Premiere: "Königin Europas" zeigte sich. Die kürzlich entdeckte Karte beeindruckte die Besucher im Stadtmuseum.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 23. Mai 2019 (04:15)
Am vergangenen Wochenende präsentierten (v.l.) Helene Schrolmberger, Celine Wawruschka, Wolfgang Hofbauer sowie Werner Fletzberger die „Königin Europa“ erstmals den Museumsbesuchern.
Donnerbauer

Als Sensationsfund machte die „Königin Europa“ Ende März österreichweit Schlagzeilen. Im Rahmen des Museumsfrühlings Niederösterreich wurde die älteste Darstellung des Kontinents in Form einer Königin am vergangenen Wochenende das erste Mal öffentlich ausgestellt. Rund 100 Besucher nutzten die Gelegenheit und bestaunten die Karte aus 1534, die noch bis 26. Oktober prominentes Highlight des Stadtmuseums sein wird.

Nur am Eröffnungswochenende gab es jedoch die Chance, mit Celine Wawruschka persönlich zu sprechen. Die Archäologin und Kulturhistorikerin entdeckte die Karte durch Zufall, als sie im Sommer im Rahmen des Programms „MuseumsMenschen“ im zweitältesten Stadtmuseum Niederösterreichs forschte. Die Besucher ließen es sich da nicht entgehen, mit der Expertin über die Details der Karte wie die Darstellung einzelner Städte oder die Beschriftungen zu fachsimpeln. Denn gerade diese Einzelheiten geben großen Aufschluss über die politische Situation dieser Zeit. „Sie ist ein Stück politischer Propaganda; es steckt sehr viel Ideologie hinter den Darstellungen“, berichtete die Expertin.

 Präsentation wurde professionell aufbereitet

 Damit auch die zukünftigen Besucher nicht auf diese Hintergrundinformationen verzichten müssen, wurde im vergangenen Monat ein professioneller Kurzfilm vorbereitet, der künftig neben dem Ausstellungsstück laufen wird. Filmemacher Thomas Draschan begleitete darin die Anfertigung des Faksimiles und führte Gespräche mit allen Beteiligten. Die täuschend echte Nachbildung gibt es nun bereits in Form von Postkarten und Postern zu kaufen; eine gerahmte Karte in Originalgröße für zu Hause wird noch vorbereitet. „Wir planen, durch die ‚Königin Europa‘ auch zukünftige andere Ausstellungen zu finanzieren“, hofft Helene Schrolmberger, die wissenschaftliche Beirätin des Museums. Denn auch abseits der royalen Retzerin hat man einiges zu bieten. Schon in dieser Woche wird die nächste Sonderausstellung „Umbrüche 1918/19 in der Region um Retz“ eröffnet, die die Folgen der Grenzziehung von 1919 für die Region beleuchtet und einen Bogen bis in die heutige Zeit spannt. Neben zahlreichen Stücken aus dem Museumsdepot werden die Video-Interviews mit regionalen Zeitzeugen sicher ein Höhepunkt sein. An vorderster Front wird Otto Filipsky, mit 106 Jahren der älteste Retzer, von seinen Erinnerungen erzählen.