Direktorin Wagner zieht‘s nach Krems. Direktorin Birgit Wagner verlässt Retz und reflektiert nun ihre Schaffenszeit. Nachfolgerin ist Barbara Sablik-Baumgartner.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 12. Juli 2017 (03:17)
Widhalm
Birgit Wagner. Die Wirtschaftspädagogin aus Retz wagte vor zwölf Jahren den Schritt in die Direktion der Tourismusschulen – und pendelt ab dem Herbst täglich nach Krems.

Birgit Wagner zieht‘s weiter: Zwölf Jahre hielt sie die Zügel in den Retzer Tourismusschulen und fünf Jahre in der Handelsakademie in ihren Händen, ab dem Herbst wird sie die Leitung in den Kremser Tourismusschulen mit 500 Jugendlichen und 60 Lehrern übernehmen. Der Abschied fällt ihr nicht leicht, dennoch war es eine bewusste Entscheidung.

Die 55-Jährige will zehn Jahre vor ihrer Pensionierung eine berufliche Veränderung. „Das ist ein Motiv, das sich durch mein ganzes Leben zieht“, erklärt Wagner.„Ich glaube auch, dass es gut ist, wenn ich nach zwölf Jahren Platz mache und jemand mit neuen Ideen kommt.“

Aufblühende Tourismusschule und verglimmende HAK

Dieser Jemand wird wieder eine Frau sein: Barbara Sablik-Baumgartner wird mit 1. August aus der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) in Hollabrunn nach Retz wechseln. Die Pädagogin für Deutsch und Geschichte unterrichtete bereits in der Tourismusschule und kehrt nun als Direktorin zurück. Ihr obliegt ebenso die Leitung der Handelsakademie, die im Herbst nur mehr zwei Jahrgänge umfassen wird.

Wagner hat in ihrer Zeit zwei Entwicklungen erlebt: eine aufblühende Tourismusschule und eine verglimmende Handelsakademie. Ein Schulversuch hätte beide Schulformen – zumindest die sich gleichenden Fächer – zusammenführen sollen: Das Konzept lehnte das Unterrichtsministerium ab. Jetzt, im Juni, zog sich die HAK an ihren eigentlichen Hauptstandort zurück – aus dem Mittelschulgebäude ins Haus vis-à-vis.

„Das ist uns wirklich sehr nahegegangen“, erzählt Wagner von einem wehmütigen Team. Die Tourismusschulen am Seeweg werden aus Platzgründen langfristig ins HAK-Haus übersiedeln, wenn die verbliebenen HAK-Schüler ihre Reifeprüfung absolviert haben. Ein Zubau auf den danebenliegenden Grundstücken ist vorgesehen. „Der Vorvertrag mit der Gemeinde steht“, war der Direktorin wichtig, dass der Grundstein vor ihrem Abschied gelegt wird. „Jeder möchte geordnete Verhältnisse übergeben.“

Wagner, deren „Herz für die berufsbildenden Schulen schlägt“, hebt die Ausbildung in Verbindung mit Praxiswochen hervor. „Für die Wirtschaft ist es kein Nachteil, wenn die Mitarbeiter erst etwas älter sind und Erfahrung mitbringen.“ Die Tourismusschüler, besonders jene der Fachschule und des Aufbaulehrganges, würden der Branche erhalten bleiben.

Die Absolventen der Höheren Lehranstalt für Tourismus wählen oft ein Studium. „Wenn man in führenden Positionen arbeiten will, muss man an die Fachhochschule.“ Ihre Erfolge benennt Wagner in verschiedenen Bereichen: Der gesamte Außenauftritt erlebte in Form des Leitbilds, Logos, der Schuluniform und zuletzt der Homepage einen „Relaunch“.

Der obere Stock, der früher als Internat genutzt wurde, verwandelte sich zu Klassenräumen für das Betriebswirtschaftliche Zentrum. Die Tourismusschule gehört außerdem zum ÖKOLOG-Netzwerk. Etabliert wurde eine dritte Ausbildungsform: der Aufbaulehrgang. Das Team setzte außerdem pädagogische Konzepte mit „COOL“ und der „Neuen Oberstufe“ um, übrigens auch an der HAK. Wagner betont, dass neue Richtlinien aus dem Ministerium in Retz sofort umgesetzt wurden.

„Man wird so oft ins Vertrauen gezogen“

Der Beruf habe sich in ihrer Zeit, die sie als „wunderbar“ beschreibt, gewandelt. „Die administrativen Tätigkeiten nehmen zu“, erläutert Wagner. „Man muss immer mehr schauen: Wer kann welche Aufgaben übernehmen? Nur so kommt es zu keiner Überlastung des Einzelnen. Das gehört zu den Aufgaben der Schulleitung.“

Viele persönliche Erlebnisse wird sie nach Krems mitnehmen. „Man wird so oft ins Vertrauen gezogen“, erzählt sie von Schülern, die bei ihr eine persönliche Gesprächspartnerin fanden. „Das ist auch das Ziel: einen Rahmen zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen.“ Welche Vision sie in der HLF Krems umsetzen möchte, verrät sie vorerst nicht. Sie hatte bereits Einblick in die Schule und Kontakt mit Kollegen. „Es ist nicht so, dass Krems das große Unbekannte wäre, aber ich möchte die Schule vorher besser kennenlernen.“

Wagner sei sehr dankbar über ihre Zeit in Retz. „Meine Erwartungen wurden in jeder Hinsicht übertroffen“, schildert sie. Mit Wehmut denkt sie an die Menschen, die von ihr begleitet wurden, aber sie ist auch beruhigt. „Mir ist wichtig, dass die Schule in guten Händen ist.“ Und sie hofft für Retz, „dass begonnene Projekte in den Schulen ein positives Ende finden“. Wagner denkt dabei an die Mittelschulsanierung und die Etablierung einer Kunstschule.