Streit um 82-Jährige im Wählerverzeichnis. Wolfgang Scharinger (Bürgerliste) wollte Mutter von FPÖ-Abgeordneten Christian Lausch aus Wählerverzeichnis streichen lassen. Lausch: "Rote Linie ist absolut überschritten!"

Von Sandra Frank. Erstellt am 19. November 2019 (13:24)
NÖN-Archiv

Als die Gemeindewahlbehörde am Dienstagabend im Hollabrunner Rathaus tagte, gab es genau einen Einspruch gegen das Wählerverzeichnis für die Gemeinderatswahlen 2020: Stadtrat Wolfgang Scharinger (Bürgerliste) wollte die Mutter des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Christian Lausch aus dem Verzeichnis streichen lassen. Der Grund ist altbekannt: Lauschs 82-jährige Mutter ist in der Heiligstraße gemeldet; in der Wohnung, in der Lausch lebt – allein, wie ein Lokalaugenschein der NÖN 2017 ergab. Denn auch da war die Wohnsituation des Freiheitlichen bereits Thema.

Scharingers Einspruch wurde einstimmig abgelehnt. Dennoch: Lausch ist sauer. „Als Bundes- und Kommunalpolitiker sowie als Personalvertreter halte ich vieles aus. Aber das geht eindeutig zu weit“, spricht der Parlamentarier von einer „riesen Schweinerei“. Die rote Linie sei absolut überschritten. Es stimme, dass die Wohnung in der Heiligstraße Lauschs Mutter gehöre. Sie selbst lebt aber in der Gartenstadt. Deswegen nutzt der Abgeordnete den Wohnsitz.

Scharinger wirft Lausch vor, Sozialleistungen zu erschleichen

Für Scharinger ist klar: „Er erschleicht sich so Sozialleistungen!“ Genau das sei der Umstand, den der Stadtrat anprangert. „Es ist nichts Persönliches“, wehrt er sich gegen Vorwürfe, dass dieser Einspruch noch „Nachwehen“ vom Bruch mit den Blauen und Christian Lausch seien. 

„Ich hab‘ mich nur ans Einmaleins der FPÖ-Parteischule gehalten“, meint Scharinger im NÖN-Gespräch. „Es hat immer geheißen: Schaut bei den anderen Funktionären, ob dort noch jemand gemeldet ist“, sagt der ehemalige Freiheitliche. Nachsatz: „Lausch sagt, er lebt allein. Das Wählerverzeichnis sagt aber etwas anderes.“

Wolfgang Scharinger 
NOEN

Hätte Scharinger eine solche Ungerechtigkeit bei einem anderen Mandatar festgestellt, hätte er genauso gehandelt, meint er. „Mich wundert die Entscheidung der Wahlbehörde“, sagt Scharinger, dass mit dieser Entscheidung der Sozialschmarotzerei in Hollabrunn Tür und Tor geöffnet wurden. „Die ÖVP hat sich jetzt schon einen eingekauft, falls es nach der Wahl knapp wird …“, mutmaßt der Stadtrat.

Lausch über Scharinger: "Ein falscher Robin Hood!"

„Er braucht sich jetzt nicht herausreden“, kontert Lausch. „Er hat eindeutig meine Mutter angegriffen.“ Die 82-jährige Frau ein Schreiben von der Stadtgemeinde erhalten, in dem sie von dem Einspruch informiert wurde. Dieses hat sie sich sehr zu Herzen genommen, sie sei psychisch am Boden zerstört. „Es ist eine Sauerei, meine Mutter aus reinem politischen Kalkül zu piesacken.“

Christian Lausch
NOEN

Von dem „Miteinander“, das im Namen von Scharingers Bürgerliste stecke – „Miteinander für Hollabrunn“ – sei nichts zu erkennen. „Er sagt, er ist für die Bürger da - aber er ist ein falscher Robin Hood.“ Das habe das Polit-Urgestein mit dieser Aktion bewiesen.

Es habe bereits eine Meldeüberprüfung gegeben, mit der Genossenschaft sei alles geklärt. „Es ist alles in Ordnung, auch wenn es ihm nicht passt!“ Weder Lausch selbst noch seine Mutter – die ab und zu in der Wohnung schlafe, wenn Arzttermine anstehen, zu denen Lausch sie fahre - würden Beihilfen kassieren. „Er kann gern meine Miete übernehmen“, spricht der Abgeordnete von etwa 800 Euro im Monat.

„Ich lebe das, was ich auch von der Gemeinde verlange. Alles andere verurteile ich“, rechtfertigt sich Scharinger, der dabei bleibt: „Lausch ist ein Sozialschmarotzer.“