Zirkuskunst, made in Pulkau. Seit drei Jahrzehnten entführt Familie Schneller mit dem Circus Pikard ihre Besucher in eine andere Welt. Bevor der Zirkus, der in Pulkau sein Zuhause hat, mit der Jubiläumstournee beginnt, sprach die NÖN mit Direktor Alexander Schneller, der nur ein bisschen älter ist als der Zirkus selbst ...

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. Februar 2019 (03:51)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Seit 30 Jahren ist der Circus Pikard ein erfolgreiches niederösterreichisches Familienunternehmen.
Circus Pikard

„Zirkus ist Magie! Ein Abend, an dem man in eine andere Welt eintauchen, Alltagsprobleme vergessen und einfach staunen kann“, schwärmt Alexander Schneller, Direktor des Circus Pikard, der in Pulkau beheimatet ist. Gemeinsam mit seiner Familie betreibt der Artist und Entertainer den derzeit einzigen Zirkus in österreichischer Hand.

Alles begann im Jahr 1989, also vor genau 30 Jahren: Ernö Schneller, ein in Ungarn geborener Artist mit lebenslanger Zirkuserfahrung, und seine aus Pulkau stammende Frau Elisabeth, eröffneten damals den Circus Pikard. Ihr jüngstes Kind, Alexander, war bei der Eröffnung erst zwei Jahre alt. Schon damals war ihm klar: „Ich will Zirkusdirektor werden, genau wie mein Papa“, erzählt er strahlend im Gespräch mit der NÖN.

Für den heute 32-Jährigen und seine drei älteren Schwestern drehte sich in ihrer Kindheit alles um den Zirkus: Sie waren mit auf Tournee und standen schon in jungen Jahren in der Manege.

In eine normale Schule gingen die Geschwister nicht. Ihre Mutter unterrichtete sie selbst. „Es war eine wahnsinnig schöne Zeit und ich habe es immer sehr genossen, mit der ganzen Zirkusfamilie unterwegs zu sein“, erinnert sich der Artist gerne an seine Kindheit zurück. Von klein auf trainierten er und seine Schwestern Akrobatik.

Mehr als 10.000 Auftritte

Heute gehört Schneller, der im Jahr 2014 den Posten des Zirkusdirektors von seiner Mutter übernommen hat, zu den besten Jongleuren Europas. Insgesamt sei er, wie er selbst sagt, schon um die 10.000-mal im Rampenlicht aufgetreten. Seine Schwester Romana ist Österreichs einzige Antipodistin. Was das ist? Romana Schneller balanciert und jongliert Fässer und andere große Objekte nur mit ihren Füßen.
Die glorreichen Zirkusjahre waren, wie Schneller erklärt, in den 1950er-Jahren. „Die Zeiten haben sich aber leider enorm verändert“, sagt er. Mit einem österreichischen Privatzirkus im Jahr 2019 Rechnungen bezahlen zu können, sei alles andere als einfach. Das beweist auch der ehemalige österreichische Nationalzirkus Louis Knie, der im Jahr 2005 in Konkurs ging. Der Markenname wurde damals nach Deutschland verkauft. „Viele Zirkusse mussten zusperren, weil es sich für sie nicht mehr gelohnt hat“, kennt Schneller die traurige Situation. Zu hohe Standortmieten, zu wenige Besucher und zu viel Konkurrenz aus dem Ausland seien einige der Gründe dafür.

Auch die Arbeit mit Tieren in der Manege stößt immer öfter auf Kritik: „Heutzutage werden Zirkusse oft schon im Vorhinein als Tierquäler abgestempelt.“ 2005 wurde in Österreich das Wildtierverbot eingeführt, welches es Zirkussen verbietet, Tiere wie Löwen oder Elefanten in der Manege auftreten zu lassen. „Solche Tiere hatten wir nie. Trotzdem hat uns das Verbot hart getroffen, da wir einige Reptilien, wie etwa Pythons und auch Kamele im Programm hatten. Die Tiere mussten wir dann verkaufen.“ Trotzdem sind auch heute noch Ponys und Hunde in jeder Vorstellung mit dabei. „Ich stelle mich gerne jeder Kritik an der Haltung von Zirkustieren, kann aber ganz klar sagen: Unseren Tieren geht es super.“ Die Vierbeiner werden gut gepflegt, hätten ausreichend Platz und „freuen sich schon immer auf die Manege, weil sie wissen, dass dort besondere Leckerlis und Belohnungen auf sie warten“.

Warum der Circus Pikard als einziger österreichischer Privatzirkus immer noch auf Tournee geht und sogar jährlich seine Einnahmen steigern kann, ist für den Chef der Manege leicht zu beantworten: „Einerseits, weil wir einfach wissen, wie“, lacht Schneller. Das würde seine Familie beweisen, indem sie bereits 30 Jahre lang vom Zirkus leben könne. Außerdem freut sich der Circus Pikard über ein sehr treues Publikum, das immer wieder gerne in die Vorstellungen komme. „Andererseits gibt es den Circus Pikard noch, weil wir ein Familienunternehmen sind, mit Menschen, die den Zirkus von ganzem Herzen lieben.“

Besonders stolz ist Schneller auf die jüngsten Artisten in der Manege. Einer seiner Neffen und zwei seiner Nichten sind mit großer Begeisterung mit dabei: „Meine Nichte Gloria ist elf Jahre alt und damit die jüngste Luftakrobatin Österreichs“, sagt der stolze Onkel und fügt schmunzelnd hinzu: „Und noch dazu die süßeste.“

Jubiläumstournee mit einzigartigen Highlights

Am 15. März geht der Circus Pikard erneut auf Tournee. Zum Jubiläum hat sich der Direktor besondere Highlights einfallen lassen. „Ich möchte noch keine Namen nennen, aber wir haben zwei neue Nummern im Programm, die es so noch nie in Österreich zu sehen gab.“ 14 Artisten werden in der Manege auftreten. So viele wie noch nie beim Circus Pikard. Atemberaubende Luftnummern, lustige Clowns, Live-Gesang und vieles mehr sorgen für einen „extrem unterhaltsamen Abend für Groß und Klein“, versichert Schneller.