Güterwegesituation: Aufschrei der Bauern. Landwirte in Hollabrunn sehen viel Handlungsbedarf bei Erhaltungsmaßnahmen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 16. Januar 2019 (04:23)
Die Güterwege in den Katastralgemeinden werden vernachlässigt, meinen ansässige Landwirte.
Die Güterwege in den Katastralgemeinden werden vernachlässigt, meinen ansässige Landwirte. Foto: Frank

„Wir brauchen einen fähigen Burschen, der uns auch im Hollabrunner Gemeinderat vertritt. Derzeit fühlen wir uns nicht wirklich vertreten“, sagt Günther Mayer aus Kleinstelzendorf. Der 34-Jährige ist Mitglied des Hollabrunner Gemeindebauernvorstands. Dieses Gremium soll am 22. Jänner neu gewählt werden. Und aus diesem Kreis soll ein Landwirt ermittelt werden, der die Interessen der Bauern im Gemeinderat vertritt.

Sandra Frank
Die Güterwege in den Katastralgemeinden werden vernachlässigt, meinen ansässige Landwirte. Foto: Frank

Was dem Landwirt sauer aufstößt, ist der Zustand der Feldwege in den Katastralgemeinden. „Jeder will die Güterwege benutzen, Bauern genauso wie Radfahrer oder Spaziergänger. Dazu müssen die Güterwege aber erhalten werden.“ Und genau da kranke es aktuell, wie auch Martin Mitterhauser bestätigt. Der Pucher Winzer, als ÖVP-Stadtrat im Frühjahr 2015 im Unfrieden geschieden, sitzt ebenfalls im Gemeindebauernbund, als stellvertretender Obmann.

„Bei uns ist seit drei Jahren nichts passiert“, kennt der Kammerrat die Güterwege rund um seinen Heimatort Puch genau. Als ehemals zuständiger Gemeindevertreter weiß er, wie hier vorzugehen wäre.

„Leopold Hofbauer hat seine Sache gut gemacht und sich für uns eingesetzt.“Landwirt Mayer wünscht sich wieder einen Stadtrat aus einer Katastralgemeinde.

„Man muss laufend etwas tun, um das große Güterwegenetz instand zu halten. Bei 21 Katastralgemeinden ist das viel, das stimmt“, meint der Winzer. Ist der Asphalt gerissen, so müssen diese Risse mit Teer ausgespritzt werden, um weiteren Schaden zu vermeiden. Passiert das nicht, gelange Wasser in diese Risse, friert auf und schädigt den Güterweg noch mehr; bis der Belag selbst mit einer Spritzgussdecke nicht mehr zu retten ist und neu asphaltiert werden muss.

„Risse austeeren oder eine Spritzgussdecke auftragen kostet im Vergleich zum Asphaltieren nichts“, sagt Mitterhauser, der mit der NÖN am Wochenende auf den Feldwegen zwischen Puch, Kleedorf, Breitenwaida und Dietersdorf zum Lokalaugenschein unterwegs war. „Finanzstadtrat Schneider wird eine Güterwege-Million herausrücken müssen“, prophezeit der Pucher angesichts der großen Zahl von Rissen und Schlaglöchern.

„Es ist einfach unrichtig, dass in Sachen Güterwege nichts passiert“

Warum diese ständigen Erhaltungsmaßnahmen derzeit nicht passieren, erklären sich Mitterhauser und Mayer darin, dass – abgesehen vom Raschalaer Günther Schnötzinger – kein Stadtrat in einer Katastralgemeinde lebt. „Leopold Hofbauer hat sich zwar viel anhören müssen, aber er hat seine Sache gut gemacht und sich für uns eingesetzt“, erinnert sich Mayer an den 2016 verstorbenen einstigen VP-Stadtrat.

Sandra Frank
Die Güterwege in den Katastralgemeinden werden vernachlässigt, meinen ansässige Landwirte. Foto: Frank

„Es ist einfach unrichtig, dass in Sachen Güterwege nichts passiert“, entgegnet VP-Bürgermeister Erwin Bernreiter, der gleichzeitig Obmann des Gemeindebauernbunds ist, auf NÖN-Nachfrage. Immer wieder seien Wege saniert worden. Das geschehe in Absprache mit den Ortsvorstehern.

Das rund 380 Kilometer lange Güterwegenetz instand zu halten, werde aber zusehends herausfordernder, da die Kosten rasant steigen, gleichzeitig aber das Land NÖ seine Förderungen reduziere. Wurden 2009 noch 180.000 Euro zugeschossen, sind es 2019 nur noch 50.000 Euro. Zusätzlich zu diesem geförderten Betrag investiere die Gemeinde weitere 140.000 Euro für die Instandhaltung des Güterwegenetzes“, betont der Bürgermeister.

Weiters gebe ein Erhaltungsprogramm, des mit der Abteilung Güterweges des Landes koordiniert ist. „Im Frühjahr beginnen wieder die notwendigen Maßnahmen“, erklärt Bernreiter. Und: „Die Ortsvorsteher werden jährlich aufgefordert, ihre Anforderungen und Wünsche an uns zu melden.“

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