Eisig kalt: Auf zur Weinlese!

Edi Himmelbauer freut sich über erste Beerenauslese seiner Winzerkarriere. In Hadres und Haugsdorf rückten Winzer und Helfer zur Eisweinlese aus.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:24
Lesezeit: 2 Min
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Das Haugsdorfer Weingut Pröstler bei der Eisweinernte (v.l.): Winzerin Judith Steindl, Philipp Trauner, Ferdinand Prinz, Alexandra Frank, Bernd Wanzenböck, Klaus Steindl, Brigitte Steindl und Winzer Herbert Steindl.
Foto: privat

Nach langem Warten war es am 23. Dezember im Haugsdorfer Weingarten „Lebzelter“ endlich kalt genug, um die Trauben von drei Reihen Grüner Veltliner für den Eiswein zu lesen.

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Winzer Johannes Autrieth beobachtete die Temperaturen genau: minus 7 Grad waren das Ziel. Fotos: privat
Foto: privat

Am Abend davor prüfte Winzer Herbert Steindl vom Weingut Pröstler beinahe stündlich die Temperatur. Als er kurz vor Mitternacht die erforderlichen minus 7 Grad messen konnte, mobilisierte er Freunde und Familie. Ein motivierter Helfer reiste sogar aus Wien an.

Alle wurden mit Stirnlampen und dicken Handschuhen ausgerüstet, die Vogelschutznetze mussten schnell nach oben gehängt werden, etwa eine Stunde später waren die Leseboxen voll mit großteils gefrorenen Trauben.

„Wirklich beruhigt war ich erst, als wir alles in der Presse hatten und ich sicher war, dass die Zuckergrade passen“, erzählt Steindl. Der Kellerinspektor bestätigte: 28,5 Klosterneuburger Zuckergrade, es darf ein Eiswein werden! Der junge Winzer produziert damit erstmals einen Eiswein für das Weingut Pröstler und hofft auf einen guten Gärungsverlauf.

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Dicke Handschuhe und eine Stirnlampe: die klassische Ausrüstung bei der Eisweinlese.
Foto: privat

Ein Profi in der Eisweinproduktion ist indes das Hadreser Weingut Johannes Autrieth. Hier wird seit 25 Jahren Eiswein vom Grünen Veltliner hergestellt. Das Bio-Weingut hat eine Gesamtfläche von 22 Hektar, davon sind 2,5 Hektar – Ried Kirchenleiten und Ried Siebenreiner in Hadres – für Eiswein vorgesehen. Das macht Autrieth zu einem der größten Eisweinproduzenten im Weinviertel.

In den frühen Morgenstunden am Stefanitag konnte von 5 bis 9 Uhr früh geerntet werden. Aufgrund des Temperaturanstiegs ist erst die Hälfte der Fläche abgeerntet.

Winzer hofft auf weitere eisige Nächte

„Wir warten weiter auf tiefe Temperaturen, um den Rest der Trauben noch zu ernten“, sagt Autrieth und klagt über die Klimaveränderungen: „Die Zahl der Tage, an denen die Temperatur unter minus 7 Grad fällt, und das für mehrere Tage bzw. Stunden, wird immer geringer.“

Dabei ist gerade der Eiswein für das Weingut interessant, wie Karin Autrieth erklärt: „Seit Sommer 2021 verfeinern wir mit dem Eiswein unseren Gin, daher auch der Name Gin ICE.“

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Freuen sich auf die erste Beerenauslese ihrer Karriere: die Untermarkersdorfer Bio-Winzer Edi und Elisabeth Himmelbauer
Foto: privat

Keinen Eiswein, aber erstmals eine Beerenauslese gab es in Untermarkersdorf im Bio-Weingut von Elisabeth und Edi Himmelbauer. „Das habe ich noch nie erlebt, dass wir eine Beerenauslese bekommen. Das ist eine kleine Sensation!“, freut sich Edi Himmelbauer über diese Premiere in seiner gesamten Winzertätigkeit.

So etwas gebe es normaler weise nur im Burgenland, in der Nähe vom Neusiedlersee sei es feucht genug. „Unsere Böden sind in der Regel viel zu trocken dafür.“

Jetzt waren die Bedingungen optimal: „Wir konnten die vollreifen und edelfaulen Beeren in unserem Weingarten im Thal vor dem Frost von Hand ernten und zur Beerenauslese weiterverarbeiten.“

Wann wird man diesen Qualitätswein verkosten können? „Wahrscheinlich zu Ostern“, meint der Bio-Winzer, der sich über den Namen dieser ersten Beerenauslese noch bedeckt hält. „‚Kracher‘ werden wir’s wohl nicht nennen“, lacht der Winzer. „Edi-Süß“ geistert jedenfalls herum.

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