Die dritte Wahnsinnstat: 14 Jahre Haft

Ein 63-Jähriger, der bereits einen Mord begangen und seine Tochter missbraucht hatte, wurde nach Angriff auf seine Schwester zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Erstellt am 07. Oktober 2021 | 04:12
Der Angeklagte stand schon öfter vor Gericht
Der Angeklagte stand schon öfter vor Gericht
Foto: APA (Archiv)

Unvoreingenommen zu bleiben, war den Schöffen in einer Verhandlung am Landesgericht Korneuburg nahezu unmöglich. Zu eindrücklich war das Vorstrafenregister des 63-jährigen Angeklagten, der bereits 26 Jahre seines Lebens in Haft verbracht hat. Erstmals geriet der Mann nach dem Mord an seiner Vermieterin 1987 gravierend mit dem Gesetz in Konflikt. Für diese Tat verbüßte er bis zu seiner bedingten Entlassung 2001 eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren.

Nur vier Monate später beging er erneut eine grauenvolle Tat. Er verging sich an seiner damals 16-jährigen Tochter auf eine Weise, die der forensische Sachverständige „sadistisch“ und „narzisstisch“ nannte. Die Details sind derart widerwärtig, dass sich Richter Martin Bodner fragte, warum nicht bereits im Urteil des Landesgerichts Eisenstadt, das im Jänner 2004 Rechtskraft erlangte, eine Unterbringung in einer Anstalt für geistig-abnorme Rechtsbrecher angeordnet wurde.

So wurde der Mann am 17. Juli 2015 wieder aus der Haft entlassen, schaffte es in der Zeit danach, ein sozial unauffälliges Leben zu führen, und fand sogar eine Partnerin.

Gutachter: „Charme des Psychopathen“

Der forensische Gutachter Peter Hofmann nannte dieses Verhalten den „Charme des Psychopathen“, der „innerlich komplett autark“ funktioniere und auf Außenstehende durchaus harmlos wirken könne. Unter anderem aufgrund seines Verhaltens stufte Hofmann den Angeklagten als „Serientäter“ ein. Dass es nicht noch mehr Opfer gäbe, läge nur an der langen Haftzeit.

Der aktuelle Vorfall verdeutlichte die Gefährlichkeit des 63-Jährigen, weil es keinen erkennbaren Auslöser für die Tat gab. Am 15. Januar dieses Jahres war er bei seiner Schwester, bei der er nach seiner Haftentlassung 2015 eine Zeit lang lebte, samt Partnerin zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dass aus dem Kaffee-Kränzchen eine Totenwache wurde, war einem äußerst tragischen Zufall geschuldet. Der kranke Ehemann der Schwester stürzte an dem Tag so unglücklich, dass er sich das Genick brach und verstarb.

Ähnlichkeiten zum Mord aus den 80er-Jahren

Gegen Mitternacht hatten sich Freunde und auch die Partnerin des Angeklagten verabschiedet und es blieben nur der Mann und seine Schwester zurück. Aus welcher Motivation heraus, blieb – wie erwähnt – unklar, jedenfalls schlug er kurz darauf seine Schwester mit „vier Ohrfeigen“ im Wohnzimmer und riss ihr die Unterbekleidung herunter. Die Frau konnte sich auf die Toilette flüchten.

Der Täter ließ von ihr ab und ging, kam kurz darauf jedoch zurück, da er sein Handy vergessen hatte. Sie öffnete ihm die Tür, in der Annahme, es handle sich bereits um die zu Hilfe gerufenen Polizisten – und verschanzte sich erneut. In seiner Rage trat der 63-Jährige die Toilettentür ein und schlug abermals auf die Frau ein. Am 16. Januar morgens wurde er schließlich verhaftet. Im Prozess bekannte er sich bezüglich der Körperverletzung für schuldig, stritt aber jeglichen Versuch einer Vergewaltigung ab.

Sowohl seinem Verteidiger Andreas Strobl als auch dem Gutachter war bei Durchsicht der Akten nicht entgangen, dass der Angriff auf seine Schwester in den sexuellen Details Ähnlichkeiten zum Mord aus den 80er-Jahren aufwies.

Am Ende sah sich der Schöffensenat mit einer eindeutigen Spurenlage konfrontiert. Es käme ihm darauf an, sein Opfer „maximal zu erniedrigen“, so Richter Bodner in der Urteilsbegründung für die 14 Jahre Freiheitsstrafe samt Unterbringung in einer Anstalt für geistig-abnorme Rechtsbrecher. Scheinbar ungerührt nahm es der 63-Jährige zur Kenntnis.