Stilles Mahnmal: Ein Friedhof, dem die Lichter fehlen. 15.000 Reichsmark kostete vor 73 Jahren die Gedenkstätte für russische Soldaten.

Von Lydia Steininger. Erstellt am 01. November 2018 (07:02)
Stadtmuseum Hollabrunn, Lydia Steininger
Originalaufnahmen von der feierlichen Eröffnung und Einweihung des Russenfriedhofs im Jänner 1946.Lydia Steininger

Am heutigen 1. November verwandeln sich die Friedhöfe durch unzählige Grablichter in freundliche Orte. Einer bleibt dunkel und leer: der Russenfriedhof in Hollabrunn.

Lydia Steininger
Valentin Sergejevič Jerastov,russischer Oberfeldwebel, begraben in Hollabrunn.

Am 26. April 1945, nur zwölf Tage vor der Kapitulation Deutschlands, stirbt Valentin Sergejevič Jerastov in den letzten Wirren des Zweiten Weltkriegs. Nur so viel ist bekannt: Der russische Oberfeldwebel war lediglich zwanzig Jahre alt, als er fiel. Jetzt ziert ein verblichenes Foto von ihm in Uniform seinen Grabstein am Hollabrunner Russendenkmal, wo er seine letzte Ruhestätte fand.

Insgesamt 63 weitere russische Soldaten teilten sein Schicksal und liegen fernab ihrer Heimat in der Jahnstraße begraben.

Bereits im Oktober 1945 hatte die russische Armee die Errichtung eines Denkmals in Hollabrunn in Auftrag gegeben. Architekt Roland Rainer, der unter anderem durch den Bau der Wiener Stadthalle Bekanntheit erlangte, wurde mit dem Projekt beauftragt. Für die Kosten, 15.000 Reichsmark, mussten die Stadtgemeinde Hollabrunn und das Land Niederösterreich aufkommen.

Um Russendenkmal ist es still geworden

In nur knapp drei Monaten konnte Stadtbaumeister Karl Gaugusch den Bau vollenden und am 16. Dezember 1945 den Russen übergeben. Das Denkmal besteht aus 22 Einzelgräbern, einem Massengrab für 42 russische Soldaten, steinernen Tafeln mit kyrillischer Inschrift und einem alles überragenden Obelisken.

Heute ist es um das Russendenkmal still geworden. Während am Nationalfeiertag der gefallenen österreichischen Soldaten gedacht wird, gibt es solche Zeremonien beim Hollabrunner Russendenkmal nicht. „In unregelmäßigen Abständen schaut ein Kulturattaché der russischen Botschaft vorbei“, weiß Josef Goll von der Stadtgemeinde Hollabrunn zu berichten. Sonst kommen außer den Gärtnern und Arbeitern der Stadtgemeinde wenige Besucher zur Gedenkstätte.

Die Republik Österreich ist dazu verpflichtet, die Russendenkmäler instand zu halten, so steht es im Staatsvertrag festgeschrieben. 2009 wurden drei Grabsteine von Vandalen umgestoßen, sodass sie wieder aufgestellt werden mussten. Zur Vereinbarung gehört auch die Friedhofspflege. „Das bedeutet unter anderem den Rasen zu mähen, die Blumenschale zu bepflanzen und Sträucher zu schneiden“, schildert Goll. Nur das Anzünden von Kerzen gehört nicht zu den Aufgaben der Gemeinde, das machen normalerweise die Angehörigen …

Die Autorin ist Teilnehmerin des Kurses „Lokaljournalismus mit der NÖN“, der vom Verein der Freunde der Katholischen Medien Akademie (Hollabrunn) gefördert wurde.