Risiko zahlt sich aus. Theater–Premiere II / Von einem 88-jährigen Lausbub & einer hitzigen Jugendbande, die gleichermaßen das Publikum begeisterten.

Erstellt am 06. November 2012 (00:00)
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Konfrontationen im Jugendstück.
Von Christian Pfeiffer

OBERFELLABRUNN / Gerade für eine Laiengruppe, als die sich die Oberfellabrunner nicht ohne Stolz bezeichnen, war die diesjährige Produktion ein ganz besonderes Risiko.

Man traute sich, den Einakter „Die schlimmen Buben in der Schule“ von Johann Nestroy mit einem zeitgenössischen Stück zu koppeln. Ein interessantes und nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Im Vorfeld war man sicher, dass nicht alle Besucher den Enthusiasmus der Gruppe teilen und das zweite Stück verschmähen würden.

Aber es kam anders. Es ist nicht übertrieben, die Produktion als Triumph für die Oberfellabrunner zu bezeichnen. Nicht nur dass das Publikum neugierig war auf die Leistungen der „Jungen Bühne“, nach dem letzten Vorhang wollte der Jubel kein Ende nehmen. Somit muss man das blutjunge Ensemble ermuntern, in dieser Tonart weiter zu machen.

Enormen Anteil an diesem gelungenen Drahtseilakt hat der Regisseur beider Stücke, Andreas Erstling, der zum ersten Mal im Kulturstadl inszenierte. Wie sich die Jugendlichen von ihm zu emotionalen Momenten hinreißen ließen, zeigt Handwerk bester Manier und Zuneigung zu den Akteuren der Truppe.

An letzterer ließ er es auch beim Nestroy-Einakter nicht missen. So manchen Stammschauspieler der Truppe konnte man in der auf Tempo gebürsteten Burleske mit neuen Facetten erleben. Star des Nestroy Stückes ist der 88-jährige Franz Braindl. Mit wie viel Schwung, Energie und Schlitzohrigkeit er den „Stanislaus Wichtig“ austattet ist allein schon einen Besuch des Abends wert.

Wenn diese Produktion sozusagen ein Versprechen war, dann hat in Oberfellabrunn eine neue Ära begonnen.