Guntersdorf hat Millionen-Projekte in den Startlöchern

Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber präsentierte seinen Bürgern drei Großprojekte, die demnächst realisiert werden.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:42

„Wir haben einiges vor“, begrüßte Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber die interessierten Bürger bei einer Projektpräsentation. Eine Arztpraxis mit begleitetem Wohnen, Reihenhäuser und Wohnbau am Meierhof-Areal sowie ein Nahversorgerzentrum, im Endausbau ebenfalls mit Wohnungen, werden in den nächsten drei bis fünf Jahren in Guntersdorf entstehen.

All diese Vorhaben sind bereits durchgeplant, die nächsten Schritte sind die Ausschreibungen und Vergaben.

Ich glaub‘ nicht, dass es viele Gemeinden gibt, die die 1,5 Millionen Euro in bar zahlen können.“
Roland Weber Bürgermeister

Neue Ordination mit begleitetem Wohnen. In der Kirchengasse ist derzeit die Praxis von Regina Widl zu finden. Die Medizinerin tat sich mit der Gemeinde zusammen, um eine neue Ordination zu errichten. Ziel ist es, dass sich an diesem Standort eine Gruppenpraxis mit mehreren Ärzten ansiedelt. „Dafür wollen wir jetzt die Voraussetzungen schaffen“, sagt Weber. Zunächst sei die Praxis aber primär für Widl gedacht.

„Im Erdgeschoss wird eine Ordination errichtet, mit Hausapotheke und Therapieräumen“, informiert Architektin Traude Burger vom Architektenbüro Maurer. Im Ober- und Dachgeschoss wird „Begleitetes Wohnen“ entstehen. 17 Wohnungen und ein Gemeinschaftsraum sind es konkret, mit direktem Zugang zur Arztpraxis.

Bauträger für dieses Projekt ist die WET-Gruppe. Christopher Fertner klärte über die Fördermodelle für begleitbares Wohnen auf. Normalerweise sind von den Mietern beim Grundbetreuungspaket 50 bis 70 Euro zu entrichten. Hier sind kleine Reparaturen abgedeckt und alle zwei bis vier Wochen ein Arztbesuch, bei Bedarf. „Uns war wichtig, dass niemand zusätzlich etwas zahlen muss“, sagt Weber. Kleinere Reparaturen werden von den Gemeindearbeitern erledigt. Da die Medizinerin im selben Gebäude angesiedelt ist, genüge ein Anruf und sie mache einen Hausbesuch. Weber ist es wichtig, dass die Mieten niedrig bleiben.

Für dieses Projekt nimmt die Gemeinde 1,5 Millionen Euro in die Hand. „Diese Summe ist nicht fremdfinanziert“, betont er, dass dafür kein Kredit aufgenommen werden muss. „Ich glaub‘ nicht, dass es viele Gemeinden gibt, die das in bar zahlen können.“

Bebauungsstrategie des Meierhof-Areals. Die 1,8 Hektar große Fläche, die die Gemeinde angekauft hat, wird verbaut. Auf der südlichen Seite werden Parzellen für Einfamilienhäuser geschaffen.

Entlang der Straße werden als Erstes zehn Reihenhäuser errichtet. „Sie sind L-förmig, um auf den Weinviertler Charakter einzugehen“, stellt Burger das nächste Projekt in der Gemeinde vor. Das Straßenbild wird lebendig sein, durch die versetzte Anordnung der Häuser entstehen Innenhöfe, die Privatsphäre garantieren. Wenn die Reihenhäuser stehen, geht es weiter mit dem Wohnbau. 33 Wohnungen mit der Option auf Eigentum – wie auch bei den Reihenhäusern und dem begleiteten Wohnen in der Kirchengasse – werden dort errichtet.

„Wir schauen darauf, dass es keine Anlegerwohnungen werden“, verspricht der Bürgermeister. Um den geförderten Wohnbau in Anspruch zu nehmen, müsse man ohnehin seinen Hauptwohnsitz in dieser Wohnung haben. Auch wenn nach fünf Jahren gekauft wird, wolle die Gemeinde ein Auge darauf haben.

Nahversorgerzentrum im Industriegebiet. Auf 20.000 Quadratmetern ist einiges geplant. Realisiert wird in zwei Etappen. Zunächst soll ein Nahversorger – entweder Billa oder Spar – mit einer Fläche von etwa 750 Quadratmetern errichtet werden. Eine Hofer- sowie eine Müller-Filiale sollen folgen. Die drei Geschäfte werden einen zentralen Parkplatz nutzen. „Oben drauf kommen bis zu 20 Wohnungen“, berichtet Weber, wie der Endausbau geplant ist. Ob es so weit kommt, hänge aber von der Einwohnerzahl der Katastralgemeinde Guntersdorf ab. „Am Ende bringt uns das sicher 50 Arbeitsplätze in Guntersdorf“, ist der Bürgermeister sicher.

Etwas Kritik kam hier aus den Reihen der Bürger, dass der Nahversorger nicht im Zentrum von Guntersdorf ist. Man müsse mit dem Auto ins Industriegebiet fahren. „Den muss man halt stützen“, schlug eine Zuhörerin vor, einen Nachfolger für das Lebensmittelgeschäft zu suchen und als Gemeinde zu fördern. Einer Starthilfe wäre Weber grundsätzlich nicht abgeneigt, sagt aber deutlich: „Das macht auf Dauer keinen Sinn.“ Zum Nahversorgerzentrum sei jedenfalls ein Radweg geplant, um das Auto innerorts nicht nutzen zu müssen.