Maximilian Pröll: „Fruchtige sind angesagt“

Jungwinzer Maximilian Pröll tritt in Radlbrunn in die Fußstapfen seines Vaters und heimst bereits Erfolge ein.

Erstellt am 19. September 2021 | 05:47
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Die Wetterbedingungen 2020 sorgten für eine herausfordernde Ernte, bei der „Geschick und Erfahrung“ gefragt waren, wie „Vinaria“ berichtet. Das Geschick hat der Radlbrunner Maximilian Pröll sichtlich unter Beweis gestellt.
Foto: Sylvia Stark

Das Sprichwort „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ fällt einem bei Jungwinzer Maximilian Pröll nicht unbedingt als erstes ein. Der 21-Jährige erreichte bei einer Blindverkostung der Weinzeitschrift „Vinaria“ unter 160 Proben mit seinem DAC Grünen Veltliner Lehlen 2020 den vierten Platz hinter Weingütern aus der Wachau, dem Kamptal und dem Kremstal.

„Eine Überraschung“, wie die Jury urteilte: „Der kühle lösswürzige Wein hat zur anregenden Säure auch ein zartes Zuckerspitzerl, das den Wein mit viel Trinkanimo über den Gaumen gleiten lässt.“ Die NÖN besuchte den Senkrechtstarter und seinen Vater in deren Weingut in Radlbrunn.

NÖN: Auf welche Faktoren führen Sie das starke Abschneiden bei der Bewertung zurück?

Maximilian Pröll: Die Weinriede Lehlen ist eine sehr gute Lage. Es ist ein klassischer, steiler Südhang mit Löß-Lehm-Boden. Wir arbeiten sehr akribisch bei der Lese mit der Hand. Die fauligen Stellen werden weggeschnitten. Dadurch bekommt man auch nicht so viel Alkohol zusammen. Wir schauen immer, dass wir einen fruchtigen Wein bekommen und nicht die 12,5-%-Alkoholgrenze überschreiten.

Ihr Vater hat Ihnen schon fast zur Gänze die Arbeit im Keller überlassen. Was charakterisiert Ihre Arbeitsweise?

Maximilian Pröll: Ich lasse den Wein im Keller so entstehen, wie er im Weingarten wächst. Ich begleite den Wein nur. Mein Motto ist: Weniger ist mehr. Dem Wein lasse ich Zeit. Ich schaue, dass er nicht zu schnell filtriert wird oder dass er einfach länger auf der Hefe liegenbleibt.

Das Weinjahr 2020 wird als ein typisches Veltlinerjahr bezeichnet. Welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend ?

Maximilian Pröll: Wir hatten sehr viel Niederschlag und es war überdurchschnittlich kühl. Das tat dem Veltliner gut; es macht das würzige, pfeffrige Aroma. Die Lese war jedoch herausfordernd. Durch den vielen Regen war die Handlese angesagt, damit die fauligen Stellen herausgeputzt werden konnten. Aber in solchen Jahren kann man sich als Winzer beweisen, man muss sich mit den Trauben intensiv beschäftigen.

Sie sind 21 Jahre jung und spielen schon in der Top-Liga der renommierten Weingüter mit. Wie geht man damit um?

Maximilian Pröll: Man freut sich. Es gibt mir Ansporn, dass ich Ideen sammle und viel ausprobiere. Die Verkostungskriterien sind deswegen auch sehr spannend, weil es eine Blindverkostung war.

Wie viele Veltlinersorten bauen Sie mit Ihrem Vater an?

Maximilian Pröll: Wir haben fünf Sorten vom Grünen Veltliner. Dementsprechend wird der Wein in fünf verschiedenen Weinrieden angebaut. In der Riede Lehlen entsteht ein fruchtiger, runder Wein, weil er auf einem Lößboden steht. Auf einem steinigen Boden entsteht ein würziger, mineralischer Wein, wie zum Beispiel der Veltliner von der Riede Brenner.

Ist Ihnen die Übergabe der Arbeit im Weinkeller an Ihren Sohn Maximilian schwergefallen?

Andreas Pröll: Nein, weil er total dahintersteht. Wie man sieht, hat er ja Erfolg. Er macht das schon zu 80 bis 90 Prozent alleine.

Haben sich die Arbeitsvorgänge im Keller seit Ihrer Zeit an der Weinbauschule sehr verändert?

Andreas Pröll: Die größte Veränderung gab es von meinem Vater zu mir. Bei der Generation zu meinem Sohn geht’s um Feinheiten.

Maximilian Pröll: Es hat sich der Weintypbereich gewandelt. Es geht beim Weinmachen wieder alles zurück zum Ursprung. Die fruchtigen Weine sind jetzt angesagt, die kühler vergoren werden. Und der Veltliner von der Riede Lehlen ist daher ein extrem moderner Veltliner.