„Plötzlich ist die Entscheidung total leicht gefallen“. Ehrenbürger der Marktgemeinde Göllersdorf, Altbürgermeister eben dieser Gemeinde und ehemaliger Justizwachkommandant. Mit all diesen Titeln kann sich Alfred Scheidl nach langer Karriere schmücken. Doch wie vertreibt er sich in der Pension die Zeit?

Von Christiane Fürst. Erstellt am 10. Juli 2019 (18:28)
Christiane Fürst
Alfred Scheid ist ehemaliger Bürgermeister von Göllersdorf. In seiner Pension verbringt er viel Freizeit im Garten und mit seiner Enkeltochter. Auch die Betreuung der Altbürgermeister im Bezirk hat er übernommen.

Für Alfred Scheidl begann die politische Karriere bereits mit 15 Jahren, ab diesem Alter bekleidete er verschiedenste Funktionen in der ÖVP. Nach abgeschlossener Tischlerlehre und dem absolvierten Heeresdienst verschlug es ihn 1968 zur Justizwache in Göllersdorf. Gleichzeitig sammelte er in der Gewerkschaft weitere politische Erfahrungen, ehe er 1983 zum Gemeindeparteiobmann und zwei Jahre später zum Gemeinderat gewählt wurde. 

Diese Funktion brachte ihm auch den Posten des Vizebürgermeisters. Weitere zwei Jahre später folgte die „Beförderung“ zum Bürgermeister.

Scheidl: "20 Jahre sind genug"

Sowohl seine Funktion als Justizwachekommandant als auch die als Bürgermeister brachten ihm nicht immer nur freundliche Gesten. Beispielsweise musste er in seinen Jahren in der Justizanstalt die Demonstrationen der Göllersdorfer Bevölkerung gegen den Freigang der Insassen unter Kontrolle halten. 

2003 hängte er schließlich diesen Posten an den Nagel, ehe vier Jahre später der Rücktritt als Bürgermeister folgte. Interessanterweise trat er am selben Tag zurück, an dem er 20 Jahre zuvor das Amt übernommen hatte. „20 Jahre sind genug“, lautete dabei sein Motto, nachdem er der „Jugend den Vorzug“ geben wollte. 

Shoppen mit Opa und Gassi gehen mit Rocco

Nach 20 Jahren als Bürgermeister und 37 Jahren als Justizwachbeamter kann Scheidl also auf ein erlebnisreiches Leben zurückblicken. In seiner Pension zählen für ihn andere Dinge. Allen voran seine Enkeltochter Annabelle, die nur wenige Tage nach seinem Rücktritt 2007 geboren wurde.

„Plötzlich ist die Entscheidung total leicht gefallen“, erzählt der Altbürgermeister voller Freude. Die derzeitige Gymnasiastin sei sein ganzer Stolz und Sonnenschein. Besonders gefalle es ihr, mit ihrem Opa zum Einkaufen zu gehen, weil er sie als Einziger nie stresse. Auch der Garten der Großeltern steht bei der Schülerin hoch im Kurs.

Pension im "klanen Garterl" genießen

Scheidls „klanes Garterl“ ist alles andere als klein und lässt sich mit den verschiedenen Pflanzen und einem Teich sehen. Dieses Prachtstück pflegt der Göllersdorfer Ehrenbürger gemeinsam mit seiner Frau „soweit sie kommen“. „Mit anderen Worten machen wir es, solange es uns freut“, lacht Scheidl. 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil seines Lebens ist sein Hund Rocco, der kurz nach seinem Rücktritt als Bürgermeister bei ihm ein Zuhause fand. Teils mit, teils ohne Rocco bestreitet der ehemalige Justizwachkommandant täglich mindestens acht Kilometer zu Fuß. „Ich stehe nicht still“, sagt der Eitzersthaler.

Immer noch an der Politik interessiert

Doch ganz kann er sich von der Politik nicht abwenden. Seit 2011 betreut er die ÖVP-Altbürgermeister im Bezirk Hollabrunn. Diese Truppe trifft sich zweimal jährlich in einer Gemeinde und lässt sich vom jeweiligen Bürgermeister die Gemeinde, Betriebe und Wirkungsweise zeigen. „Das endet dann immer beim Heurigen“, schmunzelt Scheidl. Dabei wird versucht, alle Gemeinden der 38 Altbürgermeister abzudecken. 

Berührungsängste mit anderen Parteien habe er keine, doch seien in unserer Region schwarze Altbürgermeister eben am verbreitetsten. Weiters habe er mit allen außer einem der Runde „gemeinsam Dienst gemacht“, was eine besondere persönliche Bindung entstehen ließ.

"Greife nicht in Gemeindeangelegenheiten ein"

Die Diskussionen rund um das Göllersdorfer Rathaus verfolgt der ehemalige Gemeindechef interessiert, seine eigene Meinung dazu möchte er allerdings für sich behalten. „In Gemeindeangelegenheiten greife ich nicht ein“, distanziert er sich schnell. 

Er habe in seiner Zeit als Bürgermeister die Entscheidungen so getroffen, wie er sie für richtig hielt, und möchte sich daher nicht in die Angelegenheiten des jetzigen Gemeinderats einmischen. Dem amtierenden Bürgermeister Josef Reinwein habe er mitgegeben, dass er für ihn 24 Stunden da sei, „aber er mich anrufen muss“.

Das Rathaus, damals wie heute ein Thema

Überlegungen für einen Umbau habe es bereits zu seiner Amtszeit gegeben, diese konnten allerdings nicht durchgeführt werden. „Schulbau, Schulumbau, Kindergarten sowie Ver- und Entsorgung hatten Vorrang“, schildert Scheidl.

Vor allem das „jahrzehntelang herumgeschobene“ Thema der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung habe er anpacken wollen. So wurde eine nicht funktionierende Kläranlage aus den 60er-Jahren durch die Kooperation mit dem Abfallverband Sierndorf ersetzt. Ebenfalls konnte zu seiner Amtsübergabe die komplette Großgemeinde mit Wasser versorgt werden.

Eine Neuanschaffung schaffte es dann doch noch in das Rathaus: Im Laufe seiner Amtszeit wurden Computer gekauft. Deshalb wurden damals Kühlungsanlagen angeschafft, um die damals neuen Computer zu kühlen. „Natürlich war es heiß, aber die Computer habe ich nicht abbrennen lassen können“, erinnert sich der Ehrenbürger.