Lesung: Über die Angst vorm Tod. Saskia Jungnikl führte viele Gespräche über das Sterben – und ließ diese in ihr neues Buch „Eine Reise ins Leben“ einfließen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 21. Februar 2018 (04:11)
Pamela Rußmann
„Das Buch fühlt sich beim Lesen an wie ein gutes Gespräch unter Freunden“, rezensiert Patrick Rösing.Saskia Jungnikl sei offen, direkt und ehrlich.

Der Tod ihres Vaters hat Saskia Jungnikl den Boden unter den Füßen weggezogen, so sehr, dass sie darüber geschrieben hat. „Papa hat sich erschossen“ ist ihr erstes Buch. „Eine Reise ins Leben oder wie ich lernte, die Angst vor dem Tod zu überwinden“ kann als Fortsetzung betrachtet werden. Die junge Frau wird dieses bei einer Lesung in der Freizeithalle Langau präsentieren (25. Februar, 14.30 Uhr).

Veranstalter sind das Katholische Bildungswerk und das Bildungswerk in Langau. Organisator Fritz Prand kennt schon zwei Jungnikl-Lesungen: „Ich war jedes Mal sehr beeindruckt von ihrer natürlichen Art, auch von ihrem Humor.“

Jungnikl hat einen besonderen Bezug zu der Region an der Grenze zwischen dem Wald- und Weinviertel: Verwandte von ihr leben dort. Ihre Tante Rosi Grieder aus Pleißing hat für sie das Einladungsplakat gestaltet. Ein Gespräch mit der Buchautorin.

NÖN: Wie haben Sie die Phase nach der Erscheinung Ihres ersten Buches „Papa hat sich erschossen“ erlebt?

Saskia Jungnikl: Als sehr positiv. Eines der schwierigen Sachen rund um Suizid ist ja das Tabu, dieses Schweigen und die Angst vor Reaktionen und ich habe bemerkt, dass es den Menschen Mut gegeben hat, dass hier jemand so offen darüber redet.

Haben viele den Kontakt zu Ihnen gesucht?

Ja, ich habe wirklich viele und fast ausschließlich positive Reaktionen gekriegt, was mich sehr gefreut und bestärkt hat!

Warum ist die Angst vor dem Tod doch weit verbreitet?

Wir wissen nicht, was nach dem Tod passiert und etwas, das wir nicht kennen, macht uns immer Angst. Damit wollen wir uns nicht beschäftigen und dadurch wächst auch diese Hemmung sich miteinander auszutauschen. Der Tod lässt uns passiv zurück.

Nach dem Tod meines Vaters ist meine Angst vor dem Tod unglaublich gestiegen und war dann letztlich auch Grund, mich in meinem zweiten Buch damit zu beschäftigen.

Zu Beginn meiner Reise war ich völlig paralysiert davon, dass der Tod das Ende ist.“

Wie haben Sie den Konfrontationsprozess mit dem Sterben während der Recherche erlebt?

Ich habe mich wie in einer Reise von einer Frage zur nächsten gehantelt: Wieso müssen wir überhaupt sterben? Was sagt die Religion? Was die Philosophie? Was ist Sterben in Würde? Wie kann ich möglichst alt werden? Dafür habe ich mit sehr vielen Menschen geredet und sehr viel gelernt und meine Erfahrungen und Gedanken dann niedergeschrieben.

War es schwierig? Oder erleichternd?

Es war schwierig und erleichternd zugleich. Es ist immer schwierig, Worte für etwas zu finden, das einem Angst macht, aber es ist erleichternd, wenn man diese Angst überwindet.

Welche Lehre konnten Sie ziehen?

Zu Beginn meiner Reise war ich völlig paralysiert davon, dass der Tod das Ende ist. Was macht schon Sinn, wenn wir sowieso sterben müssen? Das hat sich im Laufe des Buches dann verändert.

Mein Fokus hat sich viel stärker auf das Leben konzentriert: Wenn ich sowieso sterben muss, dann kann ich auch leichter Risiken eingehen und so leben, wie ich es möchte und danach, was mir wichtig ist. Und so ist das heute ein bisschen bei mir, dass ich das Leben viel mehr zu schätzen weiß, jeden Tag mehr genieße und mir Zeit nehme für besondere Momente und sie nicht immer aufschiebe.

Das Leben ist schön – und es ist kostbar.

Wie kann man anderen in ihrer Trauer helfen?

Vor allem, indem man zuhört. Wir wollen gerne helfen und dazu, glauben wir, brauchen wir eine Lösung. Aber bei Trauer gibt es keine Lösung. Das muss man aushalten können. Wir müssen dem anderen seine Trauer zugestehen und versuchen, für ihn da zu sein, ohne ihm Ratschläge zu geben. Trauer verschwindet nicht nach einer bestimmten Zeit, aber sie verändert sich.

Kennen Sie die Region rund um Langau und Pleißing gut?

Ich kenne die Region nicht so gut, wie ich möchte! Am ehesten Pleißing und Hardegg, da wohnen Verwandte von mir und ich freu’ mich immer, wenn ich sie besuchen kann. Ich finde die Landschaft besonders schön, und dass man so weit in die Ferne schauen kann.