Retzer Rache ging nach hinten los. Retzer belästigte ahnungslose Waldviertlerinnen, weil er selbst ein Opfer gewesen sei.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 09. September 2014 (08:29)
NOEN, Hahslinger
Ankläger Franz Hütter war mit einer vorläufigen Einstellung des Verfahrens einverstanden.
Zwei Waldviertlerinnen – eine Hornerin und eine Zwettlerin – wussten nicht, wie ihnen geschah, als sie plötzlich unzüchtige Angebote auf dem Handy oder in Internetforen erhielten. Unter anderem hieß es da: „Habe dein Profil im Sexforum gefunden, wie sind deine Preise? Ich kann auch zu dir kommen!“

Ermittler durchforsteten das Internet

Als die Anfragen immer mehr und dreister wurden, bekamen es die beiden Frauen mit der Angst zu tun und schalteten die Polizei ein. „Es artete in beängstigende Belästigung aus und ich konnte schon nicht mehr schlafen“, schildert ein Opfer vor Gericht.

Die Ermittler durchforsteten daraufhin das Internet. Die richtige Spur im Netz führte schlussendlich zu einem Weinviertler: Ein 32-jähriger Retzer hatte sich die Onlineprofile der beiden Frauen einfach zunutze gemacht. Mit den Daten und Fotos der ahnungslosen Waldviertlerinnen hatte er anrüchige Lock-Seiten im Netz erstellt.

„Ich war selbst Opfer böser Männerstreiche“

Warum er auf solch eine Idee kam, wollte der Richter wissen. „Ich wurde auch getäuscht und ich bin Opfer böser Männerstreiche geworden. Ich bin selbst auf Schmäh-Seiten im Internet hereingefallen und ich wollte mich deshalb an der Männerwelt rächen“, erklärte der Retzer vor Gericht.

Dass seine Rache die Falschen, nämlich lediglich die zwei ahnungslosen Frauen treffen wird, wollte er nicht bedacht haben. „Es tut mir leid. Ich entschuldige mich bei den beiden Damen“, beteuerte der einsichtige Retzer vor Gericht.

Die Stalking-Causa fand ein diversionelles Ende: Das Verfahren gegen den bislang unbescholtenen Weinviertler wurde vorläufig, für eine Probezeit von zwei Jahren, eingestellt.