Bezirk Hollabrunn: Die Älteren lassen eher reparieren. Hollabrunner Betriebe begrüßen die Aktion gegen das Wegwerfen.

Von Barbara Witzany und Sandra Donnerbauer. Erstellt am 16. Oktober 2019 (05:27)
Sandra Donnerbauer
Bei Red Zac Jäger in Retz werden noch viele Geräte repariert. Reinhard Ludl (r.) beweist vor Ort bereits seit über 40 Jahren Fingerspitzengefühl. Das schätzen auch Kunden aus den umliegenden Bezirken, wie Verkäufer Johannes Schadn (l.) erzählt.

Mit der Aktion „Reparaturbonus NÖ“ werden Haushalte mit 50 Prozent der Brutto-Reparaturkosten von Elektrogeräten bis 100 Euro unterstützt. So soll ein nachhaltigerer Umgang mit begrenzten Ressourcen geschaffen werden. Auch Betriebe im Bezirk Hollabrunn stehen dafür zur Verfügung.

So etwa die Firma Red Zac Jäger in Retz, die sich in der hauseigenen Werkstatt oder auch direkt bei den Kunden um die Reparatur alter Geräte kümmert. Reinhard Ludl ist hier seit über 40 Jahren bemüht, fehlerhafte Haushaltsgeräte wieder instandzusetzen. Selbst Fernseher repariert er, doch seien diese generell ein sehr schnelllebiges Produkt. Das liege oft an den Herstellern, die vielfach überhaupt keine Ersatzteile produzieren. „Das ist schon ein Irrsinn bei der Sparte“, meint Verkäufer Johannes Schadn und hofft hier auf Verbesserungen durch angekündigte EU-Gesetze.

NÖ Reparaturbonus zu wenig kommuniziert

Den NÖ Reparaturbonus findet er daher sehr positiv. Dieser sei jedoch noch viel zu wenig kommuniziert worden. Generell seien es eher die älteren Kunden, die Geräte reparieren lassen. Waschmaschinen, Trockner, Geschirrspüler, Herde, aber auch besonders teure Staubsauger würden eher zur Reparatur gebracht. Oder Gegenstände, die es nicht mehr zu kaufen gibt, wie etwa Videorekorder.

Wer gerne selbst handwerklich tätig wird, kann am kommenden Samstag, 19. Oktober (14 bis 18 Uhr), bereits zum dritten Mal das Reparaturcafé im Coworking Center in Pulkau besuchen. Geschickte Ehrenamtliche bieten hier Hilfestellung für die Reparatur von Haushaltsgeräten aller Art. Auch kleinere Reparaturen an Textilien werden durchgeführt.

Reparaturcafé bietet auch sozialen Aspekt

Genutzt wurde das Angebot in der Vergangenheit überwiegend von älteren Menschen. „Sie genießen es, dann auch zusammenzusitzen und einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen“, sieht Organisator Martin Polzer den sozialen Aspekt und will keinesfalls eine Konkurrenz zum Fachhandel sein.

Barbara Witzany
ernhard Wiesböck repariert in Maissau alles, was das Herz begehrt.

Im seit über 70 Jahren bestehenden Maissauer Familienbetrieb Elektro Wiesböck sieht Firmenchef Bernhard Wiesböck sich und seine Mitarbeiter als „Allround-Elektriker“, die vom Taschenlampenbirnchenwechsel bis hin zu hochtechnischen Anlagen alles bewältigen. Die Aktion „Reparaturbonus NÖ“ sei erst am Beginn, doch er beobachte zwei Arten von Kunden: Die eine Gruppe kauft günstig und erwirbt ein neues Gerät, wenn das alte kaputt ist. Die andere kauft Qualität und lässt im Bedarfsfall reparieren.

Wer reparieren lässt, trägt zum Klimaschutz bei

„Die Reparatur von defekten Geräten stellt eine umweltfreundliche Alternative zu einem Neukauf dar, trägt wesentlich zur Abfallvermeidung und somit auch zum aktiven Klimaschutz bei“, sagt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Die Förderung soll NÖ-Haushalte direkt unterstützen sowie ein Impuls für die Reparaturbetriebe sein.“

„Der Reparaturbonus wird sehr gut angenommen. Es gibt großes und reges Interesse. Und auch das Feedback zur Aktion an sich und zur Idee dahinter – Dinge eben nicht einfach wegzuwerfen, sondern auf Reparaturen zu setzen –, ist außerordentlich gut“, berichtet Wolfgang Ecker, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer NÖ. Die regionale Wertschöpfung und damit Unternehmen und Ausbildungsplätze in den Regionen würden gestärkt, handwerkliches Know-how in den Regionen werde gesichert. Und Kunden bekämen einen zusätzlichen Anreiz, auf Unternehmen in ihrem Lebensumfeld zu setzen.“

Ältere Geräte bekommen neue Software und werden günstig verkauft

Harald Busta von Busta.at in der Hollabrunner Pfarrgasse ist gespannt auf die Resonanz der Aktion. „Prinzipiell sind wir von der Aktion und der grundsätzlichen Idee – Reparieren statt Wegwerfen – sehr überzeugt“, sagt er. Schon seit zwei Jahren bietet die Firma ihren Kunden „Refurbished“-Geräte an. Dabei handelt es sich um PCs und Laptops wie Messegeräte, Ausstellungsstücke und Leasingrückläufer, die nach einer gründlichen Reinigung und Überarbeitung auch optisch gleichsam in den Originalzustand zurückgesetzt, also wiedererneuert wurden und mit der „Wie neu“-Garantie zu günstigeren Preisen angeboten werden.

Zudem gibt es auch „Renewal“-Geräte, das sind runderneuerte Laptops und PCs, die von der Servicemannschaft durch den Austausch von veralteten Komponenten sowie Aktualisierung und Neukonfiguration der Betriebssystem-Software auf den neuesten Stand gebracht werden und auch optisch verjüngt ebenfalls zu günstigen Preisen verkauft werden können.

Umfrage beendet

  • Defekte Geräte: Reparatur oder Neukauf?