"Horses to Trust": Pferdeausbildung in Wischathal. Marion Witschel schuf in Wischathal einen Ort, an dem Mensch und Tier miteinander arbeiten.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 05. Januar 2021 (03:34)
Marion Witschel lebt ihren Traum: „Horses to Trust“ ist ein Hof in Wischathal, an dem Pferde gezüchtet und ausgebildet werden.
Witschel

Seit rund fünf Jahren bietet „Horses to Trust“ in Wischathal solide Pferdeausbildung an. Diese bilde die Basis, um einen sicheren und positiven Umgang mit den Tieren zu ermöglichen, erklärt Gründerin Marion Witschel im NÖN-Gespräch. Nur so bereiten die 500 Kilo schweren Fluchttiere auch wirklich Freude.

„Wir setzen auf eine aufbauende Arbeit. Kleine kontinuierliche Schritte. Das Pferd muss verstehen, was gewollt wird. Wer es überfordert, riskiert, seine Kooperation zu verlieren“, weiß die passionierte Reiterin. Damit Situationen nicht außer Kontrolle geraten, muss nicht nur das Pferd, sondern auch der Reiter selbst ein Leben lang dazulernen. Hier sieht sich der Betrieb als Schnittstelle und unterstützt diesen Prozess mit Kursen.

„Der Wischathaler Ausblick für die nächsten Jahrzehnte lautet: Qualität, abgerundet durch eine Prise Bodenständigkeit!“ Marion Witschel vom Hof „Horses to Trust“

Solche Kurse sind aber nicht das einzige, das Witschel anbietet: Da sie Züchterin ist, können Interessierte auch Jungpferde kaufen. Ebenso korrigiere und reite sie Pferde an.

Am Hof finden sich einige Pferderassen: Durch die Kinder sind Ponys am „Horses to Trust“-Hof eingezogen, durch Freunde, die in Spanien leben, haben Iberer den Weg nach Wischathal gefunden. Früher waren Galopper in ihren Reihen. Witschels Kunden sind oft Personen, die nach neuen, pferdefreundlichen Wegen suchen. Bei „Horses to Trust“ können diese dann ein Miteinander mit „einem denkenden Pferd anstatt eines Befehlsempfängers“ erleben.

Erfahrungen außerhalb der Komfortzone

Der ständige Lernprozess lasse sich allerdings nur schwierig mit Qualifikationen beschreiben. Man müsse sich seine Sporen in der Praxis verdienen, ist die Pferdezüchterin überzeugt. Sie selbst habe am meisten bei Herausforderungen außerhalb ihrer Komfortzone, zum Beispiel bei Problemen mit noch unbekannten Pferden, gelernt. Den größten Respekt zolle sie jenen Reitern und Ausbildern, die sehr bescheidene und grundsolide Leute mit viel Empathie, Erfahrung, Ruhe und Übersicht seien. „Mein absoluter Favorit reitet mit 73 Jahren noch immer. Wenn ihm wer sagt, wie toll er ihn und seinen Umgang mit den Pferden findet, dann sagt er darauf nur: Ach weißt du, ich bin ein alter Mann, aber ich liebe Pferde!“, beschreibt Witschel ihre Begeisterung.

Bevor sie ihr Hobby zum Beruf machen konnte, musste sie in einer Bank in der Wiener Innenstadt arbeiten, um ihr erstes Pferd finanzieren zu können. Ihre Leidenschaft für die Einhufer habe nämlich bereits in ihrer Jugend begonnen.

Mit ihrem Interesse für Pferde und den damit verbundenen Reitsport stieß sie vor allem bei ihrem Vater auf keine offenen Ohren. „Er hatte eher den Verdacht, dass Reiten nur zu einem dicken Hintern führt“, erinnert sich die zweifache Mutter zurück. Trotzdem war Witschel nicht bereit, diese Leidenschaft aufzugeben und kaufte sich während des Studiums ihr erstes eigenes Pferd. Kurz darauf folgte ein VW Käfer, um den Stall zu erreichen.

In Wischathal wird an einem Miteinander zwischen Reiter und „einem denkenden Pferd anstatt eines Befehlsempfängers“ gearbeitet.
Witschel

„Reiten ist ein tolles Hobby, ein Ausgleich und zugleich eine Chance, ein Leben lang zu wachsen. Es scheint sowohl geistig als auch körperlich fit zu halten“, denkt sie an zahlreiche ältere Reiter, die gut integriert sind und voll im Leben stehen. Darum empfiehlt die Wischathalerin den Reitsport mit gutem Gewissen. „Ein Leben ist zu kurz, um wirklich perfekt reiten zu lernen, aber es ist lang genug, um eine Menge Freude und Zufriedenheit mit dem Partner Pferd zu erleben.“

So schön das Leben mit den Huftieren auch ist, „Horses to Trust“ hat ebenfalls mit coronabedingten Folgen zu kämpfen. Durch die Maßnahmen musste das Kursprogramm für 2020 „extrem reduziert“ werden, wie Witschel berichtet. Für 2021 hofft die Pferdebesitzerin auf eine „deutliche Verbesserung der Situation“. Allerdings seien die Bereiche Korrektur und Beritt „recht unberührt“ geblieben.

Die Zucht habe ebenso mit Einschränkungen zu tun gehabt, weil beispielsweise einige Kliniken im Frühjahr 2020 keine Besamungen durchgeführt hatten.

Dennoch blickt die Wischathaler Züchterin optimistisch in die Zukunft: Der Betrieb geht einen Weg, den sie als sinnvoll und pferdegerecht empfindet. Dass dies richtig ist, werde ihr durch das Verhalten der Tiere bestätigt.

„Modetrends sind uns hierbei völlig egal. Der Wischathaler Ausblick für die nächsten Jahrzehnte lautet: Qualität, abgerundet durch eine Prise Bodenständigkeit“, ist Witschel überzeugt, wortwörtlich auf das richtige Pferd zu setzen.