„Einfach grauslich“: Flüchtlinge werden ausgenutzt. Alfred Tuzar aus Hollabrunn will nicht mehr zusehen, wie Flüchtlinge über den Tisch gezogen werden und sammelt Spenden.

Von Sandra Frank. Erstellt am 10. September 2021 (05:58)
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Alfred Tuzar will der Not ein Gesicht geben und Spenden für Geflüchtete sammeln.
NOEN

Alfred Tuzar engagiert sich seit etwa einem halben Jahr im Hollabrunner Arbeitskreis für Integration. Es lässt ihn traurig mit dem Kopf schütteln, wenn er erzählt, wie mit der Flüchtlingsfamilie umgegangen wird, die er betreut. „Meine Familie ist hier nur ein Beispiel.“

Er ist überzeugt: Die sprachlichen Defizite, die es selbst bei den gut integrierten Familien noch gibt, werden von anderen schamlos ausgenutzt, um sie über den Tisch zu ziehen. Hier kann Tuzar leider einige Beispiele nennen, vom Anwalt über den Arzt bis zum Vermieter - alle nicht aus Hollabrunn, wie er betont. „Es ist einfach grauslich.“

Hinzu kommen unvorhersehbare Kosten, die bei dem kleinen Haushaltsbudget der Flüchtlingsfamilien nicht leistbar sind. Etwa ein Laptop, den das Kind für die Schule braucht. Oder neue Brillen.

Mutter will arbeiten gehen und Führerschein machen

„Sie will den Führerschein machen, damit sie beweglicher ist und andere Jobs annehmen kann, aber auch die Fahrschule kostet viel Geld“, sagt Tuzar über die Mutter, die er betreut. „Sie will arbeiten gehen, um dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen.“ Und: „Sie will keine Bittstellerin sein“, falle es der Familie schwer, um (finanzielle) Hilfe zu bitten, die sie aber braucht, um zu überleben.

„Es wäre schön, wenn wir Tausende Euro auf dem Konto hätten, damit wir allen helfen können“, sagt Tuzar über die Finanzen des Arbeitskreises. Weil er weiß, dass sich dieser Wunsch nicht durch Zauberhand erfüllen wird, schreitet er noch im September zur Tat: „Ich werde die Leute direkt ansprechen und fragen, ob sie etwas spenden.“

Unternehmen wie Privaten will er die Geschichten der Familien erzählen, denn er ist überzeugt: „Wenn die Not ein Gesicht bekommt, dann spenden die Österreicher.“

Tuzar spricht von einem „unglaublichen Engagement“, das die Menschen im Arbeitskreis aufbringen, um den Flüchtlingen zu helfen. Was die Spenden betrifft: „Wir garantieren: Bei uns kommt jeder Cent direkt an, wo er gebraucht wird.“