Schuldig? „Gesetzlich ja, menschlich nein“. Ein Kroate wollt einer 77-Jährigen trotz Verurteilung ihren Pkw nicht zurückgeben. Nun saß er erneut auf der Anklagebank.

Von Sandra Frank. Erstellt am 29. Juni 2017 (05:58)
Shutterstock, Jose AS Reyes
Symbolbild

Bereits im August 2015 war ein Kroate, 47, dazu verurteilt worden, einen Pkw samt Papieren an die rechtmäßige Besitzerin zurückzugeben, und zwar binnen zwei Wochen. Weil dies aber nicht geschah, fand sich der Mann wegen Urkundenunterdrückung nun wieder am Bezirksgericht Hollabrunn ein.

„Aufgesprungen und nicht wieder gekommen“

Denn die alte Dame, die das Auto erstanden hatte, konnte das Auto ohne Zulassungsschein nicht abmelden. So musste sie Leasingraten und Versicherung weiter bezahlen, ohne ein Auto zu besitzen. Der 77-Jährigen entstand dadurch in den vergangenen beiden Jahren ein Schaden von etwa 9.800 Euro. Dieses Geld wollte sie sich nun zurückholen.

Warum er das Auto nach der Verurteilung nicht zurückgegeben habe, wollte Richter Erhard Neubauer vom Angeklagten wissen. „Ich habe mich im Recht gefühlt“, erklärte der Kroate. Immerhin habe ihm die alte Dame erlaubt, mit dem Wagen zu fahren.

Bis 2014 lebten die beiden im Retzer Land unter einem Dach. Er habe für die 77-Jährige Einkäufe erledigt, ihr im Haushalt geholfen. „Sie war dann aber sehr fordernd“, kam es schließlich zum Bruch. „Im Juli 2014 ist er auf einmal aufgesprungen, weggefahren und ist nicht mehr wieder gekommen“, erinnert sich die 77-Jährige an den Sommer 2014.

Das Auto kam zurück, aber beschädigt

Seit 2011 habe der um 30 Jahre jüngere Mann bei ihr gewohnt. Im Februar 2012 habe sie den VW Tiguan geleast, sei aber nie selbst damit gefahren. Geschenkt habe sie dem Angeklagten das Auto aber nicht. „Das geht ja nicht, das ist ein Leasingauto.“

Nachdem der Angeklagte vor drei Jahren gegangen sei, habe es keinen Kontakt mehr gegeben. „Obwohl ich dich x-mal angerufen habe“, so die Zeugin. Mittlerweile hat sie das Auto wieder, allerdings: „Weil er kein Service machen hat lassen, ist es kaputt und kann nicht mehr verkauft werden.“

„Bekennen Sie sich schuldig, den Zulassungsschein gehabt zu haben?“, wollte Neubauer die Verhandlung zu einem Ende bringen. „Gesetzlich ja, menschlich nein“, gab der Angeklagte zu Protokoll. Er wollte sogar noch weitere Zeugen holen. Dem Richter war nicht klar, wohin das führen sollte. „Sie bringen das Urteil nicht weg, auch wenn Sie mir 100 Zeugen bringen. Es ist rechtskräftig“, gab es für Neubauer keinen weiteren Diskussionsbedarf.

Er sprach den Angeklagten schuldig und verhängte eine dreimonatige Bewährungsstrafe. Dieses Urteil nahm der 47-Jährige an. Die 9.800 Euro will er der alten Dame aber nicht zahlen. „Ich werd‘ sie verklagen. Ich hab‘ selbst höhere Ansprüche!“, soll‘s auf zivilrechtlichem Weg in die nächste Runde gehen.