Gemeinderätin geht, die Aufgaben bleiben. Helene Schrolmberger (Die Grünen) zieht sich nach zehnjähriger Tätigkeit aus der Gemeindepolitik zurück.

Erstellt am 16. September 2014 (10:01)
Helene Schrolmberger wünscht sich, dass auch nach ihr grüne Standpunkte im Retzer Rathaus vertreten werden können.
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Helene Schrolmberger war zehn Jahre lang als Gemeinderätin für „Die Grünen“ tätig. Sie wird bei den anstehenden Gemeinderatswahlen am 25. Jänner nicht mehr kandidieren – aus persönlichen Gründen (siehe NÖN-Kurzinterview unten). Ein Nachfolger sei bisher nicht gefunden worden, dabei sieht Schrolmberger nach wie vor große Aufgaben für die grüne Politik in ihrer Heimatstadt.

Warnung: Erhalt der Lebensqualität nicht vergessen

„Es wäre für Retz nicht gut, würden grüne Standpunkte in Zukunft nicht mehr vertreten sein“, findet sie. Dazu zählen ihres Erachtens der Schutz der Lebensgrundlagen wie Wasser und Böden, aber auch der behutsame Umgang mit der Landschaft und die zeitgemäße Erschließung von Wohnraum und Siedlungsgebieten.

Der Erhalt der Lebensqualität angesichts wachsender Verkehrsprobleme sollte laut der scheidenden Gemeinderätin nicht außer Acht gelassen werden. Wichtig seien die Erhaltung der Artenvielfalt und der Klimaschutz. „Das sind auch künftig grüne Themen, die in Retz Beachtung finden müssen“, betont sie.

Sie hoffe daher auf neue, engagierte und grünbewegte Personen, die sich dafür einsetzen möchten. Künftige Aktivisten, die die „Grüne Staffel“ übernehmen wollen, könnten mir ihr Kontakt aufnehmen und mit ihrer Unterstützung rechnen.

Bezirkssprecherin zeigt Verständnis für Rückzugs-Schritt

Rückblickend besinnt sich Schrolmberger auf ihre persönliche Bilanz. Sie gehörte neben der bereits ausgeschiedenen Stadträtin Susanne Metzger zu den wenigen, die mit ihren Wortmeldungen in den Gemeinderatssitzungen Entscheidungen hinterfragten und Probleme aufzeigten.

„Für jeden kommt die Zeit, wo er beruflich andere Prioritäten setzen will“, zeigt Bezirkssprecherin Elfriede Hofmann Verständnis. Und: „Sie wird weiterhin bei den Grünen sein.“ Schrolmbergers Arbeit beschreibt sie als „engagiert“ und „fundiert“.

„Sie war nicht mit allem gleich einverstanden, sondern hat sich vor ihrer Entscheidung einmal eingelesen“, erzählt Hofmann. „Für ihre qualitative Arbeit möchte ich mich herzlich bedanken.“ Die Bezirkssprecherin hat die Hoffnung, dass mit einem Wechsel neue Gedanken und Visionen in die Gruppe getragen werden. „Ich möchte jeden dazu einladen.


Warum haben Sie ... keine Lust mehr zu kandidieren?

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Helene Schrolmberger verabschiedet sich aus der Gemeindepolitik.

Helene Schrolmberger hat lange mit sich gerungen, wie sie sagt. Zwei Legislaturperioden fungierte sie im Retzer Rathaus als Gemeinderätin für „Die Grünen“ (siehe oben). Sie ist die einzige Vertreterin der Partei gewesen. Jetzt gab sie bekannt, dass sie bei der nächsten Wahl nicht mehr kandidieren will.

NÖN: Warum wollen Sie sich aus der Gemeindepolitik in Retz zurückziehen?
Helene Schrolmberger: Ich scheide aus privaten und persönlichen Gründen aus. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen.

„Diskussionsbedarf wird nun nicht mehr als Angriff gesehen“

Warum hängt Ihr Herz so sehr an der Gemeindepolitik?
Gemeindepolitik ist sicher der emotional am stärksten besetzte Politikbereich, zum größten Teil wird ja der Lebensraum der Menschen unmittelbar gestaltet – entsprechend groß ist der Leidensdruck, etwa bei vorschnell gefällten Bäumen. Gemeindepolitik betrifft die Qualität von Bildungsmöglichkeiten, Verkehrsmöglichkeiten, Wirtschaftsentwicklungen und vieles mehr. In allem spiegelt sich die höhere Politik und in diesem Spannungsfeld bewegt man sich dann und kann etwas bewegen.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Bilanz?
Ich gab den Anstoß für eine professionelle Herangehensweise ans Budget. Ich habe lang geübte Gewohnheiten hinterfragt, wie den Ritus des Abnickens von Tagesordnungspunkten zu unterbrechen. Diskussionsbedarf wird nicht mehr als Angriff gesehen, das habe ich anfangs massiv erlebt. Eingebracht habe ich Anstöße zum transparenten Umgang mit Problemen, etwa beim Trinkwasser.

Ist das Amt einer Gemeinderätin nicht auch anstrengend?
Ich habe als einfache Gemeinderätin immerhin zehn Jahre alleine die Grünen vertreten. Ein verantwortungsvoller Umgang damit erfordert einiges an Zeit und Energie. Es war eine manchmal nervenaufreibende, größtenteils anregende und spannende Zeit. Das Amt angestrebt und ausgefüllt zu haben, tut mir nicht leid. Es ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte