Tablet-Wurf: „Mama hat durchgedreht“. Ehestreit landete vor Strafrichter. Daheim ist alles wieder gut, doch die Versionen des Pärchens harmonierten nicht.

Von Sandra Frank. Erstellt am 04. August 2019 (06:22)
Von Zolnierek, Shutterstock.com
Symbolbild

Wegen Körperverletzung musste sich ein 55-Jähriger aus dem Pulkautal am Bezirksgericht Hollabrunn verantworten. Er soll seiner Ehefrau ein Tablet ins Gesicht geschossen und sie dabei verletzt haben. Der Mann bekannte sich schuldig, beteuerte aber, dass er das Gerät nach einem Streit nur zu seiner Frau „hingeschupft“ habe.

Wie es dann zu einer Rissquetschwunde im Gesicht der 45-Jährigen gekommen sei, wollte Richter Erhard Neubauer wissen. „Sie ist halt blöd gesessen“, lautete die Erklärung. Zum Streit sei es gekommen, weil die Frau dem Angeklagten vorgeworfen hatte, dass er immer nur am Tablet spiele. Nach seinem Wurf habe sie ihm ins Gesicht geschlagen.

„Ich habe ihm eine Watsche gegeben, damit er mithilft. Ich kann ja nicht alles alleine machen“, schilderte die Gattin dann im Zeugenstand. Erst, nachdem sie ihm ins Gesicht geschlagen hatte, habe er das Tablet nach ihr geschossen und sie an der „linken Augenpartie“ verletzt. „Wir sind 23 Jahre verheiratet. Ich will ihn nicht verlieren“, beteuerte die sichtlich nervöse Frau, dass die Beziehung jetzt wieder in Ordnung sei. Sie versprach auch: „Ich werd‘ nie wieder hinhauen.“

„Ich wollte es ja gar nicht anzeigen“

Warum bei der Polizei von der Watsche, die die Frau austeilte, keine Rede war, wisse sie nicht. Sie habe geblutet und geweint und könne sich nicht mehr so genau an den Vorfall im Mai erinnern. Aber: „Er hilft mir jetzt viel mehr. Er arbeitet auch wieder. Ich wollt’s ja gar nicht anzeigen.“ Doch die Tochter des Paares hatte die Rettung gerufen.

„Es gab keine Watsche. Sie wollte streiten und ich hab ihr das Tablet hingeschupft“, reagierte der Angeklagte verärgert auf die Aussage seiner Frau. „Die Mama hat gesponnen und durchgedreht“, beschrieb die Tochter (22) den Vorfall. Ihre Mutter habe geschrien und geschimpft, bevor sie ihrem Vater eine Ohrfeige verpasste. „Papa hat gesagt, er will raus, spazieren. Da hat sie ihm noch mal eine gegeben.“ Erst dann, nach einigen Minuten, habe der damals Arbeitslose das Tablet in Richtung der Mutter geschossen. „Weil sie immer noch aggressiv war“, schilderte die Tochter.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde der Mann schließlich zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Weil er bereits eine Vorstrafe hatte, erhielt er zudem einen Bewährungshelfer.