Schüler erhalten Andenken an Kriegsopfer. Das Österreichische Schwarze Kreuz startete mit Schülern der Neuen Mittelschule Retz ein Projekt, um die Inschriften an den Grabsteinen wieder lesbar zu machen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 23. Mai 2019 (19:04)

255 Gräber befinden sich am Retzer Soldatenfriedhof. Die Namen der gefallenen Soldaten und vermissten Kriegsopfer auf den Granitkreuzen sind inzwischen stark verwittert und nur mehr schwer leserlich.

 In einem gemeinsamen Projekt mit dem Österreichischen Schwarzen Kreuz (ÖSK), zogen die Schüler der Neuen Mittelschule Retz die Inschriften auf den Grabsteinen daher mit einem geeigneten Stift nach. Dem ÖSK, das heuer sein 100-jähriges Bestehen feiert, war die Aktion ein großes Anliegen, um den Gefallenen in Retz auch weiterhin ein würdiges Andenken zu gewähren, wie Organisator Dieter Preiß betonte.

Die Geschichte des Soldatenfriedhofs Retz

848 Kriegstote des Zweiten Weltkrieges und 29 Kriegstote des Ersten Weltkrieges wurden 1978 durch das ÖSK und den Umbettungsdienst des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) aus den Bezirken Hollabrunn, Mistelbach und Korneuburg nach Retz überführt und in den neu angelegten Sammelfriedhof Retz eingebettet.


Die Gräberstätte fügt sich harmonisch in das umliegende Landschaftsbild
ein. Über einen naturbelassenen Pfad, begleitet von bodennaher Flora, erreicht man durch eine Öffnung im angrenzenden Steinwall das Gelände der Gräberstätte. Ein Granitpflasterweg führt vorbei am Hochkreuz zum tiefer liegenden Gräberfeld. Natursteinkreuze aus Waldviertler Granit kennzeichnen die Gräber der hier Ruhenden. 

Am 30. September 1979 wurde der Friedhof in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Kirchschläger eingeweiht.

Gefallene bekamen Identität wieder

Seit Ende der Sechziger Jahre engagiert sich der VDK freiwillig in der Kriegsgräberfürsorge in Österreich. Gemeinsam mit dem ÖSK wurden die Exhumierungen von Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus den Urgrablagen, Pfarr-, Stadt- und Gemeindefriedhöfen vorgenommen. Die Gräber der gefallenen Soldaten wurden durch fachkundiges Personal geöffnet, die Toten wenn möglich identifiziert (Erfolgsquote 60 Prozent) und anschließend in einen der neu angelegten Sammelfriedhöfe wieder eingebettet. 

Durch diese Aktion konnte vielen Gefallenen ihre Identität wiedergegeben werden. Auf diese Weise erhielten zahlreiche Familien nach Jahrzehnten, Gewissheit über das Schicksal ihres Angehörigen.


In jedem Viertel Niederösterreichs ein Sammelfriedhof 

Weiteres galt es Grundstücke für die neuen Soldatenfriedhöfe zu finden. Mit der kostenlosen Überlassung von Bundesgrundstücken in Allentsteig (Waldviertel) und Blumau (Industrieviertel) war dieses Problem für zwei Sammelfriedhöfe gelöst. Die Marktgemeinde Wölbling (Mostviertel) im Bezirk St. Pölten und die Stadtgemeinde Retz (Weinviertel) stellten aus eigenem Antrieb ein Grundstück kostenlos dem ÖSK zur Verfügung. Bereits 1977 begannen die Umbettungen auf die im Bau befindlichen Friedhöfe.