Zäher Kampf um Zukunft in der Landwirtschaft. In Kooperation mit der Landwirtschaftskammer bat die NÖN sechs Fachleute zu einer Podiumsdiskussion in die Hollabrunner Bauernkammer.

Von Romana Schuler. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:00)

Dass es in Sachen regionaler Landwirtschaft noch viel Gesprächsbedarf gibt und konkrete Lösungen braucht, bestätigte die Debatte, zu der Kammerobmann Fritz Schechtner Experten und NÖN-Redakteure in „seinem“ Haus begrüßte.

„Da wir nicht alle Pflanzenschutzmittel einsetzen können, gibt es beim Erdäpfelanbau durch den Klimawandel und die Zunahme von Schädlingen neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss“, bestätigte Liane Bauer gleich zu Beginn der Diskussion.

Als Beispiel wurde der diesjährige kurzfristige Lieferengpass für heimische Kartoffeln bei Lamb Weston angeführt, wo Rohstoffe unter anderem aus den USA angeliefert wurden. Haselberger erläuterte dazu, dass er gegenüber seinen Großkunden verpflichtet sei, rasch für Nachschub zu sorgen; andernfalls würde man Gefahr laufen, den Hollabrunner Standort aufs Spiel zu setzen.

Keine Angst vor einem Waldviertel-Veltliner

Winzer Zöchmann widersprach Prophezeiungen, dass der Anbau des Grünen Veltliners durch die zunehmende Trockenheit ins Waldviertel verlagert werde: „Wir haben viele Möglichkeiten, entgegenzuwirken, wie ein aktives Begrünungsmanagement oder Beschattung.“ Zöchmann schlug auch vor, auf Unterlagsreben zurückzugreifen, die weniger Wasser brauchen.

Die Getränkeproduktion hat weniger Probleme mit den Engpässen. 80 Prozent der Saftäpfel sind heimische Produkte, der Rest wird zu einem günstigeren Preis aus dem Ausland zugekauft. Es handle sich letztlich um eine Cent-Rechnung, die notwendig sei, sagte Martin Forster, der einräumte, dass man eine stete wirtschaftliche Gratwanderung zu bewältigen habe.

Der Konsument habe das Recht, zu erfahren, woher die Produkte stammen und wie sie hergestellt wurden, betonte Christina Mutenthaler. Auch in den heimischen Gastronomiebetrieben, wo um die 46 Prozent regionale Produkte in den Küchen verwendet werden. Das Bewusstsein für Regionalität und Transparenz sei bei jungen Menschen höher. Hofläden würden seit einiger Zeit einen enormen Aufschwung erleben.

Mutenthaler berichtete, dass es in den Bundesländern unterschiedliche Bewertungen für Regionalität gebe; in Vorarlberg gelten Produkte aus einem Umkreis von 28 km als regional, in Niederösterreich sind es 56 km. Was regional tatsächlich bedeutet, sei eine Frage der Definition, meinte Haselberger in Hinblick auf internationale Konzerne.

„Ich bin ein überzeugter Befürworter von Regionalität und diese heimischen Produkte müssen klar erkennbar sein“, betonte Manfred Weinhappel. Österreich habe einen hohen Qualitätsstandard, wie beispielsweise mit dem AMA-Gütesiegel, der regelmäßig kontrolliert wird. Das sei gut so; trotzdem sei Aufklärungsarbeit notwendig, und die beginne bereits im Kindergarten. Mutenthaler lieferte dazu eine Anekdote vom Projekt „Erdäpfelpyramide“, als vielen Teilnehmern nicht klar war, dass Erdäpfelknollen erst gepflanzt werden müssen und nicht direkt gekocht werden können.

In der anschließenden Publikumsdiskussion fand die relativ zuversichtliche Prognose der Podiumsgäste nicht überall Zustimmung. Landtagsabgeordneter Georg Ecker wies auf die im Vergleich geringeren EU-Förderungen für nachhaltige Landwirtschaft hin: Wer mehr Hektar hat, bekomme mehr; wer etwas für die Umwelt tut, werde finanziell benachteiligt.

„Der Kunde muss sich überlegen, ob er Tomaten im Jänner braucht, die nach nichts schmecken.“Manfred Weinhappel, NÖ Pflanzenbaudirektor

Mit Ironie bedankte sich eine Bäuerin für die Prognosen und Vorschläge, denn das Produzieren von Lebensmitteln in bäuerlichen Kleinstrukturen sei schlichtweg nicht mehr möglich. Landwirt Franz North hätte sich einen Vertreter des Großhandels am Podium gewünscht und sprach den niedrigen Humusgehalt der ausgelaugten Böden an. Dem widersprach jedoch der Pflanzenbaudirektor.

Der Ruf nach einem politischen Umdenken kam von Martin Mitterhauser aus Puch, der als regionaler Bauer aufgrund des Bundesbeschaffungsgesetzes seine Äpfel nicht mehr an die benachbarte Justizanstalt liefern kann (die NÖN berichtete).

In ihren Abschlussstatements blieben die Experten optimistisch, waren aber einig, dass sich das Verhältnis zwischen Produzenten, Handel und Konsument verbessern müsse. „Der Kunde muss sich überlegen, ob er Tomaten im Jänner braucht, die nach nichts schmecken. Es muss ein guter Mittelweg gefunden werden“, betonte Weinhappel. Ein wichtiger Lösungsansatz sei der Dialog zwischen Konsumenten und Produzenten.

„Wir brauchen uns gegenseitig“, unterstrich Haselberger. „Einen positiven Blick in die Zukunft und mehr Forschung“, forderte Bauer. Was ebenfalls blieb, war der Wunsch nach einer Fortsetzung.