Berge, Tiere und exotische Pflanzen im Kunstraum. Im Kunstraum Retz wurde vor wenigen Tagen die Finissage der Ausstellung „FOLLOW“ unter Anwesenheit der Künstlerinnen Julia Rublow und Alice von Alten mit einer Künstlerbuchpräsentation von Magdalena Stöger gefeiert.

Von Romana Schuler. Erstellt am 11. Juli 2020 (16:33)

Beide Künstlerinnen beschäftigen sich mit der Wahrnehmung von Natur und dem Selbst. Beide haben sie an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert und beide nutzen unterschiedliche Medien wie Malerei, Fotografie, Skulptur und Performances, um sich ihren Fragestellungen anzunähern. In ihrem Pressetext finden sich elementare Begrifflichkeiten wie Natur, Kontrolle, Freiheit oder Identität. 

Diese Themenkreise bleiben in der Kunst stets aktuell. Die Ausstellung in Retz bot einen spannenden Überblick über die Arbeiten der Künstlerinnen. Gezeigt wurden visuelle Umsetzungen mittels Landschaftsfotografien und kleine glasierte, bunte Tonobjekte.

Die Fotografien der Münchnerin Alice von Alten zeigen Berglandschaften in Vorarlberg, die 2014 aufgenommen wurden. Ihre Motive ergänzte sie durch eine gefaltete Wanderkarte: Über der fotografierten Landschaft wird das Koordinatenraster aus der Wanderkarte sichtbar. Alten will mit der künstlerisch verfremdeten Vermessung der Landschaft bzw. das Übertragen der Natur-Motive auf ein Kartenbild die Kontrolle und menschliche Dominanz über die Natur hinterfragen.

Am Boden liegen oder stehen die kleinen Tonobjekte von Julia Rublow. Der Besucher wird unwillkürlich dazu verleitet, herausfinden zu wollen, welche seltsamen Tiere oder exotische Pflanzen diese Objekte darstellen oder woran sie erinnern könnten. Vielleicht an seltene Lebewesen, die tief am Meeresgrund heimisch sind? Die Titel der Objekte, wie „Astute Klasse“, „Multipla“ oder „Reflux“, geben auch nicht die erwünschte Information preis.

Fragen nach Identität, Sicherheit aufzuwerfen oder auch bewusste Störungen hervorzurufen sind die künstlerischen Strategien, die Rublow mit ihren Werken verfolgt.

Das Künstlerbuch, das Magdalena Stöger mit den beiden publizierte, stellt deren medienübergreifende Arbeitsweise noch deutlicher in den Vordergrund.

Die Leiterin des Kunstraums Retz, Ida-Maria Corell, war sich zunächst gar nicht sicher gewesen, ob die Ausstellung am 18. Mai, mitten im Corona-Lockdown, überhaupt stattfinden sollte. Sie wurde dann trotzdem eröffnet – ohne Publikum. Umso mehr freute sie sich mit den Künstlerinnen und den Gästen, dass die Finissage bei sommerlichen Temperaturen ins Freie verlegt werden konnte.