Retzer Land trauert um Teenager. Zwei Burschen tot | Jugendliche starben nach Zusammenstoß mit einem Pkw. Ihr Moped fing Feuer.

Erstellt am 04. März 2014 (07:51)
NOEN, Widhalm / privat
Alexander Wasinger postete noch in der Nacht ein Foto von sich und Julian Eidher auf Facebook. - »Warum?«, fragen sich viele. Jugendliche zündeten Kerzen für die beiden Burschen an.
Zwei Todesopfer hat ein Mopedunfall Samstagfrüh im Weinviertel gefordert. Der 16-jährige Lenker und sein 17-jähriger Kumpel, der am Sozius saß, starben trotz massiver Wiederbelebungsversuche noch an der Unfallstelle. Das viel zu frühe Lebensende der jungen Burschen bedrückt die ganze Region. Alexander Wasinger wohnte in Unternalb, Julian Eidher in Pulkau.

Die Jugendlichen waren gegen vier Uhr früh im Ortsgebiet von Retz auf Höhe des Friedhofes zunächst gegen eine Schneestange geprallt, schildert die Polizei den Unfallhergang. Beim Versuch, nach links auszulenken, verlor der Lenker die Kontrolle und stürzte. Das Moped schlitterte samt den Burschen auf die Gegenfahrbahn unmittelbar vor das Fahrzeug eines 55-jährigen Zeitungsauslieferer aus Tschechien, der mit seiner Frau stadtauswärts unterwegs gewesen war.

Der Schock sitzt noch tief in den Knochen

Der Autofahrer bremste, konnte aber nicht mehr anhalten, so die Polizei. Durch die Wucht des Zusammenstoßes wurde das Kleinkraftrad rechts in ein Beet geschleudert und geriet in Brand. Ein in unmittelbarer Nähe des Unfallorts wohnender Feuerwehrmann wurde durch den Lärm des Unfalls aufgeweckt. Gleichzeitig läutete bei ihm der tschechische Zeitungsauslieferer an, der ebenso wie seine Frau unverletzt geblieben war.

„Er hat meinem Kollegen gleich das Handy in die Hände gedrückt, weil er sich auf Deutsch nur schwer verständigen konnte“, erzählt Kommandant Christian Lehninger. Der FF-Mann schnappte sich den Feuerlöscher und alarmierte seine Kollegen der Feuerwehr Retz. „Wir sind raus und haben geholfen“, erzählt seine Frau. Ihr Gatte bekämpfte die Flammen, um die schwer verletzten Unfallopfer zu schützen.
„Ein anderer Nachbar war auch noch draußen. Ich habe versucht, alles abzusichern. In so einer Situation muss man einfach funktionieren ...“, so die Retzerin. Der Schock sitzt ihr noch tief in den Knochen: „Sobald das Blaulicht da war, bin ich ins Haus gegangen. Ich bin gerade dabei, das irgendwie für mich zu verarbeiten.“

NOEN, Widhalm / privat
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„Das macht mich schon sehr betroffen“

Die Feuerwehr traf nur wenige Minuten nach dem Unfall gemeinsam mit Helfern des Roten Kreuzes und einem Notarzt ein. Fast 45 Minuten kämpften sie um das Leben der Jugendlichen. Doch die Hilfe kam zu spät.
Das Kriseninterventionsteam betreute die Pkw-Insassen und die Familien der beiden Jugendlichen. Ein speziell ausgebildeter FF-Mann kümmerte sich bis acht Uhr früh um die Retzer Feuerwehrleute, damit sie das Erlebte besser bewältigen können. „Einsatzleiter Markus Leidenfrost hat das gleich vor Ort entschieden, dass ein FF-Peer über die Landeswarnzentrale angefordert werden soll“, so Lehninger.
Der FF-Chef stieß erst später zu seinen Kollegen hinzu. Ein Schock ist es für ihn auch: „Das macht mich schon sehr betroffen“, sagt er.

„Viele kommen, um Abschied zu nehmen“

Der tragische Zusammenstoß beim Retzer Friedhof erschüttert nicht nur ihn. In den Morgenstunden ist ein Holzkreuz bei der Unfallstelle aufgestellt worden, rundherum werden immer mehr Kerzen zum Gedenken angezündet. „Seit Samstag ist das hier eine Pilgerstätte. Viele junge Leute kommen her, um Abschied zu nehmen“, beobachtete eine Anrainerin. Die Facebook-Profile der beiden Burschen verwandelten sich in Kondolenzbücher.
Bestürzt waren die Bürger in den Heimatstädten der verunglückten Jugendlichen. Die FF Pulkau entschloss sich, auf die Mitternachtseinlage bei ihrem Ball zu verzichten. Er fand nur wenige Stunden nach dem Unfall statt.