Der gute Ton im Atelier 73. Video- und Tonaufnahmen können im Atelier 73 in Unterretzbach gemacht werden. Entworfen hat das "Klangerlebnis" Markus Karasek, damals als Maturaprojekt. Mittlerweile haben Künstler wie Georg Breinschmid oder Emmanuel Tjeknavorian dort musiziert und CDs produziert.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 08. März 2021 (17:04)
Die Harmonie stimmt: Tontechniker Franz Schaden (l.) und Eigentümer Matthias Karasek haben im Atelier 73 in Unterretzbach den idealen Arbeitsplatz gefunden.
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„Man fühlt sich schon einmal wohl, wenn man den Konzertsaal betritt“, schwärmt Franz Schaden vom Atelier 73 in Unterretzbach. Schaden, der seit 2005 Besitzer und Tontechniker des WAVEGARDEN-Studios in Mitterretzbach ist, hat mit dem Atelier 73 einen weiteren Ort gefunden, wo er mit namhaften Künstlern CD-Produktionen aufnimmt.

Die Geburtsstunde des Ateliers begann mit Markus Karasek, der die Hoch- und Tiefbau-HTL in Krems besuchte und für sein Maturaprojekt einen Konzertsaal auf Papier entworfen hat. Sein Vater, Besitzer der Baufirma Karasek, hat den Entwurf in die Realität umgesetzt. Markus’ Bruder Matthias, Fotograf und Werbegrafiker, hat als Eigentümer des Ateliers seine Visionen verwirklichen können: Yoga- und Sportstunden, private Feiern, Konzerte und das Fotostudio von Matthias Karasek machen den Raum lebendig. 

Und nun kommt Franz Schaden ins Spiel: Nachdem er im Atelier 73 ein Neujahrskonzert des Ballhausorchesters gehört hatte, war er von der Akustik des Konzertsaals sofort begeistert. Der Regieraum des Ateliers wurde kurzerhand von Franz Schaden zu einem Aufnahmeraum ausgebaut und voilà: Seit Oktober 2020 wird der Saal für Ton- und Videoaufnahmen genutzt.

Kein Straßenlärm, kein Weihrauchkessel, absolute Ruhe

Dass der Aufnahmesaal nicht in der Donaumetropole liegt, stellt keinen Nachteil dar: „Der Saal liegt in einer absoluten Ruhelage. Oft werden Kammermusik-Aufnahmen in Sälen produziert, wo man mit viel Umgebungslärm zu tun hat“, so der Tonmeister Franz Schaden. In Retzbach ist aber kein störender Straßenbahnlärm oder das Ticken der Ampel, wenn sie auf Grün umschaltet, zu hören. 

Schaden, der 18 Jahre lang Kontrabassist bei den Niederösterreichischen Tonkünstlern war, hat selbst schon einige CD-Aufnahmen hinter sich und kann daher aus Erfahrung sprechen: Er vergleicht die Akustik des Saals mit der einer kleinen Kirche. Der Vorteil beim Atelier 73 ist aber, dass bei der CD-Aufnahme keine Touristen die Produktion stören oder „mittendrin der Weihrauchkessel ausgetauscht wird“ – „man kann sich total aufs Aufnehmen und Musizieren konzentrieren“, resümiert er.

„Wenn er dem Pollini gefallen hat, wird er nicht so schlecht sein“

Ein weiteres Highlight im Atelier 73 ist der Steinway-Flügel, der auch für Schaden eine ganz persönliche Geschichte hat: „Ich habe seit 1990 mit den Tonkünstlern im Musikverein gespielt und bin mir sicher, dass ich gemeinsam mit dem Steinway-Flügel Konzerte bestritten habe“, erzählt der Tontechniker. Der Flügel ist gewiss ein Juwel: Der weltberühmte italienische Pianist und Dirigent Maurizio Pollini hat ihn für den Wiener Musikverein in Hamburg ausgesucht. Später hat Schaden ihn am Gebrauchtmarkt im Internet gefunden: „Ich habe mir gedacht: Ein Klavier, das dem Pollini gefallen hat, wird nicht so schlecht sein. Der Steinway wird von Tag zu Tag besser.“

Akustik lockt internationale Musiker ins Tonstudio

Das Atelier 73 ist längst kein Geheimtipp mehr: Künstler wie Georg Breinschmid, Dominik Wagner, Emmanuel Tjeknavorian und das Barockensemble Pandolfis Consort haben mittlerweile darin musiziert und CDs produziert. „Der Saal hat viele glatte Wände, die aber nicht parallel sind, deswegen wird wenig Energie vernichtet. Sie bleibt also im Raum, daher macht es viel Spaß, darin zu spielen“, verrät Schaden das Erfolgsrezept der Akustik. Dadurch, dass Musiker gerade eine Zwangspause erleben, hätten sie mehr Zeit für Aufnahmeproduktionen. „Aber man weiß nicht, wie lange das noch so geht“, meint Schaden. "

Den Musikern geht vielleicht das Geld, die Lust oder die Perspektive aus.“ Der Tontechniker und Studiobesitzer sei aber nicht so massiv betroffen wie die Künstler: „Wir haben schon Rückgänge gehabt, aber es ist nicht so katastrophal wie im Live-Bereich.“