Weinbergschnecke: Eine Delikatesse aus Obritz. Ein Paar aus Wien hat sich im Pulkautal den Traum von der Arbeit mit Tieren verwirklicht.

Von Romana Schuler. Erstellt am 04. Juli 2020 (03:59)
Ein Zwei-Personen-Betrieb, der imMoment an die 5.000 Schnecken versorgt: Armin Massihi und Jessika Wyschka.Schuler
Romana Schuler

Mit dem vielen Regen im Juni tauchten in vielen Gärten wieder Schnecken auf und fraßen sich mit Gemüse oder Erdbeeren voll. Die größte heimische Art ist die bekannte Weinbergschnecke, die Helix Pomatia. Das Einsammeln der Weinbergschnecke, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, ist strengstens verboten.

Schnecken als Delikatesse gibt es meist nur in auserlesenen Lokalen. Sie stammen aus Zuchtgärten. In Österreich gab es lange Zeit nur einen EU-zertifizierten Züchter in Wien, bis vor rund zwei Jahren die beiden Wahl-Obritzer Jessica Wyschka und Armin Massihi die Idee hatten, einen eigenen Betrieb, die „Weinviertler Weinbergschnecke“, zu gründen.

Berührungsängste kennt Jessika Wyschka nicht: Die heimischen Weinbergschnecken fühlen sich auch auf der Hand ihrer Besitzerin wohl.
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„Wir arbeiten beide in Wien, wollten aber aus der Stadt raus und fanden in Obritz ein altes Presshaus, das wir mitsamt dem Acker gepachtet haben“, erzählt Kulturmanagerin Jessica Wyschka. „Ich wollte immer was mit Tieren machen“, sagt sie.

„Zunächst war die Überlegung, Ziegen zu züchten“, erzählt ihr Partner Armin Massihi, der hauptberuflich als IT-Manager tätig ist, „aber da habe ich gesagt, wie wäre es mit Schnecken, die gibt es hier zuhauf!“ Sie hätten dann alles Greifbare über Schneckenzucht gelesen und schließlich Seminare in dem italienischen „Instituto Internazionale di Elicicoltura“ in Cherasco südlich von Turin besucht.

Große Italiener und kleine Franzosen …

Von dort bezieht Wyschka die Schnecken für die Aufzucht. Es dauert rund zwei Jahre, bis die Weichtiere geerntet und fachgerecht geschlachtet werden können. Während dieser Zeit leben sie einem großflächigen Freigehege, einem „grünen Paradies“, das übervoll mit für Schnecken schmackhaften Pflanzen ist. Zudem werden sie mit Maismehl zugefüttert.

In Obritz gezüchtet werden die heimische Weinbergschnecke (Helix pomatia), die Große Graue (Helix aspersa maxima), die vorwiegend in Italien vorkommt, und die Kleine Graue (Petit gris), eine französische Art der Weinbergschnecke. Im Herbst werden die Große Graue und Kleine Graue für ihren Winterschlaf in der Kellerröhre eingesammelt.

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Neben der Schneckenzucht läuft noch ein EU-Leaderprojekt für Schulen: Dieses ist gerade im Aufbau und wird ab März 2021 für Volksschüler und Kinder unter dem Motto „Schule am Bauernhof“ zugänglich sein.

Das erste große Sommer- und Eröffnungsfest findet erst in einem Jahr, voraussichtlich am 27. Juni 2021, mit einem Musikprogramm statt. Dort können die Besucher Wissenswertes über Zucht und Schneckenrezepte erfahren. Natürlich wird es auch Kostproben geben. „Unser Ziel ist, dass wir unsere Schnecken im eigenen Hofladen anbieten können“, sagt die quirlige Jessica Wyschka über ihre Zukunftspläne mit der ersten Schneckenzucht im Pulkautal.

weinviertler-weinbergschnecke.at