Bürgermeister Reinwein: „Es ist nicht aller Tage Abend“. VP-Bürgermeister Reinwein: „Wir werden das noch einmal besprechen müssen.“

Von Sandra Frank. Erstellt am 05. April 2019 (05:25)
NÖN
Das Göllersdorfer Rathaus ist in die Jahre gekommen. Ob es saniert oder abgerissen und neu errichtet werden soll, darüber diskutieren die Mandatare seit Monaten.

Bürgermeister Josef Reinwein präsentierte den Gemeinderäten eine Kostenschätzung, wie viel eine Generalsanierung des in die Jahre gekommenen Rathauses kosten würde. 2,1 Millionen müsste die Gemeinde investieren, Dachgeschossausbau für vier Wohnungen und Aufzug auf der Rückseite des Gebäudes inklusive.

Demgegenüber stehen 2,8 Millionen Euro, die ein Abbruch und Neubau des Amtshauses kosten würde. Ebenfalls mit vier Wohnungen und Aufzug. Bauherr wäre bei dieser Variante die Gemeinde.

„Das kann man doch nicht vergleichen!“, ärgerte sich ein Zuhörer. Man könne in die Sanierungskosten nicht einfach die Errichtung von vier Wohnungen hineinschmuggeln. Stefan Hinterberger (SPÖ) sah das genauso und wollte bei der Sitzung wissen, wie sich die Kosten verringern, würde die Gemeinde den Dachausbau weglassen.

Eine Option, die für Reinwein eine Verschwendung sei, wie er später im NÖN-Gespräch ausführte. „Das ist heute die Sünde Nummer eins, wenn man solche Flächen ungenutzt lässt.“ Denn das Dach müsse ohnehin saniert werden, deswegen müsse die Gelegenheit ergriffen werden, um den Raum sinnvoll zu nutzen.

„Gutachter war schon vor Beschluss da“

In welchem Detail sich die Opposition während der Sitzung verzettelte, brachte den Gemeindechef zum Kopfschütteln: Um das Gutachten für die Sanierung in Auftrag geben zu können, hatte er einen gerichtlich beeideten Sachverständigen ins Haus bestellt.

„Er war schon da, bevor wir im Vorstand überhaupt beschlossen hatten, dass wir ein solches Gutachten in Auftrag geben wollen“, meinte Michael Deninger von den Grünen. SPÖ-Gemeinderätin Isabella Raberger kam dieses Vorgehen ebenfalls spanisch vor. Sie stellte in den Raum, dass der Gutachter in die Zukunft sehen können muss, wenn er die Befundaufnahme für die Kostenschätzung bereits vor der Beauftragung durch den Gemeindevorstand durchgeführt hat.

„Er muss sich ja vorher anschauen, worum es überhaupt geht“, rechtfertigte sich Reinwein. Den konkreten Auftrag für das Gutachten habe er dem Sachverständigen natürlich erst erteilt, nachdem der Gemeindevorstand sein Okay dazu gegeben hatte.

„Das ist wie beim Straßenbau: Die bekommen von uns auch kein Geld, wenn wir beschließen, dass wir’s nicht machen“, sprang ÖVP-Gemeinderat Martin Klampfer erklärend ein.

„Ich würde die Kritik verstehen, wenn ich das Gutachten im Alleingang in Auftrag gegeben hätte“, meinte Reinwein nach der Sitzung. „Die Frage war, was der Gutachter verlangt, wenn er den Auftrag bekommt – nicht mehr“, erklärt der Bürgermeister die Besichtigung im Vorfeld. Im Übrigen sei das Gutachten erst zwei Wochen nach diesem Termin erstellt worden.

„Ich hab‘ kein Problem – genauso wie die Göllersdorfer ÖVP –, wenn wir das Ganze noch einmal besprechen. Das werden wir auch müssen“, streckt Reinwein die Hand in Richtung Opposition aus, die das Gespräch aber bisher nicht gesucht habe. „Es ist noch nicht aller Tage Abend“, sagt er mit Blick auf den Initiativantrag, welcher den Göllersdorfern vermutlich ins Haus steht.

Wie berichtet, sammelt der ehemalige VP-Gemeinderat Herbert Peer Unterschriften, damit die Mandatare über eine Volksabstimmung zum Rathaus-Projekt diskutieren müssen.