Der NÖ-Präsident der Winzer. Roseldorfer an der Spitze des Weinbauverbandes. Reinhard Zöchmann über Herausforderungen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 31. Dezember 2020 (03:24)
Zu Hause wurde viel Wein getrunken, doch der Ausfall im Gastro-Bereich wird sich noch lange bemerkbar machen, sagt Neo-Präsident Reinhard Zöchmann.
Enzmann

Der Weinbauverband Niederösterreich hat einen neuen Präsidenten: Reinhard Zöchmann (45) aus Roseldorf wurde mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen zu Franz Backknechts Nachfolger gewählt. Dieser beendet damit seine 27 Jahre dauernde Ära und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Backknecht war eine geordnete Hofübergabe wichtig, Landeskammerrat Zöchmann war sein Wunschnachfolger. Deshalb erledigten die beiden im vergangenen Jahr viele Aufgaben gemeinsam.

„23 Millionen Liter Wein wurden heuer nicht getrunken.“ Reinhard Zöchmann

Der Roseldorfer freut sich über das Vertrauen seiner Winzer. Die kennen ihn gut, immerhin war der zweifache Vater fünf Jahre als Vizepräsident im Einsatz. „Es ist eine sehr ehrenvolle, ehrenamtliche Tätigkeit, in der man sehr viel bewegen und bewirken kann“, so Zöchmanns erste Reaktion nach der Online-Wahl.

Ein großes Thema, das den frischgebackenen Weinbaupräsidenten beschäftigt, ist eine gemeinsame Bewerbung des heimischen Weins: Derzeit gibt es nämlich neun „Regionale Weinkomitees“ in Niederösterreich. „Jedes macht Werbung für sich“, weiß Zöchmann. Dazu komme noch das NÖ Weinmarketing. Der Weinbaupräsident will hier Synergien nutzen. Erste Weichen wurden bereits gestellt: Ulrike Hager, die bisher Geschäftsführerin des Regionalen Weinkomitees Weinviertel war, wird ab Juni diese Aufgabe übernehmen. „Sie hat viel Erfahrung, die sie dafür gut einsetzen kann.“

Ein weiteres Thema, das Backknecht bereits auf den Weg gebracht hat: das Herkunftsmarketing auf eine gesetzliche Grundlage stellen. Denn was genau auf der Weinetikette stehen darf, entscheidet letztendlich der Ministerrat. Der Weinbauverband strebt eine Lagenklassifizierung für alle Winzer an. Hier müsse etwa definiert werden: Was ist eine besondere Lage?

Noch im Jänner 2021 soll das nationale Komitee die Vorschläge des Bundesweinbauverbands erhalten. Danach geht es weiter zur Begutachtung ins Ministerium und schließlich in den Ministerrat.

Warum hier so ein strenger Weg eingehalten werden muss? „Seit dem Weinskandal haben wir ein sehr strenges Weingesetz“, erläutert der frühere AMA-Mitarbeiter. Er betont aber: „Das ist gut, das schützt uns vor Vermischungen mit dem Ausland.“

Für ihn ist außerdem wichtig, dass künftig Entscheidungen auf einer breiten Basis besprochen werden. So will Zöchmann etwa 20 Beiräte ernennen. „Die Winzer müssen das Gefühl haben, gehört zu werden. Sie müssen wissen, dass jeder Einzelne wichtig für unser Getriebe ist.“ Er will außerdem den Traubenproduzenten helfen, einen stabilen Preis für ihre Trauben zu bekommen.

Eine Herausforderung, die der Coronakrise geschuldet ist, sieht Zöchmann im nächsten Jahr auf die Winzer zukommen: „23 Millionen Liter Wein wurden heuer nicht getrunken.“ Das sind jene Mengen, die in normalen Jahren in der Gastro, vor allem im Tourismus, konsumiert worden sind. Auch wenn es Sommertourismus gegeben hat, der Städtetourismus sei komplett weggebrochen. Hier spricht Zöchmann von Umsatzeinbußen bis zu 80 Prozent bei seinen Winzerkollegen. Für die Weinbauern gibt es zwar einen Umsatzersatz von der Regierung, doch der löst das Problem nicht.

„Die Winzer haben dann zwar das Geld. Aber die, die nur an die Gastronomie liefern, wissen nicht, was sie mit dem Wein machen sollen“, erklärt der 45-Jährige. Der bleibt in den Fässern und wird nächstes Jahr auf den Markt drücken.

In den Ländern, in denen Österreich ein Alkoholmonopol hat, das sind Kanada und die skandinavischen Länder, sei das erste Halbjahr gut verlaufen: „Dorthin wurden um 1,8 Millionen Liter mehr Wein exportiert“, sagt Zöchmann. Der Heimkonsum sei vor allem im ersten Lockdown angestiegen.