Studentenverbindung Rugia als Vorreiter für Frauen. Es ist selten, das Mädchen vollwertige Mitglieder in Verbindungen sind. Retz ist eine Ausnahme.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 01. April 2018 (05:24)
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Sabrina und Maximilian
Karin Widhalm

Die Rugia hat durchaus ein Alleinstellungsmerkmal unter den katholischen, österreichischen Studentenverbindungen: Mädchen und Frauen werden seit 2005 aufgenommen – als vollwertige Mitglieder. Das sei nur bei einer Handvoll Verbindungen der Fall, betont Maximilian Lehr. Einige würden die jungen Damen aufnehmen, ihnen aber kein Stimmrecht gewährt. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, nach Geschlecht zu trennen“, sagt er.

Lehr war Senior von 2011 bis 2014 und gehört damit zur ausklingenden Phase, in der ausschließlich männliche Mitglieder an der Spitze standen. Anna Schöfmann war die Erste dort, ihr folgten Eva Fallheier und Sabrina K. nach. Die männliche Form „Senior“ wird trotzdem beibehalten, daran stört sich die amtierende Chefin K. nicht. Sie sieht den Begriff als „genderneutral“ an.

„Nicht mehr zeitgemäß, nach Geschlecht zu trennen“

Die Öffnung erfolgte 2005 nach einer mehrheitlichen Abstimmung: Lehr erinnert sich daran, dass sich ein ursprünglicher Gegner heute vehement dafür einsetzt, dass die weiblichen Mitglieder auch Senior werden können. Er sehe keine Nachteile. Die Änderung der Geschäftsordnung war letztlich auch deshalb möglich, weil die Retzer verbandsfrei und nicht Teil des übergeordneten, männerdominierten Mittelschüler-Kartell-Verbands sind.

Ganz klar kann sich die Rugia Retz von den schlagenden Burschenschaften abgrenzen. Die breite Öffentlichkeit hingegen tut sich oft schwer, die Studentenschaft von der Burschenschaft zu unterscheiden. Die Rugia Retz werde aber positiv wahrgenommen.

„Ich denke, dass die Rugia im sozialen und öffentlichen Leben der Stadt Retz gut integriert ist“, führt Sabrina K. aus. Der traditionsreiche Jugendverein mit 150 Mitgliedern (mitsamt Altherren) wirkt beim Weinlesefest mit, organisiert den Rugia-Ball und die Charity-Night.

„Sind im öffentlichen Leben gut eingebunden“

„Speziell in Retz haben wir, bedingt durch die relativ niedrige Einwohnerzahl, den Vorteil, dass wir in das öffentliche Leben gut eingebunden sind. Bei Großveranstaltungen treten wir stets als Verbindung auf und suchen so aktiv das Gespräch mit der Bevölkerung“, ergänzt Lehr. Das sei gerade bei Burschenschaft-Debatten wichtig: „Für einen Laien sind wir optisch schwer zu unterscheiden und leider zählt meistens der erste Eindruck“, so Sabrina K.

Selbst für die Rugen sei nicht immer auf Anhieb klar, ob der eine oder andere zur altdeutschen Fraktion gehört. „Die Farben Schwarz-Rot-Gold sind ziemlich eindeutig, aber für uns selbst ist das nur eine Richtlinie“, berichtet Lehr. Band und Deckel der Rugen sind in den Farben Rot-Weiß-Gold gehalten.

Wertvollstes Differenzierungsmerkmal sei aber die Auslegung der vier Prinzipien religio, patria, scientia und amicitia.