."

Stichwort Mallorca: Ihr Sommer war ganz anders geplant, Sie wollten zwischen Mallorca und Österreich pendeln. Wie haben Sie die viele Zeit zu Hause verbracht?

Die freien Wochenenden waren wirklich sehr ungewohnt. Seit ich 14 bin, war ich immer musikalisch bei Veranstaltungen im Einsatz. Wir freuen uns jetzt natürlich über mehr Familien-Zeit. Ich habe auch viele neue Songs produziert. Vor Kurzem ist mein Corona-Song „One More Time“ erschienen. Er hält die Erlebnisse von Beginn des Jahres bis jetzt als Soundtrack fest. Auch die nächste Single passt perfekt zur aktuellen Zeit: Partymusik für daheim.

Wie waren Ihre letzten Auftritte während der Coronapandemie?

Die Auftritte sind natürlich massiv weniger geworden und sind sehr speziell. Im Juni hat es zum Glück an den Wochenenden noch einige Privatfeiern gegeben, die trotz der Coronamaßnahmen stattfinden konnten. Auftritte bei privaten Veranstaltungen in ganz kleinem Rahmen sind einfach anders. Man kann dann wirklich schon auf jeden Gast persönlich eingehen. Bei den letzten Auftritten kam sogar die Frage auf, ob ich beim Saxofonspielen eine Maske tragen würde ... Ganz ohne Live-Auftritte kann ich mir die Zukunft aber nicht vorstellen. Ich habe die Monate der Ruhe zwar zu Beginn genossen, ich glaube aber nicht, dass ich glücklich werde, wenn ich nur noch im Studio Musik mache.

Wie blicken Sie in die Zukunft? Was wünschen Sie sich?

Optimistisch. Man soll sich wieder befreit bewegen und feiern können. Leiwand ist das Live-Erlebnis jetzt gerade ja nicht … Aber ich bin sicher: wir werden gestärkt aus der Krise rausgehen, auch wenn es noch länger andauern wird.