Werner Schuster und die Mission für die Honigbiene. Werner Schuster referiert an der LFS Hollabrunn, die er sich als Forschungsstandort wünscht.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 11. Oktober 2017 (05:42)
Christoph Reiterer
Reges Treiben in einem von Werner Schusters Bienenstöcken in Hollabrunn. Die europäische Honigbiene sieht sich mit einer Vielzahl an Feinden konfrontiert. Foto: Christoph Reiterer

Die Imkerkurse in der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn sind noch ein junges Pflänzchen. Doch sie sollen weiter an Bedeutung gewinnen. Das hat nicht zuletzt einen sorgenvollen Hintergrund: Um dem massiven Bienensterben entgegenwirken zu können, soll Bienenforschung nach Hollabrunn gebracht werden.

Eine treibende Kraft dahinter ist Referent Werner Schuster, der in Schöngrabern als regionaler Honiglieferant die „HonigSinfonie“ betreibt. „Vor zehn Jahren habe ich mich in das Thema eingelesen, weil mir aufgefallen ist, dass es keine Bienen mehr gibt“, sagt der Imkermeister, der aktuell 30 bis 40 Völker sein Eigen nennt.

„In zwei bis fünf Jahren haben wir eine Hornisse hier, die Bienen frisst“Werner Schuster

Die Kurse werden indes sehr gut angenommen – von Menschen, die diesem Thema ebenfalls sensibel gegenüberstehen. Doch Forschung sei in Österreich de facto nicht vorhanden.

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„Nur wenige Eingeweihte wissen, dass es in Österreich vermutlich die strengsten Auflagen des gesamten Weltmarktes gibt“, schreibt Werner Schuster auf seiner Website. Der Imker wünscht sich Hollabrunn als Forschungsstandort.

Man sei auf die Erkenntnisse aus Deutschland und der Schweiz angewiesen. Das mache den Kampf gegen den weltweiten Hauptfeind, die Varroamilbe, die als Parasit an Honigbienen lebt und sich im Bienenstock vermehrt, nicht leichter. Wildbienenarten seien teilweise gar nicht mehr existent.

„Wir dürfen die Bienen nicht behandeln, sondern nur die Milbe bekämpfen“, erklärt Schuster. Während es mit der englischen Buckfastbiene bereits erste Erfolge hinsichtlich der Toleranz gegen die Varroamilbe gibt, sei die in Niederösterreich erlaubte Kärntnerbiene noch weit davon entfernt.

Die nächste Gefahr lauere außerdem bereits: „In zwei bis fünf Jahren haben wir eine Hornisse hier, die Bienen frisst“, mahnt Schuster. Die Vespa velutina wurde aus Asien eingeschleppt und sei ein perfekter Jäger. „Sie kann sogar rückwärts fliegen!“

„Ernährungssicherheit hängt kausal mit den Bienen zusammen“

Dass auch die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide Insekten töten, sei hinlänglich bekannt. Maßnahmen müssten jedoch Hand in Hand mit den Bauern erfolgen, die mitunter auf Insektizide ebenso angewiesen sind wie auf die Bestäubung der Bienen. Diese lieben den Raps. Akazie, Linde und Sonnenblume zählen weiters zu den sogenannten Haupttrachten.

„Man muss einen Mittelweg finden. Das Weinviertel bietet perfekte Bedingungen“, weiß Schuster. Bis zu 40 Kilo Honig pro Stock können hier lukriert werden. Doch wie lange noch? „Die Ernährungssicherheit hängt kausal mit den Bienen zusammen. Doch heute sieht man am Feld kein Insekt mehr und wir haben auch weniger Vögel“, sieht der Schöngraberner die Problematik schon weit vorangeschritten.

Der landwirtschaftliche Nutzen der Honigbiene wird mit 525 Millionen Euro pro Jahr beziffert. „Doch es kommt nichts bei der Biene an“, betont Schuster und hofft, dass die Verantwortlichen die Tragweite erkennen und ein nennenswertes Forschungsbudget zur Verfügung stellen. Hollabrunn wäre jedenfalls gerne bereit, Forschungsstandort für die Honigbiene zu sein.