Spenden bei Straßenfest: Pflück’ dir ein Bednarik-Foto!. 3.212 Bilder stellt Herbert Bednarik in halb Pleißing aus. Gefällt ein Foto, darf man sich’s gegen eine Spende mitnehmen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 25. Mai 2018 (06:07)
Karin Widhalm
Herbert Bednarik am Dachboden seines Hauses. Foto: Widhalm

Die Schnüre werden vom Amtshaus bis zum Johannesplatz auf der gesperrten Straße gespannt, damit die Fotos mit Holzkluppen aufgehängt werden können. Herbert Bednarik verwandelt mit seiner Familie und Vereinen die Ortschaft in eine außergewöhnliche Galerie mit freizügigem Charakter: Gefällt jemandem ein Bild, darf er sich’s gegen eine Spende mitnehmen (3. Juni, 14 bis 19 Uhr).

Was er denn mache, wenn dann keine Fotos mehr da sind? Die Frage hat Bednarik oft gehört und er muss noch immer darüber lachen. Nichts würde ihn mehr freuen. Der gelernte Reproduktionsfotograf hat einen „kleinen“ Auszug seiner Bilder (3.212 Stück) fürs Fest zusammengetragen. „Ich arbeite seit zwei Jahren daran.“

Wenn sich Menschen unbeobachtet fühlen …

Der Gast wird das gesellschaftliche Leben in Felling, Hardegg, Heufurth, Mallersbach, Merkersdorf, Niederfladnitz, Pleißing, Riegersburg, Waschbach und im Nationalpark Thayatal entdecken können. Sportfest, Flohmark, Faschingsumzug, „permanent breakfast“: Vielfältig sind die Aktivitäten in den Dörfern, aber das ist nicht das Herz der Ausstellung. „Die Festln interessieren mich weniger als die Menschen.“ Bednarik fasziniert es, abzudrücken, wenn sich die Leute unbeobachtet fühlen.

„Die meisten interessiert: Wer ist das? Aber warum schaut man sich nicht ihr Vergnügtsein an?“, fragt er sich. Mimik, Falten, die Mundwinkel und ihre Augen haben etwas zu erzählen. „Man sieht das Leben, die Struktur. Das ist das Spannende.“

Er denkt daran, wie seine Nachbarin bei seinem Pleißinger Haus vorbeigegangen ist, mit dem Heu am Rücken. Selbst die Haltung und der Gang erzählen eine Geschichte. „Es gibt niemanden, der gleich geht.“

„Die meisten interessiert: Wer ist das? Aber warum schaut man sich nicht ihr Vergnügtsein an?“Herbert Bednarik

Ihm ist wichtig, dass beim Straßenfest die Gespräche angeregt werden. „Jedes Dorf ist noch immer eine kleine Enklave in sich. Jeder ist zurecht stolz auf sein Dorf, aber ich möchte, dass es als Ganzes gesehen wird.“ Die Einladungsfolder mit Fotos aus den Orten werden in zehn Versionen verteilt.

Dorferneuerungsverein, Pfarrgemeinderat und Feuerwehr werden sich um die Bewirtung kümmern. Die Spenden werden an die Volksschule Hardegg-Pleißing übergeben.

Noch befinden sich die von Günther Hofer gesponserten Drucke schön geordnet am Dachboden: Sie werden vor ihrem großen Auftritt durcheinandergebracht: „Die Leute sollen suchen und entdecken und sich die Bilder bewusst anschauen.“ Bednarik hat das Gefühl, dass genau das verloren gegangen ist.