Steht der Regionalbusverkehr am Mittwoch bis 8 Uhr?. Dienstbeginn 3.41 Uhr, Dienstende 19.35 Uhr – gegen derartige Arbeitstage läuft der Postbus-Betriebsrat jetzt Sturm. Das dürfte nicht ohne Folgen für die Passagiere bleiben, denn am Mittwoch, 9. September, will die Personalvertretung ab 4 Uhr eine Betriebsversammlung in der Dienststelle Hollabrunn abhalten.

Von Red. Hollabrunn. Update am 08. September 2020 (13:34)
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„Die neuen Dienstpläne entbehren jeder Verantwortung für Fahrgäste und Lenker. Das ist ein klarer Verstoß gegen den Kollektivvertrag und damit auch gegen das Gesetz“, poltert der Vorsitzende des Zentralbetriebsrats beim Postbus, Robert Wurm. Es gehe um die Sicherheit und den Schutz der Fahrgäste und Lenker. Weitere Proteste schließt er nicht aus. 

Schon im Juni hatte es wegen der Dienstpläne beim Postbus beinahe gekracht. Damals zog die Unternehmensführung nach Protesten der Belegschaftsvertretung ihre Vorhaben zurück. "Das Management hat aber offenbar nur auf Zeit gespielt“, kritisiert der Betriebsrat. 

Er habe Verständnis für die schwierige Unternehmenslage in der Coronakrise, so Wurm, deshalb aber am Rücken der Beschäftigung und auf Kosten der Sicherheit zu sparen, sei fahrlässig und menschenunwürdig. „Im März zählten wir Buslenker noch zu den Heldinnen und Helden der Coronakrise. Jetzt, vor der zweiten Welle, tritt man unsere Rechte mit Füßen“, sagt er.

"Nicht am Rücken der Fahrgäste"

Nach den neuen Dienstplänen fängt ein Lenker beispielsweise um 3.41 Uhr seinen Dienst an und fährt bis 7.55 Uhr, steht dann über neun Stunden in der Dienststelle und fährt wieder von 17.10 bis 19:35 Uhr. Die Zeit dazwischen wertet die Unternehmensführung als Freizeit und bezahlt dem Lenker nur 6:30 Stunden aus. Rechtlich seien solche geteilten Dienste korrekt, erklärt Postbus-Sprecher Christopher Seif. Zudem würden auf diese Weise nur Fahrer eingesetzt, die in der Nähe der Strecke wohnen. Wurm hingegen spricht von "Lohn- und Zeitraub" und appelliert an Verkehrsministerin Leonore Gewessler, ein Machtwort zu sprechen.

Beim Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) blickt man indes mit Sorge auf die frühmorgendliche Betriebsversammlung am 9.9. Für Schüler könnte es zu Problemen bei der Anreise zur Schule kommen. 

"Wir haben an alle Beteiligten appelliert, interne Debatten nicht auf dem Rücken unserer Fahrgäste, insbesondere von Kindern und Jugendlichen in dieser doch recht sensiblen Phase auszutragen", informiert VOR-Sprecher Georg Huemer. Leider sei es nicht möglich, seriös abzuschätzen, welche konkreten Verbindungen beeinträchtigt sein werden. "Schlimmstenfalls fällt jedoch der gesamte Regionalbusverkehr im Raum Hollabrunn bis ca. 8 Uhr aus."