Rote Zahlen! Retz verliert die Post. Post AG auf der Suche nach einem Postpartner. Gemeinde will noch kämpfen.

Von Franz Enzmann. Erstellt am 18. November 2020 (05:17)
Der Eingang zum noch bestehenden Postamt Retz am Hauptplatz.
Enzmann

Die Post AG meldete mit 30. Oktober drei Postfilialen zur Schließung an. Diese sind Pöchlarn, Hinterbrühl und Retz. „Drei Monate passiert jetzt einmal nichts“, kann Post-Sprecher Michael Homola versichern. Denn so lange hat die Regulierungsbehörde RTR Zeit, die eingereichten Daten der Post zu kontrollieren.

Auf diesen Anruf hätte Vizebürgermeister Stefan Lang gerne verzichtet. Ein Vertreter der Post AG teilte ihm mit, dass auf der Schließungsliste des Unternehmens auch das Retzer Postamt steht. Wenig später erhielt auch Bürgermeister Helmut Koch diese Hiobsbotschaft in schriftlicher Form. In einigen Tagen soll eine Aussprache mit Vertretern der Post AG und den Stadtpolitikern im Stadtamt erfolgen.

„Wir werden für unser Postamt kämpfen“Vizebürgermeister Stefan Lang

„Wir werden für unser Postamt kämpfen“, sagt Lang. Bei einem Lokalaugenschein war dort jedenfalls reger Kundenverkehr zu beobachten.

Der Grund für die geplante Schließung? „Wir sperren nur Filialen zu, die in den vergangenen drei Jahren negativ waren und bei denen es auch in Zukunft keine Aussicht auf schwarze Zahlen gibt“, erklärt Homola. Dass die Post den Retzer Standort deswegen schließe, weil er sich in einem denkmalgeschützten Gebäude befindet und große Investitionen bevorstehen, stimme nicht: „Nein, hier ist es leider beinhart so: Was sagen die Zahlen?“ Und diese seien in Retz eben rot. Die Post verdiene immer noch am meisten am Brief. Doch viele Firmen („Das sind die, die das Kraut fett machen.“) würden keine Papier-Rechnungen mehr verschicken, und wenn, dann laufe dies über ein Logistikzentrum und nicht mehr über die Postfilialen.

Mitarbeiter bleiben der Post erhalten

In der Weinstadt sind zwei Mitarbeiter von der Schließung betroffen, die auf umliegende Geschäftsstellen verteilt werden. Die Versorgung der Retzer Kunden soll nach wie vor aufrecht erhalten bleiben. Darum ist die Post AG derzeit auf der Suche nach einem Postpartner.

„Der Betrieb soll nahtlos übergehen“, berichtet Homola von den Zukunftsplänen. Das sei für die Kunden zu Beginn eine Umstellung, allerdings „werden unsere Postpartner sehr gut angenommen“, weiß der Sprecher, dass die anfängliche Skepsis weichen wird. Auch wenn die Post für einen Postpartner derzeit noch keinen konkreten Anwärter im Auge hat, so ist Homola zuversichtlich: „Wir werden das schaffen.“

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