Planer erklärt umstrittenes Projekt: "Bäume bleiben". 17 Reihenhäuser sollen am Hollabrunner Sonnleitenweg entstehen. Ängste, dass der Baumbestand rund um die angrenzende Gerichtsbergkellergasse dem Projekt weichen muss, seien unberechtigt, betonen Stadtchef, Planer und Baudirektor.

Von Sandra Frank. Erstellt am 29. Juli 2021 (11:34)

Das geplante Bauprojekt am Sonnleitenweg erregt, wie berichtet, die Gemüter in Hollabrunn. Vor allem die Bürgerliste rund um Wolfgang Scharinger wettert, dass dort, in der Nachbarschaft der Gerichtsbergkellergasse, großvolumiger Wohnbau entstehen soll und vermutet, dass der vorhandene Baumbestand dem Projekt zum Opfer fallen wird.

Dazu nahmen ÖVP-Stadtchef Alfred Babinsky, Stadtbaudirektor Stephan Smutny-Katschnig und Architekt Ernst Maurer vor der Presse nun Stellung. „Es war überhaupt nie Thema, dass die Bäume wegkommen. Der Grüngürtel wird nicht angegriffen“, machte Maurer deutlich.

Der Hollabrunner Architekt plant neun Reihenhäuser auf dem ehemaligen „Nossek-Areal“, das bereits seit 1977 als Bauland-Wohnen gewidmet ist, sowie acht weitere auf dem darunterliegenden Gemeindegrundstück, das an die Wohnbaugenossenschaft „Heim“ verkauft und 2020 umgewidmet wurde. „Die betroffenen Flächen befinden sich nicht in der Gerichtsbergkellergasse“, betonte Babinsky. Die Widmung der Fläche sei eine logische Fortsetzung einer bereits vorhandenen Baulandwidmung.

Bauland am Sonnleitenweg seit 1977 geplant

Ende der 1970er-Jahre wurde die Landwirtschaftliche Fachschule am Sonnleitenweg errichtet. „Bereits damals wurde überlegt, auf dem darunterliegenden Areal Wohnbauland zu schaffen. Das ist jetzt passiert“, erklärte Smutny-Katschnig, der das Umwidmungsverfahren erläuterte und ebenfalls klarstellte: „Die Bäume dürfen nicht angegriffen werden.“ Gemeint ist der Grüngürtel zwischen Gerichtsbergkellergasse und Sonnleitenweg. Und: Auf jener Fläche, die im Vorjahr umgewidmet wurde, stehen überhaupt keine Bäume.

Zunächst durchläuft die Umwidmung ein Screening durch die Aufsichtsbehörde, das Land NÖ. Im zweiten Schritt wird es eine Kundmachung der Umwidmung geben, hier haben Gemeindebürger neun Wochen Zeit, eine Stellungnahme abzugeben. „Erst, wenn alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind, kann der Gemeinderat die Umwidmung beschließen.“ 

Reihenhäuser in Hollabrunn sind sehr gefragt

Das Erscheinungsbild der Gerichtsbergkellergasse werde zukünftig erhalten bleiben, versprach der Bürgermeister, das Reihenhausprojekt werde dieses nicht beeinträchtigen. „Wir sind weit weg vom Grüngürtel“, stellte der Architekt das Projekt vor. Bei der Planung werde sehr vorsichtig und behutsam vorgegangen. „Die Ängste, die hier geschürt werden, sind nicht gerechtfertigt“, betonte Maurer. Insgesamt entstehen dort 17 Einheiten, die typisch für Hollabrunn und „ein sehr gefragtes Produkt sind“. Die Zufahrten zu den Reihenhäusern erfolge ausschließlich über den Sonnleitenweg, betonte Smutny-Katschnig.

Warum es vernünftig ist, dort zu bauen? „Weil es dort eine bestehende Infrastruktur gibt“, sprach Maurer von entsprechenden Einbauten. Die Lebensqualität in diesem Bereich der Stadt sei sehr hoch, wie der Baudirektor anführte: Man sei mitten im Grünen aber auch in der Nähe von Bahnhof und Einkaufsmöglichkeiten. „Ich bin Bürgermeister, damit in der Stadt etwas weitergeht und Hollabrunn sich entwickelt“, meinte Babinsky, der darauf setzt, die Ressourcen zu nutzen und innerhalb der Stadt zu verdichten. „Eine Erweiterung der Stadt ist immer positiv zu sehen“, nickte Maurer.

ÖVP-Schnötzinger: "Wir verheimlichen nichts!"

„Es ist einfach falsch, was die Liste Scharinger behauptet“, schaltete sich auch Günter Schnötzinger, der als Stadtrat für Liegenschaften zuständig ist, ein. „Unzählige Bäume müssen für dieses Projekt fallen“, ist auf der Homepage der Bürgerliste zu lesen. Damit würden Ängste geschürt, so Schnötzinger. 

Er sei vor allem verärgert, weil: „Die Liste Scharinger hat Zugang zu allen Unterlagen. Wir verheimlichen nichts!“ Denen sei zum einen zu entnehmen, dass der Grüngürtel bestehen bleibt. Und auch, dass Schallmessungen durchgeführt wurden, weil die künftigen Reihenhäuser direkt an der Bahn liegen. Diese Messungen wurden allerdings durchgeführt, als gerade Schienenersatzverkehr angesagt war. Aber: „Die ÖBB haben die Lautstärke der Züge simuliert“, erläuterte Smutny-Katschnig. Diese Simulationen seinen natürlich ins Gutachten eingeflossen. Mit dem Ergebnis, dass eine Bebauung möglich ist. All das sei aus den Unterlagen ersichtlich, die der Opposition zur Verfügung stehen.